Klimaschäden an Gebäuden - und wie man sie eindämmen kann | Weather.com
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Klimaschäden an Gebäuden - und wie man sie eindämmen kann

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Auch wenn weltweit versucht wird, den Klimawandel zu stoppen oder wenigstens zu verlangsamen, so zeigt der aktuelle Sachstandsbericht des Weltklimarats: Längst führen die höheren Temperaturen zu häufigeren und schwereren Extremwetterereignissen. Naturkatastrophen wie Überflutungen, Stürme, Hagel, Tornados und Dürre mehren sich auch in Deutschland und werden voraussichtlich zunehmen – und damit auch die Schäden, die diese Ereignisse verursachen.

Versicherungen: 4​ Milliarden Schadenssumme im Jahr 2022

Laut einer Studie des Forschungsinstitut Prognos haben die extremen Wetterereignisse zwischen 2018 und 2021 die deutsche Volkswirtschaft insgesamt über 80 Milliarden Euro gekostet. Ein Teil der Gelder müssen die Versicherungen aufbringen: Im vergangenen Jahr lag die Schadenssumme durch Sturm, Hagel, Blitz und weitere Naturgefahren wie Starkregen und Überschwemmungen bei rund vier Milliarden Euro. „Auf die Sachversicherung, wie zum die Wohngebäude- oder Hausratversicherung, entfielen im letzten Jahr 3,1 Milliarden Euro an Schäden. Die verbleibenden 900 Millionen Euro leisteten die Kfz-Versicherer“, so der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Bis 2040 sollen die Katastrophenschäden um 90 Prozent zunehmen

Und es soll noch teurer werden: Einer Untersuchung von SwissRe zufolge werden bis zum Jahr 2040 die wetterbedingten Katastrophenschäden in Deutschland um 90 Prozent zunehmen. „Denn wir planen, bauen und sanieren in Deutschland unseren Gebäudebestand auf Basis von Normen, denen der Schutz vor Klimafolgen weitgehend fremd ist“, betont der GDV.

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Jörg Asmussen ist Hauptgeschäftsführer beim GDV und warnt: „Wenn wir Prävention und Klimafolgenanpassung nicht konsequent umsetzen, könnte es in Deutschland nach unseren Schätzungen allein infolge der Klimaschäden innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einer Verdopplung der Prämien für Wohngebäudeversicherungen kommen.“ Betroffen wären laut Asmussen nicht nur alle Hausbesitzer, sondern über die Miete anteilig auch die Mieter. „Mancherorts könnten Gebäudeversicherungen gar so teuer werden, dass sich das Kunden nicht mehr leisten können“, so der GDV-Hauptgeschäftsführer.

Der Klimawandel ist da – jetzt muss angepasst werden

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Um die Schäden zu minimieren, sind also Anpassungen an den bereits erfolgten Klimawandel und seine Folgen nötig. Diese sogenannten Klimaanpassungsmaßnahmen sollen dabei Klimaschutzmaßnahmen wie etwa die CO2-Reduzierungen flankieren. Für die Gebäude gibt es dabei eine Reihe von Ansatzpunkten: So soll etwa klimaangepasst geplant, saniert und gebaut werden.

Wie klimaangepasste Gebäude aussehen könnten, hat das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in einer Empfehlung für Planende, Architektinnen und Architekten sowie Eigentümerinnen und Eigentümer ausführlichen herausgearbeitet. Zu den Empfehlungen zählt beispielsweise grundsätzlich modular zu bauen, um gegebenenfalls nur einzelne Bauteile, Elemente oder Module austauschen zu müssen.

Verstärkt mit hellen Oberflächen arbeiten

Weitere Vorschläge sind etwa: Um Hitzeschäden an Gebäuden zu verringern, sollte verstärkt mit hellen Oberflächen gearbeitet werden. Damit die Gebäude beziehungsweise deren unmittelbare Umgebung besser an Starkregen angepasst sind, müssen deutlich mehr unversiegelte Oberflächen geplant werden, mehr wandgebundene Begrünungssysteme angebracht werden und Flachdächer eine Mindestneigung von zwei Prozent haben.

Zur Anpassung an Hagel, Wind und Sturm auf Liegenschaften sollte laut BBSR-Papier beispielsweise auf freiliegende Dachbahnen verzichtet werden. Da bei Hagel und Sturm vor allem Fenster betroffen sind, rät das BBSR: „Holzrahmen sind gegenüber Kunststoff- und Aluminiumrahmen anfälliger. Bei modernen Fenstern mit einer Zwei- oder Dreifachverglasung tritt ein Bruch der Verglasung nur bei extremen Hagel- und Sturmereignissen auf.“

Baustopp in Überschwemmungsgebieten

Ein erster großer Schritt, um Gebäude vor Überschwemmungen zu schützen, wäre laut GDV ein Baustopp in Überschwemmungsgebieten. „Denn jedes Jahr entstehen rund 1.500 neue Gebäude in hochwassergefährdeten Gebieten“, so der Verband. Daneben sollte laut GDV bei Baugenehmigungen künftig eine Klima-Gefährdungsbeurteilung verpflichtend sein. Parallel zu den bereits existierenden Energieausweisen für jedes Gebäude, schlägt der Verband sogenannte Naturgefahrenausweise vor: Sie sollen Schadenanfälligkeit von Gebäuden gegenüber Naturgefahren transparent machen – und so auch künftigen Käufern, Mietern oder Versicherungen eine objektive Beurteilungs- und Entscheidungsbasis bieten.

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