Bei Frost und Glätte dürfen nur Winter- oder Allwetterreifen mit Alpine-Symbol ans Auto | Weather.com
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Winter- und Allwetterreifen bei Frost: Pflicht, Alpine-Symbol, Profil und Bußgeld

Winterreifen oder Allwetterreifen mit Alpine-Symbol sind bei Glätte Pflicht. Wer mit Sommerreifen fährt, zahlt mindestens 60 Euro und bekommt einen Punkt.

Die ersten Nachtfröste im Herbst machen Autofahrer nervös: Was ist mit den Winterreifen? Oder genügen Ganzjahresreifen?
(GettyImages)

Für die Nacht auf Dienstag sind bis minus zwei Grad vorhergesagt, vor allem im Osten und Süden Deutschlands. Und damit Glättegefahr auf Brücken, Nebenstraßen und in Senken, denn Nässe kann bei diesen Temperaturen überfrieren. Für viele Autofahrer stellt sich damit die Frage, ob schon Winterreifen am Auto sein müssen oder ob Allwetterreifen reichen.

Gilt in Deutschland eine Winterreifenpflicht?

Eine generelle Winterreifenpflicht gibt es in Deutschland nicht, wohl aber eine situative. „Gesetzlich vorgeschrieben ist die Winterbereifung dann, wenn es die Witterung bedingt“, sagt Martin Schirmer, amtlich anerkannter Sachverständiger und Leiter der TÜV-Station Bremen-Neustadt. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte dürfen Autos nur mit Winterreifen fahren, und zwar müssen diese auf allen vier Rädern aufgezogen sein. Die Faustregel „von O bis O“, also von Oktober bis Ostern, dient laut ADAC nur als grobe Orientierung und hat rechtlich keine Bedeutung.

Welches Bußgeld droht ohne Winterreifen?

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen fährt, zahlt 60 Euro und bekommt einen Punkt in Flensburg. Behindert der Fahrer andere, steigt das Bußgeld auf 80 Euro, bei einer Gefährdung auf 100 Euro, nach einem Unfall auf 120 Euro. Auch der Halter haftet: Lässt er die Fahrt mit falscher Bereifung zu, kostet ihn das 75 Euro und ebenfalls einen Punkt. Nach einem Unfall kann die Kaskoversicherung ihre Leistung zudem wegen grober Fahrlässigkeit kürzen.

Wann sollten Winterreifen aufs Auto?

Ob der Wechsel schon im Oktober sinnvoll ist, hängt laut Schirmer vom regionalen Wetter ab. „Wenn die Temperatur im Herbst regelmäßig unter 7 Grad Celsius fällt, verhärtet sich das Gummi der Schönwetterpneus und die Reifen haben weniger Bodenhaftung. Spätestens dann sollten Sie die Reifen wechseln“, sagt er. Nach der frostigen Nacht steigen die Höchstwerte am Dienstag zwar wieder auf 10 bis 19 Grad, die Glättegefahr betrifft aber gerade die frühen Morgenstunden, in denen viele Pendler unterwegs sind.

Woran erkennt man zugelassene Winterreifen?

Als Winterreifen gelten nur Reifen mit dem Alpine-Symbol, einem Berg-Piktogramm mit Schneeflocke. Ein Reifen erhält es erst nach einem bestandenen Bremstest auf Schnee. Die ältere Kennzeichnung M+S, kurz für Mud and Snow, also Matsch und Schnee, reicht allein nicht aus. Wer noch Reifen mit diesem Aufdruck, aber ohne Alpine-Symbol besitzt, darf damit bei winterlichen Verhältnissen nicht fahren. Die Übergangsfrist für ältere M+S-Reifen endete im Herbst 2024. Runderneuerte Reifen tragen ein R und brauchen wie neue Reifen ein E-Prüfzeichen und das Alpine-Symbol.

Reichen Allwetter- oder Ganzjahresreifen im Winter?

Allwetterreifen, auch Ganzjahresreifen genannt, gelten rechtlich als Winterreifen, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Wer sie fährt, erfüllt die situative Winterreifenpflicht und spart sich den Wechsel im Herbst und Frühjahr sowie die Einlagerung eines zweiten Radsatzes. Technisch bleiben sie ein Kompromiss, denn sie sollen auf heißem Asphalt ebenso funktionieren wie auf Schnee und Eis. „Die Wahl des Reifens sollte immer klar von den eigenen Anforderungen und der Fahrleistung abhängen“, erklärt Piero Scazzi, Technikexperte beim ADAC Hessen-Thüringen. Der Automobilclub sieht Allwetterreifen vor allem bei Wenigfahrern in der Stadt, Vielfahrern rät er zu echten Winterreifen.

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Wie groß die Unterschiede zwischen den Modellen sind, zeigt der ADAC-Ganzjahresreifentest vom Juni 2026: Von 16 geprüften Reifen in der Kleinwagengröße 185/65 R15 erhielt nur der Continental AllSeasonContact 2 das Urteil „gut“. Profiltiefe und Alter sollten Autofahrer bei Allwetterreifen genauso im Blick behalten wie bei Winterreifen.

Welche Profiltiefe brauchen Winterreifen?

Gesetzlich vorgeschrieben sind 1,6 Millimeter, Experten raten jedoch zu mindestens vier Millimetern. „Besonders in Schnee, Schneematsch und auf nasser Straße ist eine große Profiltiefe von Vorteil“, sagt der TÜV-Experte. Die vier Millimeter schreibt kein Gesetz vor. Liegt das Restprofil darunter, verschlechtern sich laut Schirmer Traktion und Bremsweg auf winterlichen Straßen jedoch deutlich.

Wie alt dürfen Winterreifen sein?

Nach etwa sechs bis acht Jahren sollten Autofahrer ihre Winterreifen tauschen. „Die im Winter dringend benötigten Weichmacher verflüchtigen sich aus dem Reifen, die Profilblöcke können sich nicht mehr optimal mit der Straße verzahnen“, erklärt Schirmer. „Zudem schreitet die Reifenentwicklung kontinuierlich voran: Ein moderner Reifen ist im Regelfall seinem eigenen Vorgänger überlegen.“ Das Alter verrät die vierstellige DOT-Nummer an der Reifenflanke. „Sie wird von einem ovalen Kreis umschlossen und gibt die Kalenderwoche sowie das Herstellungsjahr an“, so der Experte.

Wie bleiben Winterreifen in gutem Zustand?

Vor der Montage sollten Autofahrer die Reifen auf Schäden prüfen und Steinchen aus dem Profil entfernen. „Unwuchten in Rädern können zu ungleichmäßigem Abfahren des Reifenprofils führen und negative Konsequenzen auf das Fahrverhalten und die Fahrstabilität des Autos haben“, sagt Schirmer. Flattert das Lenkrad, sollte eine Werkstatt die Räder auswuchten.

Sinnvoll ist außerdem, die Reifen durchzuwechseln, damit sie sich gleichmäßig abnutzen. „Bei Autos mit Frontantrieb, sollen die Vorderreifen gleichseitig nach hinten getauscht werden, während die Hinterreifen diagonal versetzt nach vorne müssen“, rät der Fachmann.

„Genau umgekehrt verhält es sich beim Heckantrieb. Für einen Wagen mit Allradantrieb gilt, dass die Reifen immer diagonal die Position wechseln - also etwa von vorne links nach hinten rechts.“ Wer jedes Rad nach der Demontage mit Kreide oder Wachsmalstift markiert, behält vor der Einlagerung den Überblick.

Brauchen Anhänger Winterreifen?

Für Anhänger gilt die situative Winterreifenpflicht laut Schirmer nicht. „Bei häufigem Anhängerbetrieb in entsprechender Witterung sollte man jedoch auch seinen Anhänger mit angemessener Bereifung ausrüsten“, betont der TÜV-Experte.

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