Klimawandel: Tödliche Bakterien vermehren sich rasant im Meer | Weather.com
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Potenziell tödliche Bakterien vermehren sich durch Hurrikane rasant im Meer

Im Oktober 2022 zog Hurrikan Ian eine Spur der Verwüstung in Florida. Die von ihm ausgelöste Flut hat gefährliche Bakterien angespült.
Im Oktober 2022 zog Hurrikan Ian eine Spur der Verwüstung in Florida. Die von ihm ausgelöste Flut hat gefährliche Bakterien angespült.
(GettIymages)

Eine neue Studie wartet mit besorgniserregenden Erkenntnissen über Bakterien im Meereswasser, speziell an der Küste Floridas, auf. Dort wurde eine gestiegene Anzahl Bakterien im Meereswasser nachgewiesen, die schwere Krankheiten verursachen können.

Dass Hurrikan Ian dort im September 2022 gewütet hatte, setzen die Forscher in der Studie in Zusammenhang.

Vibrionen: gefährliche Bakterien

Bei den gefährlichen Erregern handelt es sich um sogenannte Vibrionen, stäbchenförmige Bakterien. Diese vermehrten sich, bedingt durch den Klimawandel, immer schneller.

Durch das saisonal länger und stärker erwärmte Meereswasser fänden die Bakterien optimale Bedingungen zur Vermehrung vor, heißt es in der Studie. Ein Ereignis wie ein Hurrikan beschleunige die Verbreitung zusätzlich.

Erschienen ist die Studie der University of Maryland, der University of Florida und des EZBiome im Journal mBio.

Das Vorgehen der Studie

Mithilfe von Umwelt- und Satellitendaten sowie durch die Sequenzierung von Genomen aus Wasserproben und Austern, fand das Forscherteam verschiedene pathologische Bakterien der Spezies Vibrionen. Dabei handelte es sich besonders um die zwei Vibrionen-Arten Vibrio parahaemolyticus und Vibrio vulnificus.

Gewonnen wurden die Proben im Lee County, im Südwesten des US-Bundesstaats Florida, das von Hurrikan Ian heimgesucht worden war.

S​tudienergebnis überrascht selbst Forscher

Wie leicht die Vibrionen nachgewiesen werden konnten, überraschte auch Rita Colwell, Professorin der University of Maryland, die federführend an der Studie beteiligt gewesen war.

Die Studienergebnisse korrelieren mit den Daten, die dem Florida Department of Health vorliegen. Demnach wurden im Jahr 2022 38 Infektionen mit Vibrionen gemeldet sowie elf Todesfälle, die im Zusammenhang mit einer Infektion durch die Bakterien stehen.

Infektionen mit Vibrionen

Vibrionen kommen natürlicherweise im Meer vor. Die Erreger können bei Kontakt von Hautverletzungen mit Wasser in den menschlichen Körper eindringen, schreibt das Robert Koch-Institut.

Desweiteren, so das Institut, könnten die Erreger in roher oder unzureichend erhitzter Nahrung marinen Ursprungs aufgenommen werden, beispielsweise in Austern oder anderen Meeresfrüchten. Dabei könne es sowohl bei Wundinfektionen als auch bei Gastroenteritis zu einer Sepsis kommen.

L​ebensbedrohliche Bakterien in Florida nachgewiesen

Der Studie aus Florida zufolge würden Vibrionen der Art Parahaemolyticus verstärkt Gastroenteritis und Infektion von Wunden verursachen, während Vibrio vulnificus eine sogenannte nekrotisierenden Fasziitis hervorufen könne.

Dabei handelt es sich um eine nekrotisierende Weichgewebsinfektion, die potenziell lebensbedrohlich ist. Laut der Studie überlebt eine von fünf Personen diese schwerwiegende Infektion nicht.

Der Klimawandel begünstigt die Vermehrung von Vibrionen

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Im warmen Salzwasser finden Vibrionen optimale Bedingungen vor. Ein Hurrikan und Überflutungen können die Gefahr erhöhen, dass Menschen mit dem gefährlichen Erreger in Kontakt kommen.

Bei Hurrikan Ian trafen verschiedene Faktoren zusammen, die eine Ausbreitung der Bakterien begünstigt haben. Neben starken Regenfällen kam es auch zu einer Veränderung der Wassertemperatur sowie mehr Chlorophyll im Ozean. Durch das Chlorophyll konnte Plankton besser wachsen und wurde so zu einem wichtigen Nährboden für die Bakterien.

Eine besorgniserregende Prognose

Durch künftig wärmere Wassertemperaturen, bedingt durch den Klimawandel, sowie häufiger auftretenden Hurrikans wie Ian, wird, so die Prognose der Forscher, die Zahl der Infektionen mit Vibrionen in der Zukunft zunehmen.

Die große Sorge sei, so Colwell, dass sich das stetig erwärmende Meereswasser mit frischem Wasser mischt, was Vibrionen einen optimalen Lebensraum bieten wird. So könnten sie sich immer schneller und schneller vermehren werden.

Klimawandel spielt eine Rolle

Dieses Problem sei nicht nur auf Florida beschränkt. Daher müssten, so die Forderung der Studienteilnehmer, künftig an verschiedenen Orten, zu unterschiedlichen Jahreszeiten und bei unterschiedlichen Umweltbedingungen Proben genommen werden.

Der Klimawandel sei ganz klar mitverantwortlich für die steigende Anzahl von Infektion, so Colwells Fazit. Dies müsse man unbedingt ernst nehmen.

Warme Ozeane bedeuten höhere Konzentration der Erreger

Zu dieser Schlussfolgerung gelangt auch das Robert Koch-Institut. Der Klimawandel beeinflusse Infektionen mit Vibrionen mindestens auf zweierlei Weise heißt es da.

Da sich Wassertemperaturen oberhalb von 12 Grad im Allgemeinen begünstigend auf das Vorkommen von Vibrionen auswirkten und sich NCV in warmem Wasser ab 20 Grad besonders stark vermehren könnten, trügen häufigere längere Wärmeperioden zur Konzentration der Erreger im Wasser bei. Gewässerumwälzungen könnten diese Konzentration zusätzlich erhöhen.

Das Gesundheitsrisiko für schwerwiegende Infektionen durch Vibrionen steigt.

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