Leuchtende Nachtwolken — Phänomen in 83 km Höhe | Weather.com
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Leuchtende Nachtwolken: Wenn der Sommerhimmel silbrig schimmert

Leuchtende Nachtwolken entstehen in der Mesosphäre — weit jenseits gewöhnlicher Wetterwolken. Wann sie sichtbar sind und was die Wissenschaft noch nicht weiß.

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Leuchtende Nachtwolken (Noctilucent Clouds, NLC) gehören zu den spektakulärsten Erscheinungen am Himmel. Sie zeigen sich vor allem in den Sommermonaten nach Sonnenuntergang oder vor Sonnenaufgang als silbrig-bläuliche Schleier.

Entstehung in extremer Höhe

Was sie so besonders macht: Die Wolken befinden sich in rund 83 Kilometern Höhe – und damit in der mittleren Atmosphäre, der Mesosphäre. „Das ist wirklich jenseits dessen, was wir mit dem Wetter verbinden“, sagt Meteorologe Oliver Reuter vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Zum Vergleich: Gewöhnliche Wetterwolken kommen in einer Höhe von maximal 13 Kilometern vor.

In der Mesosphäre bestehen die leuchtenden Nachtwolken aus Eiskristallen. Voraussetzung dafür sind extreme Bedingungen: Wasserdampf und Temperaturen weit unter minus 100 Grad Celsius. „Das kommt schon vor, aber das hat man auch nicht jeden Tag“, sagt Reuter. Das erklärt auch, weshalb das Himmelsspektakel so selten zu sehen ist.

Staub, Kälte – und viele offene Fragen

Trotz intensiver Forschung gelten leuchtende Nachtwolken als noch nicht vollständig verstanden. „Wir wissen immer noch wenig über die Entstehung der silbrigen Schleier“, so Reuter. Neben Wasserdampf und Kälte könnten weitere Faktoren eine Rolle spielen. So wird etwa vermutet, dass winzige Staubpartikel als Kondensationskeime dienen. „Denn wo nichts ist, kann auch eigentlich nichts kondensieren“, sagt er.

Der DWD vermutet daher, dass die Eiskristalle womöglich an sogenannten Meteoritenteilchen enstehen, die ständig in die Atmosphäre eindringen. Diese winzigen Partikel böten eine Oberfläche, an der Wasserdampf gefrieren kann.

Sie bilden sich in extremer Höhe: Leuchtende Nachtwolken entstehen in 83 Kilometern Höhe, das ist mehr als 70 Kilometer über gewöhnlichen Wetterwolken
(Owen Humphreys/PA Wire/dpa)

Sichtbarkeit: Ein Zusammenspiel aus Höhe und Bodenwetter

Ob die seltenen Wolken aber überhaupt beobachtet werden können, hängt stark von den Bedingungen am Boden ab. Entscheidend ist nach Informationen des DWD vor allem die Dämmerung: Die Sonne muss etwa 6 bis 16 Grad unter dem Horizont stehe. Das habe den Effekt, dass der Himmelshintergrund bereits dunkel ist, während die Wolken aufgrund ihrer großen Höhe noch von der Sonne beschienen werden und als leuchtende Nachtwolken erscheinen.

Zudem braucht es dem DWD zufolge eine klare Sicht. Tiefe Bewölkung oder eine trübe Atmosphäre könnten die Beobachtung verhindern. Transparente Luft erhöhe dagegen die Chancen, das Phänomen zu sehen.

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Nach Aussagen des DWD treten NLC vor allem zwischen Anfang Juni und Ende Juli auf, wenn die Bedingungen in der Mesosphäre besonders günstig sind.

Mehr Sichtungen – oder nur bessere Dokumentation?

Immer wieder berichten Menschen von Sichtungen leuchtender Nachtwolken. Es kann mitunter der Eindruck stehen, das Himmelsphänomen trete vermehrt auf. „Doch ob sie tatsächlich häufiger auftreten, ist unklar und auch schwer zu sagen“, so Reuter.

Wahrscheinlich sei, dass sie heute öfter dokumentiert werden – etwa durch Kameras, Apps und soziale Medien. „Aber keiner weiß, ob sie vielleicht sogar seltener vorkommen und schlicht mehr dokumentiert werden“, so der Meteorologe.

Als grobe Orientierung nennt Reuters: Mehrere Sichtungen pro Jahr in Mitteleuropa seien möglich, allerdings mit deutlichen Schwankungen.

Spielt der Klimawandel eine Rolle?

In der Forschung werde zudem diskutiert, ob der Klimawandel Einfluss auf die leuchtenden Nachtwolken haben könnte. „Bisher ist das aber in keiner Studie oder Untersuchung klar bestätigt“, sagt Reuter.

Es gebe aktuell Hinweise darauf, dass steigende Methankonzentrationen und veränderte Temperaturverhältnisse in der oberen Atmosphäre die Bildung begünstigen. „Ob Methan einen Einfluss auf das Vorkommen der leuchtenden Nachtwolken hat, ist aber ebenfalls nicht gesichert“, betont der Meteorologe.

Faszination bleibt – trotz oder gerade wegen offener Fragen

Leuchtende Nachtwolken verbinden wissenschaftliche Rätsel mit eindrucksvoller Ästhetik. Ihre Seltenheit, ihre Höhe und die unklaren Entstehungsbedingungen machen sie zu einem besonderen Phänomen.

Doch auch wenn vieles noch ungeklärt ist, steht fest: Wer sie sieht, erlebt einen seltenen Moment am Himmel – irgendwo zwischen Wetterzone und Weltraum.

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