Dürre in Deutschland: Haben die Schneemassen im Februar eine Linderung gebracht? | The Weather Channel
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Dürre in Deutschland: Haben die Schneemassen im Februar eine Linderung gebracht?

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„Zu sagen, dass viel Schnee auch automatisch hilft, die Trockenheit zu mildern, ist leider nicht richtig“, sagt Andreas Marx, der beim Helmholtz Zentrum für Umweltforschung das Mitteldeutsche Klimabüro leitet und dort den Dürremonitor betreut. „Denn auch wenn sehr viel Schnee fällt, kann dieser meist nur schwer in den gefrorenen Boden eindringen. Gerade wenn dann das große Tauen anfängt, fließt das Wasser größtenteils ab. Wenn dann auch noch die Sonne bei hohen Temperaturen scheint, verdunstet obendrein viel Wasser.“

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Trotz reichlich Schnee, war der Winter zu warm

Die Frage, ob der Wintereinbruch im Februar gereicht hat, um die Trockenheit auch in den tieferen Bodenschichten zu mildern, beantwortet Marx mit einem klaren „Nein“. Gründe dafür gebe es gleich mehrere. Zum einen könne von einem richtig strengen Winter in diesem Jahr gar keine Rede sein. „Das mag einigen so vorgekommen sein, weil es in Teilen Deutschlands ordentlich geschneit hat und die Kinder etwa in Leipzig an mehreren Tagen Schlittenfahren konnten“, sagt er. „Aber wenn man nüchtern auf die Daten schaut, dann war der Winter überall in Deutschland zu warm.“ Obendrein hat laut Marx der Niederschlag beziehungsweise Schneefall bisher nicht gereicht, um ihn in die tieferen Schichten zu bekommen, der Oberboden hingegen sei aktuell relativ nass.

Zeitfenster schließt sich Ende April

Damit die tieferen Bodenschichten überhaupt noch feucht werden, muss es nach Angaben des promovierten Naturwissenschaftlers in den kommenden Wochen noch kräftig regnen. „Es gibt ein Zeitfenster, in der Wasser in die tieferen Schichten gelangen kann, aber dieses schließt sich im späten April“, erklärt er. „Ab dann zieht die Vegetation so gut wie alles Wasser direkt aus dem Boden ab oder es verdunstet dank der warmen Temperaturen. Wenn sich der Niederschlag also bis Anfang Mai nicht deutlich erhöht, muss man davon ausgehen, dass es wieder ein Dürrejahr geben wird.“

300 Millionen Euro landwirtschaftliche Dürreschäden pro Jahr

Doch ab wann wird von einer Dürre gesprochen? „Wir berechnen jeden Tag die Bodenfeuchte bis zu einer mittleren Tiefe von etwa 1,80 Meter. Zur Überprüfung der Berechnungen werden die Ergebnisse bundesweit an 41 Standorten mit Messungen überprüft. Die aktuellen Zahlen vergleichen wir dann mit den Werten ab dem Jahr 1951. Nur wenn die aktuelle Bodenfeuchte so trocken ist wie in maximal 20 Prozent der vergangenen Jahre, sprechen wir von einer Dürre“, erklärt Marx.

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„Dürren haben in der Landwirtschaft auch vor 2018 durchschnittlich zu Schäden von etwa 300 Millionen Euro im Jahr geführt. 2018 war dann ein Katastrophenjahr, das viele Sektoren betroffen und die Wahrnehmung von Dürren in Deutschland verändert hat.“ In den Jahren 2019 und 2020 war laut Marx die Landwirtschaft im Durchschnitt weniger stark betroffen, wenn auch Landwirte regional große Ertragsausfälle zu beklagen hatten. „Trotzdem malen Landwirtschaftsverbände immer wieder Schreckensszenarien an die Wand und haben beispielsweise für 2019 und 2020 jeweils ein Katastrophenjahr vorhergesagt, was sich in den durchschnittlichen Ernteertragsdaten dann aber nicht bestätigt hat.“

Forstwirtschaft besonders hart betroffen

Viel härter als die Landwirtschaft trifft die Dürre der vergangenen drei Jahre nach Ansicht von Marx die Forstwirtschaft. Hier sei vor allem das fehlende Wasser für Bäume ein Problem. „In den letzten drei Jahren haben wir eine Waldfläche größer als das Saarland verloren“, sagt er. „Das liegt vor allem an den Schädlingen wie Pilzen oder Käfern. Die Bäume haben zu wenig Wasser und produzieren beispielsweise kein Harz mehr, mit dem sie aber eigentlich die Schädlinge unschädlich machen sollten.“ Tatsächlich vertrocknet nur etwa ein Drittel der Bäume direkt, der Rest stirbt durch die Schädlinge ab.

Kein Grund zur Panik, aber ein Grund sich anzupassen

Trotz der drei Dürrejahre in Folge und den eher schlechten Aussichten, dass sich der Gesamtboden bis zum Sommer noch mit Wasser auffüllt, gibt es laut Marx keinen Grund zur Panik. „Dürre wird in Deutschland kein Normalzustand sein, aber sie wird vermutlich häufiger auftreten. Wir sind ein wasserreiches Land und bleiben das auch trotz des Klimawandels.“ Außerdem gebe es eine ganze Reihe an Möglichkeiten, der Dürre zu begegnen.

„Hier gibt es schon sehr viele gute Ansätze, die zukünftig eine größere Rolle spielen werden“, sagt er. Beispielsweise versuchen immer mehr Landwirte, das Wasser besser im Boden zu halten, etwa indem sie die Pflugtiefe reduzieren oder mit Mulchauflagen das Wasser am Abfließen hindern. „Auch der wichtige Umbau der Wälder hat glücklicherweise schon begonnen“, sagt der Klimaexperte. „Ein Wald mit fünf bis sechs Baumarten kommt mit extremem Wetter deutlich besser zurecht als eine Monokultur.“

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