KI-Roboter soll Waldbrände bekämpfen | Weather.com

Roboter mit KI soll künftig Waldbrände bekämpfen

Künstliche Intelligenz lernt Feuer zu erkennen. Forscher simulieren dafür realistische Waldbrand-Szenarien.

Schleswig-Holstein, Harrislee: Sören Pirk (r), Leiter des Forschungsprojekts «Wildfire Twins» an der Kieler Christian-Albrechts-Universität, ist im Gespräch mit Projektmitarbeiter Anton Wagner.
Sören Pirk (r), Leiter des Forschungsprojekts "Wildfire Twins" an der Kieler Christian-Albrechts-Universität, mit Projektmitarbeiter Anton Wagner und dem KI-Roboter "Byte", der zur neuen Generation der autonomen Brandbekämpfer gehört
( Frank Molter/dpa)

Noch würde er einfach in die Flammen laufen. Doch KI soll einem Roboter ermöglichen, autonom Waldbrände zu bekämpfen. Wie Kieler Informatiker das schaffen wollen.

Wie kann Künstliche Intelligenz bei Waldbränden helfen?

Roboter „Byte“ soll mithilfe von Künstlicher Intelligenz lernen, Waldbrände zu erkennen, zu analysieren und später vielleicht sogar zu löschen. Noch ist das System weit von einem realen Einsatz entfernt – doch das Projekt „Wildfire Twins“ an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel legt den Grundstein für eine neue Generation autonomer Brandhelfer.

Warum kann „Byte“ noch nicht in echten Bränden eingesetzt werden?

„Byte“ ist derzeit noch nicht feuerfest und würde in einem realen Brand zerstört werden, erklärt Projektleiter Sören Pirk. Der Informatiker leitet das von der EU mit zwei Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt, an dem er mit vier jungen Wissenschaftlern arbeitet. Die Grundlagenforschung steht im Vordergrund – noch werden Waldbrand-Szenarien in einer virtuellen Umgebung simuliert.

Wie sieht diese Trainingsumgebung aus?

„Wir müssen in unserer Simulation Daten erzeugen, die aussehen, als ob sie aus einem echten Waldbrandszenario stammen“, sagt Pirk. Dafür bauen die Forschenden photorealistische 3D-Modelle von Wäldern, Unterholz, Bäumen und Gräsern. Die KI soll lernen, Flammen zu erkennen, Risiken einzuschätzen und sichere Wege zu finden – ähnlich wie ein Videospiel.

Was kann der Roboter „Byte“ schon – und was nicht?

Aktuell weiß der Roboter noch nicht, was zu tun ist, wenn er Flammen erkennt. Er hat weder eine Strategie zum Löschen noch eine Vorstellung davon, welchen Abstand er zum Feuer halten muss. Deshalb entwickeln die Forschenden eine umfangreiche virtuelle Trainingsplattform.

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„Wir hoffen, in fünf Jahren eine funktionierende Umgebung zu haben“, so Pirk. Bis dahin wird „Byte“ aber noch keine Löscheinsätze übernehmen. Der Trainingsroboter kostet etwa 100.000 Euro und ist 25 Kilogramm schwer.

Was passiert in der Praxis?

An der Landesfeuerwehrschule in Harrislee testet das Team reale Brände in kontrollierter Umgebung. „Byte“ sammelt dort Daten zu Feuerverhalten, Intensität und Rauchentwicklung. Gruppenführer René Heyse betont: „Die Vegetationsbrände nehmen zu – und wir brauchen neue Werkzeuge.“

Welche Rolle spielt die KI bei einem Einsatz?

Die Künstliche Intelligenz könnte helfen, Brände frühzeitig zu analysieren, Brandquellen zu identifizieren oder sogar erste Maßnahmen zu empfehlen. Besonders in der Phase der Lagefeststellung wäre das ein großer Gewinn, so Heyse: „Wenn die Plattform mir schon sagt, wo das Feuer ist, in welche Richtung es sich ausbreitet und ob Personen in Gefahr sind, habe ich draußen viel mehr Handlungsspielraum.“

Könnte KI künftig eigenständig löschen?

Langfristig denken die Forschenden über autonome Systeme nach, die Brände wie sie derzeit in Südeuropa wüten eigenständig bekämpfen. Noch ist es Zukunftsmusik, aber die Kombination aus Simulation, Datenanalyse und Robotik könnte der Feuerwehr der Zukunft wichtige Zeit verschaffen – und Leben retten, auch das der Einsatzkräfte.

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