Klimawandel: Bauern testen neue Getreidesorten | Weather.com
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Klimawandel sorgt für Ernteausfälle: Bauern testen neue Getreidesorten

Manche Landwirte wenden sich neuen Getreidesorten zu, um widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu werden.

29. Juli 2026: Bryce Black begutachtet auf seinem Hof in Beloit, Kansas, zwei Halme von durch Witterungseinflüsse geschädigtem Weizen. (AP Photo/Joshua A. Bickel)
29. Juli 2026: Bryce Black begutachtet auf seinem Hof in Beloit, Kansas, zwei Halme von durch Witterungseinflüsse geschädigtem Weizen.
(AP Photo/Joshua A. Bickel)

Bryce Black kniet in einem Weizenfeld, hält zwei Halme in der Hand und sieht, wie klein die Ähre im Vergleich zum Normalen ist. Nach einem Regen im vergangenen Oktober war der Landwirt im US-Staat Kansas optimistisch über die Ernteaussichten für seine 728 Hektar an Winterweizen. Doch ein trockener Winter und Frühling führten zu einer extremen Dürre, gerade als der Weizen Feuchtigkeit benötigte, um sich zu etablieren.

So war der Ertrag dann der niedrigste, den er seit der Übernahme des Familienbetriebs 2017 erzielt hat. "Das ist entmutigend", sagte Black, der auf seinem insgesamt 1821 Hektar umfassenden Ackerland auch Mais, Sojabohnen und Hirse anbaut. "Und es ist ziemlich schwer zu wissen, was man tun soll."

Ein langsamer Prozess

Einige Landwirte sehen eine Lösung darin, mehrjährige Getreidearten in die Fruchtfolge aufzunehmen, um die Widerstandsfähigkeit gegen Extremwetter wie Dürre und Starkregen zu stärken – die im Zuge des Klimawandels häufiger werden. Forscher arbeiten daran, mehrjährige Varianten gängiger einjähriger Getreidearten wie Weizen, Sorghum und Reis zu entwickeln, doch die Arbeit schreitet nur langsam voran.

Und viele Landwirte zögern, weil mehrjährige Kulturen weniger Ertrag bringen, die Ernte schwierig sein kann und sich der Markt noch entwickeln muss. Auch fehlt es an finanziellen Bundeshilfen für Bauern, die mehrjähriges Getreide anbauen wollen.

Was ist ein mehrjähriges Getreide?

David Mueller in Halstead im US-Bundesstaat Kansas hat vor fünf Jahren ein fünf Hektar großes Feld mit Kernza bepflanzt, einem mehrjährigen Getreide, das den in Teilen Europas und Westasiens vorkommenden einheimischen Gräsern ähnelt. Mehrjährige Getreidearten müssen nicht jedes Jahr neu ausgesät. Stattdessen werden sie nur alle paar Jahre einmal gepflanzt.

Forscher sagen, dass ihre Wurzelsysteme Wasser aus tieferen Bodenschichten erreichen können, was ihnen hilft, kurzfristige Dürreperioden besser zu überstehen. Und bei Starkregen können die größeren Wurzelstrukturen überschüssiges Wasser aufnehmen, das sonst abfließen und den Boden erodieren würde. Diese tieferen Wurzeln binden zudem mehr Kohlenstoff und reduzieren so die Luftverschmutzung.

Kernza am weitesten fortgeschritten

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Kernza ist eine von mehreren mehrjährigen Getreidearten, die am Land Institute in Salina in Kansas entwickelt werden. Die Einrichtung arbeitet mit Forschern und Landwirten weltweit zusammen, um mehrjährige Varianten von Weizen, Reis, Sorghum sowie anderen Getreide- und Ölsaaten zu entwickeln.

29. Juli 2026, Beloit, Kansas: Von extremen Wetterbedingungen betroffener, noch nicht geernteter Weizen steht auf einem Feld. (AP Photo/Joshua A. Bickel)
29. Juli 2026, Beloit, Kansas: Von extremen Wetterbedingungen betroffener, noch nicht geernteter Weizen steht auf einem Feld.
(AP Photo/Joshua A. Bickel)

Einige Landwirte in Südostasien und Teilen Afrikas haben bereits damit begonnen, mehrjährigen Reis auf ihren Feldern anzubauen. Kernza ist jedoch am weitesten fortgeschritten und wurde erstmals 2010 auf einem Bauernhof geerntet. In den USA lag die Anbaufläche dieser Sorte im vergangenen Jahr bei 1.421 Hektar, verglichen mit 15,1 Millionen Hektar Winter-, Sommer- und Hartweizen, die in den Jahren 2025–26 geerntet oder ausgesät wurden.

Gut für die Bodenbildung

Mueller hat im Laufe der Jahre fast 40 Hektar mit Kernza bepflanzt und baut auch je 243 Hektar an Mais und Sojabohnen an. Er nutzt die Kernza-Kultur, um Böden mit Entwässerungsproblemen wiederherzustellen oder organische Substanz wieder aufzubauen. Kernza benötige zudem nur etwa ein Drittel des Düngers, den Weizen erfordere, erklärt er, und weil es nur alle paar Jahre angebaut werde, müsse er seine benzinbetriebenen Landmaschinen nicht so oft einsetzen.

"Wir können diese Flächen nicht nur gewinnbringend nutzen, sondern bauen auch den Boden auf und schaffen Voraussetzungen, die es hoffentlich in Zukunft rentabel machen, auf diesen Feldern andere Kulturen anzubauen", sagt Mueller.

Ein UN-Bericht von 2024 legt nahe, dass die Verschlechterung des Bodens der Weltwirtschaft bis 2050 Verluste von mehr als umgerechnet 17,2 Milliarden Euro bescheren könnte. Boden dient als Speicher, der klimaschädliches Kohlendioxid aus der Atmosphäre bindet. Der jährliche Anbau – der Zyklus aus Pflügen, Pflanzen, Ernten und Wiederholen – belastet die Bodenbildung und führt zu einer raschen Verschlechterung der Ackerflächen. Mehrjährige Kulturen sind schonender.

Weltweit Pilotprojekte – aber viele Herausforderungen

Weltweit laufen Pilotprojekte mit mehrjährigen Getreidearten, bei denen getestet wird, wie sie in verschiedenen Regionen, Klimazonen und Böden angebaut werden können, doch die Forschung steckt noch in den Kinderschuhen. Die größte Herausforderung sei der Kornertrag der Pflanzen, sagt Lee DeHaan, leitender Kernza-Spezialist am Land Institute. Kernza-Landwirte kommen auf Erträge von etwa 20 bis 40 Prozent dessen, was sie mit einer Weizenernte in der Region erzielen könnten.

Forscher der Cornell University haben zudem festgestellt, dass die Anlage eines Kernza-Feldes schwierig sein kann, weil die Pflanze im ersten Jahr mit Unkraut zu kämpfen hat. Und weil das Korn kleiner ist als beim Weizen, besteht das Risiko, dass herkömmliche Landmaschinen es bei der Ernte beschädigen. Auch mit dem Verbraucherinteresse hapert es noch. Kernza, das süßer schmeckt als Weizen, ist vielen Menschen schlicht noch kein Begriff. Das könnte sich ändern, wenn mehr Kernza-Produkte angeboten werden.

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