Gletscherschmelze: Folgen für Rhein, Donau und die Wasserversorgung in Europa | Weather.com
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Wie die schnelle Gletscherschmelze zu Wassermangel führt

Weltweit schmelzen die Gletscher rasant – auch in Deutschland ist bald nur noch ein Gletscher übrig. Experte Christoph Mayer erklärt, warum das für Rhein, Donau und die Wasserversorgung ganz Europas gefährlich wird.

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Die Gletscher schmelzen weltweit rasant – und damit auch die Wasserreserven. Was das für die künftige Wasserversorgung bedeuten kann und wo die Lage vermutlich besonders prekär wird.

Viele der weltweiten rund 200.000 Gletscher schmelzen rasant. Da sind die deutschen Gletscher – die allesamt in den bayerischen Alpen liegen – leider keine Ausnahme. So sind etwa von den ehemals fünf Gletschern im Bundesgebiet aktuell nur noch vier übrig. Denn der Südliche Schneeferner hat vor vier Jahren nach einem heißen Sommer den Status aberkannt bekommen. „Selbst an der tiefsten Stelle beträgt die Eisdicke inzwischen weniger als sechs Meter, im Vergleich zu etwa zehn Metern in 2018“, begründete damals die Bayerische Akademie der Wissenschaften (BAdW) die Aberkennung. „Aufgrund der geringen Eisdicke kann auch keine Eisbewegung mehr erwartet werden, so dass der Südliche Schneeferner nicht länger als eigenständiger Gletscher betrachtet wird.“

Schmelze bewegt sich auf den Peak-Water-Point zu

Was die weltweit schmelzenden Gletscher für die Wasserversorgung bedeuten und warum ihr Rückgang problematisch ist, untersucht der Glaziologe Christoph Mayer mit seinem Team an der BAdW. „Aktuell haben wir die Situation, dass wir uns vielerorts bei der Schmelze auf den sogenannten Peak-Water-Point zubewegen.“ Das sei der Punkt, an dem das Maximum an Schmelzwasser, das aus dem Gletscher kommt, erreicht ist. Anders ausgedrückt: „Davor kriegen wir stetig mehr Schmelzwasser und danach immer weniger.“ Laut Mayer könnte der Peak-Water-Point vielerorts bereits in zehn bis 15 Jahren erreicht sein.

Gletscherschmelze lässt Hochwasserrisiko steigen

Was erst einmal positiv klingt, als sichere dieser Prozess zunächst die Wasserversorgung für die Alpenregionen, birgt in Wahrheit jedoch ein Problem: Das viele Wasser, das durch die fortschreitende Gletscherschmelze freigesetzt wird, kann derzeit nicht für die Zeit der abnehmenden Schmelze aufbewahrt werden. Zudem kommt es vor allem durch die Kombination mit Gewittern und Starkregen immer wieder zu kritischen Hochwassersituationen. In den Alpen ist das laut Mayer etwa im Ötztal regelmäßig der Fall. „Es ist zwar möglich, das Wasser mit Staudämmen zurückzuhalten, aber dies sind extreme Eingriffe in die Natur und in das Ökosystem und obendrein sehr, sehr teuer“, sagt der Glaziologe.

Deutsche Gletscher haben keinen Einfluss auf Wasserversorgung

Sobald die Gletscher so klein sind, dass sie trotz weiterhin verstärkter Schmelze pro Quadratmeter insgesamt weniger Schmelzwasser produzieren, gerät in vielen Gletscherregionen auf der Welt die Wasserversorgung ins Stocken.

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In Deutschland verhält es sich allerdings etwas anders: „Die Gletscher in Deutschland haben keinerlei Bedeutung für die Wasserversorgung, da sie sehr klein sind und auf sogenannten Karstgebieten liegen, sodass das Wasser dort aktuell weitgehend versickert und sich daher ein Rückgang des Schmelzwassers in der Zukunft kaum bemerkbar machen wird.“

Fehlendes Schmelzwasser bringt Schifffahrt zum Erliegen

Das bedeutet aber nicht, dass Deutschlands Wasserversorgung nicht auch von der globalen Gletscherschmelze betroffen ist – denn Flüsse wie die Donau und der Rhein werden sehr wohl von schmelzenden Gletschern gespeist. „Diese liegen allerdings außerhalb Deutschlands“, erklärt der Wissenschaftler. „So wird etwa der Rhein über den Bodensee sowie die Reuss und Aare mit Gletscherwasser aus der Schweiz versorgt. Dieser Zufluss hebt den Pegel in Trockenphasen um 10 bis 20 Zentimeter. Versiegt der Zufluss, wird dann schon vielerorts keine Schifffahrt mehr möglich sein.“

Massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft in Alpentälern

Während in Deutschland also vor allem zunächst die Schifffahrt von der mangelnden Wasserversorgung betroffen sein wird, rechnet Mayer in niederschlagsarmen Trockentäler wie dem Ötztal oder auch in Südtirol mit massiven Auswirkungen auf die Landwirtschaft. „Die Bauern bewässern dort sehr viel mit Wasser aus Flüssen, die im Sommer randvoll mit Gletscherschmelzwasser sind. Aber wenn dieses ausfällt, wird das natürlich zu einem großen Problem.“

In Asien sind viele Menschen von der Gletscherschmelze abhängig

Noch dramatischer als in den Alpen wird nach Mayers Einschätzung die Situation in anderen Regionen der Welt sein. Vor allem in Zentralasien seien die Menschen in deutlich größerem Ausmaß von der Gletscherschmelze abhängig. „In einigen Regionen von Tadschikistan und Usbekistan regnet es im Sommer während der Hauptvegetationszeit oft überhaupt nicht und alles benötigte Wasser in den Flüssen kommt vom Grundwasser und aus der Gletscherschmelze“, sagt er. Fehle dieses Wasser, komme es zu einer Katastrophe, und zwar nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für auch die Industrie und die Trinkwasserversorgung, so der Experte. In einigen Regionen sei dieser Punkt bereits erreicht: „In Nepal wurden schon Dörfer umgesiedelt, weil die Gletscher verschwunden sind“, sagt er.

Die einzige Möglichkeit, die rasante Schmelze zu verlangsamen, sei die Begrenzung der Erderwärmung, so Mayer. Hoffnung hat er aber wenig: „Die Lösung kennen heute alle – aber leider hört niemand so richtig zu.“

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