Atlantikströmung schwächt sich deutlich ab | Weather.com
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Forscher schlagen Alarm: Atlantikströmung schwächt sich deutlich ab

Die Atlantikströmung verliert leise an Kraft und droht schneller die kritische Schwelle zu erreichen als gedacht. Das hat Folgen für unser Wetter und Klima.

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Der Golfstrom und das mit ihm verbundene System von Atlantikströmungen könnten deutlich näher an einem Kollaps sein als bisher angenommen. Zwei neue Studien zeigen, dass sich die gewaltige Atlantische Umwälzströmung (AMOC) spürbar abschwächt – mit potenziell dramatischen Folgen für Wetter und Klima. Zugleich deutet eine aktuelle Analyse von Forschenden des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) darauf hin, dass sich einzelne nordische Meeresströmungen regional sogar verstärken können, während die AMOC insgesamt an Kraft verliert.

Die AMOC wirkt wie ein riesiges Förderband im Atlantik: Sie transportiert Wärme, Salz und Süßwasser und beeinflusst damit Temperaturen, Niederschläge und Meeresspiegel auf der ganzen Welt.

Ein Kollaps der AMOC würde das Wetter fundamental verändern: Europa drohen deutlich kältere, härtere Winter, an der US-Ostküste könnte der Meeresspiegel stärker ansteigen, und in Teilen Afrikas wären langanhaltende Dürreperioden möglich.

AMOC droht starke Abschwächung

In einer neuen Untersuchung, die in der Fachzeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht wurde, kombinierte ein Wissenschaftlerteam der Universität Bordeaux Klimamodelle mit Messdaten zu Temperatur und Salzgehalt im Ozean. Das Ergebnis: Viele Modelle unterschätzen offenbar, wie stark sich die AMOC – und damit auch der Golfstrom-Antrieb – tatsächlich verlangsamt.

Demnach ist die Strömung bis zum Ende des Jahrhunderts auf Kurs, sich um mehr als 50 Prozent zu verlangsamen. Die Studie spricht von einer "erheblichen Abschwächung", die um rund 60 Prozent stärker ausfällt als im Durchschnitt bisheriger Modellrechnungen.

Kollaps hat dramatische Folgen fürs Wetter

Laut CNN sieht Wissenschaftler Stefan Rahmstorf, der nicht an der Studie beteiligt war, die Ergebnisse als „wichtig und besorgniserregend“. Der Ozeanograph an der Universität Potsdam forscht seit Jahrzehnten zur AMOC. Damit wachse die Sorge, dass das System bereits Mitte dieses Jahrhunderts einen Kipppunkt erreichen könnte.

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Alarmierend sei zudem, dass Schmelzwasser aus Grönland in den zugrunde liegenden Modellen noch nicht einmal berücksichtigt sei, wie Rahmstorf betonte. Zusätzliche Süßwassermengen können die Strömung weiter destabilisieren.

Nordische Meeresströmung vorübergehend stärker

Eine aktuelle Analyse von Forschenden des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) kommt zu einem scheinbar widersprüchlichen Ergebnis: Während die AMOC insgesamt an Kraft verliert, ist ihr nördlicher Zweig, die nordische Meeresströmung (NOC), in den vergangenen 100 Jahren stabil geblieben und könnte sich in Zukunft zunächst sogar verstärken.

Die Forschenden zeigen, dass Änderungen im Salz- und Wärmetransport im Nordatlantik dazu führen können, dass Teile der Strömung nördlich des Golfstroms zeitweise kräftiger werden. Das bedeutet jedoch keine Entwarnung für das Klimasystem – im Gegenteil: Die Studie interpretiert diese regionale Verstärkung als Teil eines Übergangsprozesses, in dem das Gesamtsystem instabiler wird.

Vorbote eines möglichen Versiegens

„Eine Verstärkung der NOC ist kein Zeichen für eine stabile AMOC, sondern vielmehr ein Symptom ihrer Abschwächung und vielleicht sogar ein Vorbote ihres Versiegens, mit tiefgreifenden Auswirkungen auf das globale Klima“, schreibt Stefan Rahmstorf in einer Mitteilung des Instituts.

Das bedeutet: Auch wenn lokal mehr warmes Wasser nach Norden gelangt, bleibt die übergeordnete Abschwächung der AMOC bestehen. Langfristig überwiegen die Risiken eines Kipppunkts, an dem das Strömungssystem in einen deutlich schwächeren Zustand kippen oder gar zusammenbrechen kann.

AMOC schwächelt bereits an mehreren Punkten

Auch US-Forscher kommen zu dem Schluss, dass die AMOC sich stark abschwächt. Ein Forscherteam der University of Miami wertete reale Messdaten von vier festen Messpunkten entlang der westlichen Grenze des Nordatlantiks aus. Dort werden seit 2004 kontinuierlich Temperatur, Salzgehalt und Strömungsgeschwindigkeit des Ozeans aufgezeichnet.

Das Ergebnis: Die AMOC hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten an vier verschiedenen Breiten abgeschwächt. Diese Tatsache sei bedeutend, erklärte der Ozeanograph Shane Elipot, ein Mitautor der Studie. Die westliche Randzone des Atlantiks sei so etwas wie ein Vorbote für das, was mit der AMOC passiert.

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