Mehr als 20 cm Schnee! Lake-Effekt bringt Winterchaos | Weather.com
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Bis 30 cm Schnee! Lake-Effekt bringt Winterchaos

Das Wetter bringt gleich zu Beginn des Jahres eine Menge Überraschungspotenzial. Schneeschauer und Sturmböen drohen gebietsweise ein Verkehrschaos auszulösen.

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Der Winter meldet sich mit voller Wucht zurück und bringt eine Wetterlage, die sowohl meteorologisch spannend als auch äußerst schwer vorherzusagen ist.

Temperaturgegensatz macht die Atmosphäre labil

Sehr kalte Luft in der Höhe trifft auf vergleichsweise warme Wasserflächen von Nord- und Ostsee. Dieser starke Temperaturgegensatz löst eine Labilität in der Atmosphäre aus und das bildet die Grundlage für teils kräftige Schneeschauer, große regionale Unterschiede und lokal beachtliche Neuschneemengen. Besonders im Norden von Deutschland wird es am Freitag heftig schneien.

Der Deutsche Wetterdienst warnt am Freitag vor massivem Schneefall. In mittleren und höheren Lagen werden über 10 cm Neuschnee innerhalb von 12 Stunden erwartet. In Staulagen der Mittelgebirge und im Oberallgäu können lokal bis zu 30 cm fallen. In Hochlagen kommt es zu Schneeverwehungen mit eingeschränkter Sicht und erschwerter Verkehrslage.

Wann geht es mit den Schneefällen los?

Am Freitag zeigt sich das Wetter bei vielen Wolken verbreitet nasskalt mit Schnee- und Schneeregenschauern, an den Küsten sind auch kurze Graupelgewitter möglich. Im Bergland herrscht durchweg winterliches Wetter. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 0 und 5 Grad, in höheren Lagen herrscht teils leichter Dauerfrost. Dazu weht ein mäßiger bis frischer Westwind mit starken bis stürmischen Böen: An den Küsten treten Sturmböen auf, die zum Abend allmählich nachlassen.

In der Nacht zu Samstag fällt im Süden zeitweise Schnee, sonst treten weitere Schnee- und Schneeregenschauer auf, zwischendurch kann es auch auflockern. Die Temperaturen sinken auf 0 bis −5 Grad, im Bergland teils deutlich darunter. Entsprechend besteht verbreitet Glättegefahr.

Wo fällt der meiste Schnee?

  • Der meteorologische Schwerpunkt dieser Wetterlage liegt klar im Norden und Nordwesten. Immer wieder ziehen Schneeschauer von der Nordsee ins Landesinnere, besonders nach Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen sowie in die angrenzenden Regionen der Niederlande.

Lake-Effekt bringt Schnee

Ursache ist ein ausgeprägter Lake-Effekt. Obwohl dieser Begriff ursprünglich aus Nordamerika stammt, funktioniert der Mechanismus an der Nordsee und auch an der Ostsee ganz ähnlich. Sehr kalte Luft in der Höhe strömt über das im Vergleich noch warme Wasser, nimmt viel Feuchtigkeit auf und wird stark labil geschichtet. Die Luft steigt auf, kräftige Quellwolken entstehen und organisieren sich zu schmalen, aber teils sehr intensiven Schauerstraßen.

Wetterphänomen erschwert Vorhersage

Wetterkarte von Europa zeigt Schauerstraßen, die am Freitag über Nord- und Ostsee ziehen.
Am Freitag ziehen Schauerstraßen über die Küstengebiete. Beim Lake-Effekt kann in kurzer Zeit sehr viel Schnee fallen.
(TWC)

Diese Schneeschauer ziehen mit der Strömung über Land und können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Schneemengen bringen. Genau hier liegt auch die große Schwierigkeit der Vorhersage. Grob aufgelöste Wettermodelle, insbesondere das amerikanische Modell, reagieren bei solchen Lagen häufig zu zurückhaltend und unterschätzen Intensität und Niederschlagsmenge deutlich. Gerade in Norddeutschland kann daher lokal wesentlich mehr Schnee fallen, als es viele Prognosen zunächst erwarten lassen.

Das hochaufgelöste Wettermodell ICON zeigt aktuell ein sehr markantes Schneesignal. Allein bis Samstag gegen 4 Uhr morgens werden im Ruhrgebiet bis zur niederländischen Grenze lokal bis zu 20 cm Schnee berechnet. Dabei handelt es sich nur um den ersten Abschnitt der Wetterlage. Da sich die Strömung in den Folgetagen kaum ändert, können weitere Schneeschauer folgen und die Gesamtschneemengen weiter anwachsen.

Wo treten die stärksten Schneefälle auf?

Wo genau die stärksten Schneefälle auftreten, ist allerdings nur sehr kurzfristig vorhersehbar. Schon kleine Änderungen in Windrichtung oder Intensität entscheiden darüber, ob ein Ort unter einer aktiven Schauerstraße liegt oder nahezu leer ausgeht. So kann es vorkommen, dass in einem Ort der Verkehr komplett zum Erliegen kommt, während es im Nachbarort kaum geschneit hat – ein typisches Merkmal von Lake-Effekt-Lagen.

Mehr als 15 Zentimeter Schnee in den Mittelgebirgen

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Zusätzlich verstärken sich die Schneeschauer an den Mittelgebirgen durch topografisch bedingte Hebung. Sobald die feuchte Luft auf ansteigendes Gelände trifft, wird sie zum Aufsteigen gezwungen, die Wolken wachsen weiter und der Schneefall intensiviert sich.

Besonders betroffen sind das Bergische Land, das Siegerland, das Sauerland und der Teutoburger Wald. Dort sind mehr als 15 cm Schnee, lokal auch über 20 cm, möglich. Es können sehr wahrscheinlich noch höhere Mengen zusammenkommen, wenn mehrere kräftige Schauer wiederholt über denselben Ort ziehen, vor allem in der Nacht auf Freitag. Auch im Harz sind Schneemengen um 20 cm realistisch.

Schauerstraßen ziehen über die Ostsee

Nicht unterschätzt werden darf zudem die Ostsee. Auch hier greifen viele Modelle zu kurz. In Küstennähe und im angrenzenden Binnenland können verbreitet etwa 10 cm Schnee fallen. Unter kräftigen, länger anhaltenden Schauerstraßen sind lokal auch deutlich höhere Mengen möglich. Wenn es mehrere Stunden intensiv schneit, können sich die berechneten Schneehöhen sogar verdoppeln.

Wie wird das Wetter am Wochenende?

Am Samstag bleibt es im Norden und in der Mitte meist stark bewölkt mit weiteren Schnee- und Graupelschauern, im Norden sind auch einzelne Gewitter möglich. Im Süden zeigt sich das Wetter wechselnd wolkig und abgesehen von etwas Schnee an den Alpen überwiegend trocken. Die Höchstwerte liegen zwischen −1 und +4 Grad.

Am Sonntag folgen nach einer frostigen Nacht im Norden und in der Mitte erneut Schneeschauer, während sich im Süden häufiger die Sonne zeigt und es meist trocken bleibt. Die Temperaturen erreichen −3 bis +3 Grad, im Bergland herrscht Dauerfrost bei mäßigem Nordwestwind.

Ausblick auf die neue Woche

Grafik zeigt Temperaturentwicklung in der neuen Woche.
In der neuen Woche sinken die Temperaturen weiter.
(TWC)

Der Montag verläuft nach teils sehr kalter Nacht, besonders im Süden, dort freundlich und sonnig. Im Norden und an den Küsten bleibt es dagegen wechselhaft mit weiteren Schauern und einzelnen Gewittern. Die Temperaturen liegen zwischen −8 und +4 Grad, an der See etwas milder.

Am Dienstag bleibt es vor allem an den Küsten schaueranfällig und windig bei Höchstwerten um +4 Grad, während sich in den übrigen Regionen bei weiterhin kalten Temperaturen häufiger die Sonne zeigt.

Am Mittwoch setzt sich im Süden sonniges und kaltes Wetter fort, während es an der See bei etwa +3 Grad zeitweise nass und windig bleibt. Am Donnerstag stellt sich erneut nasskaltes Wetter ein, bei einem Wechsel aus teils frostigen Temperaturen und örtlichen Plusgraden.

Wetter mit viel Überraschungspotenzial

Auch am Alpenrand kommt es zu winterlichem Wetter, wenn auch nicht im Fokus dieser besonderen Lage. Dort sind verbreitet 10 bis 20 cm Neuschnee möglich. Besonders im Allgäu können durch Staueffekte sogar bis zu 30 cm Schnee zusammenkommen.

Fazit: Diese Winterlage hat echtes Überraschungspotenzial. Der Lake-Effekt von Nord- und Ostsee kann lokal deutlich mehr Schnee bringen, als viele Modelle zunächst berechnen. Während am Alpenrand klassisches Winterwetter herrscht, liegt der meteorologische Schwerpunkt klar im Norden Deutschlands – mit teils massiven Auswirkungen, großen regionalen Unterschieden und einer Vorhersage, die sich bis zuletzt ändern kann.

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