Die wichtigsten Fakten zur Mondfahrt | Weather.com
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Spannende Fakten zur Mondfahrt: Milliarden, Windeln und Männer beim Golfen

Mondfahrt-Wissen von A bis Z. Ein Überblick über die wichtigsten und witzigsten Fakten zur Rekordfahrt der Menschheit.

Die Artemis 2 am Mond: Erstmals seit mehr als 50 Jahren fliegen Menschen so weit.
(Sam Lott/NASA via AP/dpa)

Am Ostermontag passieren vier Menschen die Rückseite des Mondes — so weit draußen wie kein Mensch vor ihnen. Artemis 2 ist der erste bemannte Mondflug seit Apollo 17 im Jahr 1972. An Bord der Orion-Kapsel: Kommandant Reid Wiseman, Pilot Victor Glover, Missionsspezialistin Christina Koch und der Kanadier Jeremy Hansen. Glover ist der erste Schwarze, Koch die erste Frau auf einem Mondflug — Hansen der erste Nicht-US-Amerikaner überhaupt.

Mondfahrt-Wissen

Gelandet wird diesmal nicht. Der Flug folgt einer Acht um Erde und Mond, dauert zehn Tage und ist vor allem eines: Ein Testlauf für das, was danach kommt. Am Ostermontag fliegt Orion rund 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Mondseite vorbei — die man von der Erde aus nicht sehen kann. Dabei werden sich die vier weiter von der Erde entfernen als je ein Mensch zuvor — rund 6.600 Kilometer mehr als der bisherige Rekord der Apollo-13-Crew aus dem Jahr 1970. Am kommenden Samstag, 11. April 2026 soll Orion zurück auf der Erde ankommen, genauer gesagt im Meer.

Hier unser Mondlexikon – mit den spannendsten Fakten von A bis Z:

A — Astronauten: Reine Männerdomäne — bis jetzt

Bisher flogen nur Männer zum Mond. 24 US-Astronauten bei neun Apollo-Missionen von 1969 bis 1972, zwölf davon betraten die Oberfläche. Mit Christina Koch ändert sich das: Sie ist die erste Frau an Bord einer Mondmission.

B — Bodenschätze: Für Mondbauten und Erdindustrie

Fossile Energieträger gibt es auf dem Mond nicht. Im Mondgestein stecken aber Metalle wie Eisen, Titan, Aluminium und Magnesium. Erhofft werden zudem Seltene Erden sowie Platin, Palladium, Rhodium und Silizium. Auch an Helium-Gewinnung sei angedacht, sagt Volker Ossenkopf-Okada von der Universität Köln.

C — Chemie: Atmen unmöglich

Der Mond hat keine Atmosphäre im herkömmlichen Sinne, sondern nur eine extrem dünne Exosphäre — aus nicht einmal zehn Tonnen Material.

D — Drumherum versus drauf

Um den Mond fliegen oder landen — das ist ein riesiger Unterschied. Eine Landung sei bis zu zehnmal riskanter als ein Vorbeiflug, schätzt Martin Tajmar von der Technischen Universität Dresden. „Jedes Manöver innerhalb einer Mission birgt zusätzliches Risiko", erklärt Claas Olthoff von der Universität Stuttgart. Am gefährlichsten: die Triebwerkszündungen bei Start, Landung und Wiedereintritt.

E — Eigentum: Mondgrundstücke gibt es nicht

Wem gehört der Mond? Niemandem. Gemäß dem Weltraumvertrag von 1967 gehört er allen Staaten gemeinsam — kein nationaler Eigentumsanspruch ist zulässig.

F — Flagge: Hissen für den Stolz der Nation

Eines der berühmtesten Bilder der Raumfahrt: Buzz Aldrin neben der US-Flagge, 1969. Lang stand sie nicht. Nach Aldrins eigenen Angaben blies der Triebwerksstrahl beim Abheben die Flagge um. Fünf weitere US-Fahnen folgten bei späteren Apollo-Missionen. 2020 hisste China bei einer unbemannten Landung erstmals die rote Flagge mit den Sternen.

G — Geräusche: Explosion, na und?

Schall braucht ein Medium — Luft, Wasser, irgendetwas. Auf der Mondoberfläche herrscht jedoch Vakuum. Das bedeutet: Selbst eine Explosion in wenigen Metern Entfernung wäre nicht zu hören.

H — Haudegen oder Hasardeur?

„The Eagle has landed." Dass Neil Armstrong das 1969 sagen konnte, ist rückblickend ein kleines Wunder. Zuletzt scheiterten mehrere Missionen allein daran, eine unbemannte Sonde sanft aufzusetzen. Mangels Atmosphäre sind Fallschirme und Tragflächen nutzlos — störanfällige Bremstriebwerke müssen die gesamte Verzögerung von mehreren Tausend Kilometern pro Stunde auf null übernehmen.

I — Interplanetare Zukunft: Erst Mond, dann Mars?

Der Mond ist drei Tage von der Erde entfernt, der Mars sechs bis neun Monate. Eine Notfallrückkehr ist beim Mond noch denkbar. Deshalb gilt er als Testgelände für Technologien, die später auf dem Mars gebraucht werden.

J — Jahreszeiten: Winter auf dem Mond?

Gibt es nicht. Die Erdachse ist um 23,5 Grad geneigt — das erzeugt Jahreszeiten. Die Mondachse kaum. Dafür ist die Tag-Nacht-Differenz auf dem Mond größer als alle Jahreszeiten auf der Erde zusammen, sagt Ossenkopf-Okada.

K — Kosten: Fast 100 Milliarden Dollar

China landete einen Rover für rund 200 Millionen US-Dollar auf dem Mond. „Das Artemis-Programm hat bis jetzt fast 100 Milliarden US-Dollar gekostet", sagt Tajmar. Günstiger werde es künftig wohl mit privaten Anbietern wie Blue Origin.

L — Landeplatz: Gebündelte Begehrlichkeiten

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Der Südpol des Mondes ist das begehrteste Ziel. Dort lagert Wassereis — nutzbar als Trinkwasser, Sauerstoff und Treibstoff. Kraterränder bekommen fast durchgehend Sonnenlicht, Funkkontakt zur Erde ist stabil. Die Apollo-Missionen landeten noch in äquatornahen Regionen.

M — Mondmobile

Drei identische Mondautos kamen bei Apollo 15 und 16 und 17 zum Einsatz — elektrische Zweisitzer, rund 200 Kilogramm leicht, mit etwa 35 Kilometern Reichweite.

N — Namen: Symbol nationaler Identität

Astronauten, Kosmonauten, Taikonauten — die Bezeichnung verrät die Herkunft. Westliche Länder schicken Astronauten, die einst sowjetisch geprägten Länder Kosmonauten, China Taikonauten.

O — Objekte: Windeln, Schrott und eine Bibel

Die erste menschliche Hinterlassenschaft auf dem Mond war die sowjetische Sonde Luna 2, die 1959 einschlug. Seither hat die Menschheit dort rund tausend Dinge zurückgelassen: Werkzeuge, Seife, Nagelscheren, Fäkalienbeutel, Windeln, Golfbälle, eine Bibel, 100 Banknoten und ein Familienfoto.

P — Planschen: Ozean aus Lava

Mare heißt Meer — trotzdem gab es auf dem Mond nie flüssiges Wasser. Frühe Astronomen deuteten dunkle Mondregionen als Ozeane. Tatsächlich sind es erstarrte Lavafelder aus dem Mondinneren.

Q — Quartier: Gemütlich ist anders

Nasa, ESA und Chinas CNSA planen Stützpunkte am Mond. Angekündigt sind die Nasa-Orbitalstation Lunar Gateway sowie zwei Mondbasen am Südpol — eine chinesisch-russische, eine im Rahmen von Artemis.

R — Regolith: Nicht gut für Atemwege

Der Mondstaub heißt Regolith und ist heimtückisch: Scharfkantig wie Schleifpapier, weil Wind und Wasser ihn nie abrunden konnten. Elektrostatisch aufgeladen haftet er penetrant an Anzügen und Geräten.

S — Spaziergänge: Ausflüge zum Steine sammeln

Der erste Mondspaziergang 1969 endete nach zweieinhalb Stunden. Armstrong und Aldrin entfernten sich maximal 60 Meter von der Landefähre. Später legten Astronauten zu Fuß bis zu drei Kilometer zurück — per Mondauto sogar bis zu 35.

T — Theia: Ursprung des Mondes

Vor rund 4,4 Milliarden Jahren schlug der marsgroße Protoplanet Theia auf der Urerde ein. Aus dem herausgeschleuderten Gestein formte sich in wenigen Tausend Jahren eine Kugel — der Mond.

U — Unsportlich? Dann auf zum Mond

Die Schwerkraft auf dem Mond beträgt ein Sechstel der Erdschwerkraft. Selbst völlig unsportliche Menschen könnten dort Weitsprungrekorde aufstellen. Bälle fliegen extrem weit.

V — Vulkane: Was einst brodelte, ist heute erloschen

Nach seiner Entstehung war der Mond vulkanisch hochaktiv. Studien zufolge gab es noch vor rund 120 Millionen Jahren aktive Vulkane — geologisch gesehen gar nicht so lange her.

W — Warm und kalt: Ort der Extreme

Tagsüber heizt die Sonne die Oberfläche auf über 120 Grad auf. Nachts, ohne Atmosphäre, die Wärme speichern könnte, sinken die Temperaturen auf unter minus 230 Grad.

X — Xenon: Ionenantriebe für die Zukunft

Artemis fliegt mit flüssigem Wasserstoff. Für künftige Missionen werden Ionenantriebe getestet: Sie ionisieren Gas — meist Xenon — und stoßen die Ionen aus, um Schub zu erzeugen. Für Satelliten schon im Einsatz, für bemannte Missionen noch nicht leistungsstark genug.

Y — Synchrone Rotation: immer dieselbe Seite

Der Mond dreht sich genau einmal pro Umlauf um die eigene Achse — synchron mit seiner Bahn um die Erde. Die Folge: Von der Erde aus ist stets dieselbe Seite zu sehen. Die Rückseite bleibt unsichtbar.

Z — Zweiter sein: Nur Premieren fesseln

Wer waren die ersten Menschen auf dem Mond? Armstrong und Aldrin — jeder kennt sie. Wer war bei der zweiten Mondlandung dabei? Kaum jemand weiß es. Premieren ziehen. Danach verlieren Menschen schnell das Interesse. Und Artemis 2 ist wieder eine Premiere.

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