El Niño und die Folgen für unseren Winter | Weather.com
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El Niño: Warum ein Rekord-Ereignis noch keine Winterprognose ist

El Niño ist schon jetzt stärker als im Rekordjahr 2015. Trotzdem ist ein feuchtwarmer Winter in Deutschland nicht sicher.

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Der aktuelle El Niño im Pazifik.
(TWC)

Im tropischen Pazifik wächst ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis heran. Ozeanologin Johanna Baehr erklärt, warum sich die weltweiten Folgen erst nach und nach zeigen – und weshalb ein sehr starker El Niño keinen feuchtwarmen Winter in Deutschland garantiert.

Viele Wissenschaftler und Medien rufen bereits einen „Super-El-Niño“ aus – aber ist das überhaupt ein sinnvoller Begriff? Die Ozeanologin Johanna Baehr von der Universität Hamburg findet die Bezeichnung „zweischneidig“. „Einerseits gehört zur Wahrheit, dass der aktuelle El Niño schon jetzt stärker ist als der von 2015, der bislang als der stärkste gemessene gilt“, sagt sie.

El Niño stärker als 2015

Zu dieser Jahreszeit habe die Temperaturabweichung der Meeresoberfläche vom Mittel 2015 bei etwa zwei Grad gelegen. In diesem Jahr seien es bereits rund 2,5 Grad. Für den Höhepunkt im November 2015 wurden etwa drei Grad gemessen; die derzeitigen Vorhersagen für das aktuelle Ereignis gehen laut Baehr sogar von bis zu vier Grad aus.

„Andererseits bleibt die Frage, wie wir den nächsten starken El Niño nennen sollen.“ Die Wissenschaftlerin halte es nicht für sinnvoll, immer weiter zu dramatisieren, weil Klimawandel und die Klimavariabilität uns lange beschäftigen werden. „Da laufen wir einen Marathon und keinen Sprint.“

Klimawandel verändert den Rahmen

Der Klimawandel macht die Einordnung des laufenden El Niños nach Ansicht der Ozeanologin kompliziert. Sicher ist aus Baehrs Sicht, dass sich die natürliche Variabilität von El-Niño-Ereignissen und der menschengemachte Temperaturanstieg überlagern. „Die Menschheit verändert die Natur – und wir bekommen deren Reaktion zu spüren“, so die Wissenschaftlerin.

Welche Folgen und Auswirkungen das sind, dafür gebe es „nicht die eine Theorie, die alles erklärt“, sagt Baehr. Forschende untersuchten unter anderem, ob El-Niño-Ereignisse künftig häufiger auftreten oder ob einzelne Ereignisse stärker werden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass alles so bleibt wie es ist, ist dabei am unwahrscheinlichsten – bloß wie genau es sich ändert, das weiß man eben nicht“, sagt sie.

Ein Pendel im tropischen Pazifik

Grundsätzlich entsteht ein El-Niño-Ereignis aus einem eng gekoppelten Zusammenspiel von Ozean und Atmosphäre. Im äquatorialen Pazifik treiben die Passatwinde normalerweise warmes Oberflächenwasser von Osten nach Westen. Dort steigt feuchtwarme Luft auf, es bilden sich kräftige Niederschläge.

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In höheren Luftschichten strömt die Luft wieder nach Osten, während am östlichen Pazifik kaltes Wasser aus der Tiefe aufsteigt. „Aber: Die Rückkopplung zwischen Meer und Atmosphäre ist dynamisch und kann sich verstärken oder abschwächen“, erklärt Baehr.

„Staut sich im Westpazifik etwa besonders viel warmes Wasser, entsteht ein sogenannter Warm Water Pool, der sich nach Osten ausdehnt“, erklärt Baehr. Das sei wie ein „Zurückschwappen“ von warmem Meerwasser und führe dazu, dass auch im Osten das Wasser ungewöhnlich warm werde. „Das ist ein deutliches Anzeichen eines El-Niño-Ereignis“, so die Wissenschaftlerin.

Der Höhepunkt kommt oft erst zu Weihnachten

Die meisten El-Niño-Ereignisse beginnen im Sommer oder Spätsommer und erreichen ihren Höhepunkt rund um Weihnachten. Schon jetzt seien die starken Anomalien der Temperaturen an der Meeresoberfläche und der Winde erkennbar, sagt Baehr.

Dass die Intensität noch zunimmt, hält Baehr für wahrscheinlich. Sicher sei das aber nicht, denn „beim Wetter und Klima bleiben es Vorhersagen und keine Gewissheiten“, sagt Baehr. „Wenn ein El Niño bereits sehr stark ist, könnte sein Höhepunkt womöglich auch früher erreicht werden.“ Erst in der Rückschau werde man den aktuellen El Niño exakt einordnen und erklären können.

Globale Folgen eines starken El Niños

Infografik mit Weltkarte, die Regionen mit den Auswirkungen von El Niño auf Niederschlag und Temperatur durch farbige Flächen und die Begriffe 'wärmer', 'trockener', 'feuchter und wärmer', 'feuchter und kühler' kennzeichnet.
(Amerikanischer Wetterdienst NCEP)

Was man jedoch mit Sicherheit sagen kann: Der aktuell gemessene El Niño wird nicht folgenlos bleiben. Unmittelbare Folgen zeigen sich vor allem rund um den Pazifik. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienst (DWD) verschieben sich bei einem starken El Niño die Gebiete mit kräftiger Konvektion und Niederschlägen in Richtung des zentralen und östlichen Pazifiks.

In Teilen Südamerikas kann dadurch Regen in Regionen fallen, die sonst trocken sind. In Südostasien hingegen kann es zu einer schweren Dürre kommen. Die aufsteigende feuchtwarme Luft kann zudem die großräumige atmosphärische Zirkulation bis in höhere Breiten verändern.

Feuchtwarmer Winter in Europa möglich

Für Europa sind die Auswirkungen von El Niños schwächer und kommen eher indirekt an. Der DWD beschreibt mit Blick auf vergangene El-Niño-Ereignisse eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine Westwindlage im Frühwinter. Ein Tiefdruckgebiet bei Island und ein höherer Luftdruck über den Azoren können dabei milde, feuchte Atlantikluft nach Europa lenken.

Diese mögliche Entwicklung will Baehr nicht ausschließen, betont aber gleichzeitig die Bedeutung anderer Faktoren, die Einfluss auf Europa nehmen – etwa die gestiegenen Oberflächentemperaturen im Atlantik. „Unter der Voraussetzung, dass sich der aktuelle El Niño wie erwartet entwickelt und andere Einflüsse nicht dominieren, könnte Europa dann tatsächlich ein milderer und niederschlagsreicherer Winter bevorstehen“, sagt Baehr.

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