Warum es auch in Deutschland zu Wasserknappheit kommen kann | Weather.com
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Wasserstress: Warum es auch in Deutschland zu Wasserknappheit kommen kann

Trockenperioden und Starkregen wechseln sich ab: Warum Wasser in Deutschland manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort ist, und welche Folgen das haben kann.

05.03.2026, Sachsen, Leipzig: Das Sonnenlicht erzeugt kleine Sterne im Wasser des Elsterflutbetts.  Foto: Hendrik Schmidt/dpa
05.03.2026, Sachsen, Leipzig: Das Sonnenlicht erzeugt kleine Sterne im Wasser des Elsterflutbetts.
(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Ein Teil des Bodensees ist ausgetrocknet, der Schiffverkehr im Rhein lahmgelegt: In den vergangenen Jahren haben Trockenperioden die Pegelstände zeitweise stark sinken lassen. Wasserknappheit ist längst kein fernes Problem mehr, sondern kann genauso in Deutschland auftreten – wenn auch nicht überall und nicht zu jeder Zeit.

Schwankungen zwischen Dürre und Starkregen

Über das Jahr unterliegt die Menge an nutzbarem Grund- und Oberflächenwasser (das sogenannte Wasserdargebot) starken wetterbedingten Schwankungen, wie es vom Umweltbundesamt heißt. 2025 etwa hat es in der Bundesrepublik dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge vor allem zwischen Februar und Mai zu wenig geregnet, im Juli dagegen zu viel.

Diese ungleiche Verteilung macht deutlich: Das Problem ist weniger eine absolute Knappheit, sondern vielmehr, dass Wasser oft zur falschen Zeit am falschen Ort vorhanden ist.

Nach Angaben der Naturschutzorganisation BUND können diese Schwankungen unmittelbare Auswirkungen auf die Artenvielfalt und die Ökosysteme haben: "Trocknet ein Fluss, Bach oder See aus, können ganze Populationen von Fischen, Amphibien oder Muscheln sterben." Regnet es hingegen zu viel auf einmal, kann der Boden die großen Wassermengen nicht komplett aufnehmen. Und das, obwohl Pflanzen durch eine ebenfalls durch den Klimawandel herbeigeführte längere Vegetationszeit mehr Wasser benötigen.

Wo es in Deutschland besonders trocken ist

Trotz Niederschlagsschwankungen gibt es bislang in Deutschland keinen flächendeckenden Wasserstress. Darunter versteht man, wenn in einer Region zu wenig nutzbares Süßwasser zur Verfügung steht - im Verhältnis zu dem, was Menschen, Landwirtschaft, Industrie und Natur brauchen.

Zuletzt wurde die kritische Marke im Jahr 2004 überschritten. Den aktuellsten Zahlen aus 2022 zufolge liegt die jährliche Wasserentnahme bei rund 10,1 Prozent des verfügbaren Wasserdargebots. Das restliche Wasser steht dem Umweltbundesamt zufolge der Natur zur Verfügung.

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Allerdings kämpft bereits heute jeder zweite deutsche Landkreis mit Wasserknappheit - vor allem Regionen mit intensiver Landwirtschaft, wie es vom BUND heißt. In Teilen Niedersachsens werde für die Viehzucht viel Grundwasser verbraucht, in Brandenburg und Sachsen-Anhalt seien die Pegelstände angesichts landwirtschaftlicher Bewässerung deutlich gesunken.

In der Lausitz sorge zudem der Kohle-Tagebau für besonders hohen Grundwasserstress. Die Industrie verbrauche vor allem entlang des Rheins in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz große Wassermengen, insbesondere für die Kühlung ihrer Anlagen.

Streitpunkt: Landwirtschaft

Die Rolle der Landwirtschaft wird unterschiedlich bewertet. Der Deutsche Bauernverband als Vertretung der landwirtschaftlichen Erzeuger gibt an, dass Land-, Forstwirtschaft und Fischerei hierzulande nur etwa zwei Prozent der gesamten zur Verfügung stehenden Wassermengen einsetzten. Größtenteils werde auf Regenwasser zurückgegriffen, das im natürlichen Kreislauf bleibe. So werde etwa das, was Tiere getrunken oder Pflanzen aufgenommen haben, über Gülle oder Erntereste wieder auf landwirtschaftliche Flächen zurückgebracht. Manche Experten zweifeln die Größenordnung von zwei Prozent an.

Der BUND weist zudem auf weitere Probleme hin: Über 90 Prozent der deutschen Gewässer erreichen den Naturschützern zufolge nicht den geforderten "guten ökologischen Zustand". In etwa einem Fünftel der Fläche Deutschlands sei das Grundwasser in einem schlechten chemischen Zustand. Ursachen sind unter anderem Pestizide und zu hohe Nitratwerte durch Düngung. Entscheidend ist nämlich nicht nur die Menge des verbrauchten Wassers, sondern auch seine Qualität.

Klimawandel verstärkt Wetterextreme in Deutschland und global

Zurück zu den Wetterextremen: Unter anderem Dürren, Hochwasser und Starkregen sind reale Folgen des Klimawandels, auch hier in Deutschland. Global werden solche Extremwetterereignisse nach Expertensicht immer häufiger. Das hat stärkere Auswirkungen auf unsere Wasserversorgung, wie es etwa von der Naturschutzorganisation WWF heißt.

Mit Blick auf die globale Zukunft hat das Weltwirtschaftsforum 2019 deshalb Wasserknappheit zur größten Gefahr dieses Jahrzehnts erklärt. "Die Auswirkungen des Klimawandels werden sich am unmittelbarsten und akutesten durch Wasser bemerkbar machen", heißt es vom Global Center of Adaptation, einer internationalen Organisation, die sich möglichen Anpassungen an den Klimawandel widmet.

Nach Zahlen der Unesco leidet jetzt schon etwa die Hälfte der Weltbevölkerung jährlich zumindest zeitweise unter schwerer Wasserknappheit. Die UN-Organisation berichtet, dass der größte Anteil des globalen Wasserverbrauchs auf die Landwirtschaft entfällt (72 Prozent). Danach folgt die Industrie mit 15 Prozent, Haushalte und Siedlungen beanspruchen demnach etwa 13 Prozent des Wassers. Je nach wirtschaftlichem Entwicklungsstand eines Landes fällt diese Verteilung aber unterschiedlich aus.

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