Wie illegale Marihuana-Farmen das Dürre-Problem der USA verschärfen | The Weather Channel
Advertisement
Advertisement

Wie illegale Marihuana-Farmen das Dürre-Problem der USA verschärfen

Eine illegale Marihuana-Plantage in der Gemeinde Alfalfa in Oregon. Bei einer Razzia fand die Polizei fast 10.000 Pflanzen.
Eine illegale Marihuana-Plantage in der Gemeinde Alfalfa in Oregon. Bei einer Razzia fand die Polizei fast 10.000 Pflanzen.
(Deschutes County Sheriff Via AP)

Als Jack Dwyer wieder zurück aufs Land zog und sich 1972 in Oregon auf einem idyllischen, baumgesäumten Grundstück mit Bach niederließ, erfüllte er sich einen langgehegten Traum. "Wir wollten unsere eigenen Lebensmittel anbauen, wir wollten rechtschaffen leben, ökologisch wirtschaften", sagt Dwyer. In den folgenden Jahrzehnten taten er und seine Familie auch genau das. Doch jetzt ist der Deer Creek ausgetrocknet, weil seit dem Frühjahr mehrere illegale Marihuana-Plantagen dem Bach und nahegelegenen Grundwasserspeichern das Wasser entziehen. Wie es für Dwyer weitergeht, ist ungewiss.

Bleiben Sie mit der kostenlosen App von The Weather Channel immer auf dem neuesten Stand! Hier herunterladen!

Überall im Westen der USA zapfen illegale Marihuana-Züchter unkontrolliert Wasser ab, wo es noch nicht mal für zugelassene Nutzer genug davon gibt. Und das, obwohl Marihuana für den medizinischen Gebrauch in mehreren westlichen US-Staaten zugelassen ist. In Kalifornien ist das seit 2016 der Fall, doch nach Zahlen der Universität von Kalifornien in Berkeley gibt es seither sogar mehr illegale Cannabis-Plantagen als legale: "Der höchste Wasserbedarf für Cannabis herrscht in der Dürreperiode, wenn die Wasserläufe ihren niedrigsten Stand haben. Deshalb können selbst kleine Entnahmen Bäche austrocknen und Wasserpflanzen und -tiere schädigen", heißt es in einer Studie.

Illegale Plantagen "erschöpfen wertvolles Grundwasser"

Einige Behörden versuchen, dagegen vorzugehen. In Kalifornien haben die Aufsichtsbehörden des County Siskiyou im Mai bestimmte Straßen für Lastwagen gesperrt, wenn sie mehr als 380 Liter Wasser geladen haben. Die betroffenen Straßen führen alle in trockenere Gegenden, wo rund 2000 illegale Marihuana-Zuchten jeden Tag mutmaßlich Millionen Liter Wasser verbrauchen. Die nicht genehmigten Plantagen "erschöpfen wertvolles Grundwasser und Oberflächengewässer" und "gefährden die Wassernutzung von Landwirtschaft, Bewohnern und Freizeitsportlern", heißt es in der Verordnung.

In Oregon scheint die Zahl der illegalen Plantagen zuletzt noch gestiegen zu sein, während die nordwestliche Pazifikküste ihren trockensten Frühling seit 1924 erlebte. Viele dieser Plantagen geben vor, Hanf-Farmen zu sein, die 2018 in den gesamten USA legalisiert wurden, sagt Mark Pettinger, Sprecher der Kommission für Spirituosen und Cannabis in Oregon. Gemäß dem Gesetz darf der Hanf höchstens 0,3 Prozent des Rausch auslösenden THC enthalten. Fasern der Hanfpflanze werden für die Herstellung von Seilen, Kleidung, Papier und anderen Produkten genutzt.

"Das ist unverfrorener Wasserdiebstahl"

Dave Daniel, Sheriff im County Josephine im südlichen Oregon, glaubt dass es in seinem Gebiet allein Hunderte illegale Plantagen gibt, von denen viele aus Übersee finanziert werden. Er schätzt, dass die Geldgeber damit rechnen, dass nicht alle von ihnen durchkommen werden. Doch die schiere Anzahl der Marihuana-Zuchten lasse vermuten, dass vieles davon nach der Ernte außerhalb von Oregon auf dem Schwarzmarkt verkauft werde. Laut Pettinger ist keine der neuen Plantagen dafür zugelassen, medizinisches Marihuana anzubauen.

Die Genehmigungsbehörden standen 2019 vor einem Berg von Lizenzanträgen und einer Schwemme von legalem Marihuana. Neue Anträge werden deshalb bis Januar 2022 nicht bearbeitet. "Illegale Plantagen haben nun 'katastrophale' Folgen für die natürlichen Wasservorkommen", sagt Daniel. Mehrere Bäche sind schneller als üblich ausgetrocknet, und der Grundwasserspiegel sinkt. "Das ist unverfrorener Wasserdiebstahl", sagt Daniel.

Bachbett besteht nur noch aus Geröll

Im August haben Daniel und seine Mitarbeiter, unterstützt von weiteren Polizisten, rund 72.000 Marihuana-Pflanzen zerstört, die in 400 zusammengezimmerten Gewächshäusern wuchsen. Das Wasser für die Pflanzen kam über ein provisorisches, illegales Netzwerk aus Pumpen und Schläuchen aus dem nahegelegenen Illinois River, der zu dem Naturschutzgebiet Wild and Scenic Rivers System gehört. Daniel sagt,

Advertisement

eine weitere illegale Plantage mit 200.000 Pflanzen habe Wasser aus dem Deer Creek abgezapft, jenem Bach in der Gemeinde Selma, an dem das Grundstück von Dwyer liegt. Dieser sagt, der Bach könne spät im Jahr manchmal austrocknen, doch habe er ihn noch nie so trocken gesehen und schon gar nicht um diese Zeit im Jahr. Das Bachbett besteht nur noch aus Geröll zwischen Büschen und Bäumen.

"Ich weiß nicht, was ich machen werde"

In den vergangenen Jahrzehnten hat Dwyer ein unterirdisches System von Wasserleitungen gebaut, ein Dutzend Zapfstellen und eine Bewässerung, die sich aus dem Bach bedient, damit er Gemüse anbauen und sein Haus gegen Buschbrände schützen kann. Einen alten Brunnen nutzt er für den Haushalt, aber wie lange das noch geht, ist unklar. "Ich weiß nicht, was ich machen werde, wenn ich kein Wasser mehr habe", sagt der 75-Jährige, der früher als Lehrer gearbeitet hat.

Im südlichen Oregon wird seit Jahrzehnten Marihuana angebaut, doch der explosionsartige Anstieg der illegalen Plantagen hat die Anwohner schockiert. Der Boden- und Wasserschutzbezirk von Illinois Valley, wo auch Dwyer lebt, hat zwei Bürgerversammlungen dazu abgehalten. Die größte Sorge sei der Wasserdiebstahl gewesen, sagt Christopher Hall, Bürgerbeauftragter des Bezirks.

Anwohner müssen neue Brunnen bohren

In der Hochwüste im mittleren Oregon, zapfen illegale Marihuana-Farmer auch Wasservorräte an, die ohnehin schon derart strapaziert sind, dass dieses Jahr viele Farmer mit Wassermangel zu kämpfen haben. Darunter sind auch jene, die 60 Prozent der weltweiten Versorgung mit Mohrrüben-Samen herstellen. Die illegalen Plantagen zwingen zudem viele Anwohner, sich neue Brunnen zu bohren.

Jim Hooper aus La Pine im County Deschutes glaubt, dass sein Brunnen als nächstes austrocknet. "Die Illegalen, die kannst du nicht zurückverfolgen", sagt er. "Sie nehmen uns einfach das Wasser weg und wir müssen für Tausende Dollar neue, tiefere Brunnen bohren."

Auch interessant:

Forscher: Vulkanausbrüche auch in der Eifel noch möglich

Advertisement