Jetstream, Bombenzyklonen und Polarluft: Atmosphäre im Oktober | Weather.com
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Jetstream, Bombenzyklonen und Polarluft: Atmosphäre legt im Oktober den Schalter um

Kaum ein Monat zeigt den Wetterumschwung so drastisch wie der Oktober. Zwischen spätsommerlicher Wärme und Winterluft entstehen teils explosive Wetterlagen.

 ARCHIV - 16.06.2016, ---: Eine NASA-Aufnahme zeigt die östliche Hemisphäre der Erdkugel. Die Menschen verbrauchen zu viel von der Erde, sagen Umweltschützer. (zu dpa: «Forscher: Sieben Belastungsgrenzen des Planeten Erde überschritten») Foto: -/Nasa/Goddard Space Flight Center/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Im Oktober stellt sich die Atmosphäre langsam um und gleitet Schritt für Schritt in den Wintermodus. Das kann beim Wetter kalte Überraschungen mit sich bringen.
(GettyImages)

Für Meteorologen ist der Oktober einer der spannendsten Monate im Jahr. Kaum ein anderer Monat zeigt die Atmosphäre so im Umbruch: Während die letzten sommerlichen Wärmereserven noch nachwirken, setzt sich in der Atmosphäre zunehmend der Winter durch. Warme Meere und feuchte Luftmassen treffen auf immer kräftigere Kaltluftvorstöße – und so können innerhalb kurzer Zeit sehr unterschiedliche Wetterlagen entstehen: von spätsommerlicher Wärme über heftige Regenfälle und schwere Herbststürme bis hin zu ersten Wintereinbrüchen. Doch welche Wetterphänomene prägen den Oktober besonders?

Starkregen im Mittelmeerraum

Eine besondere Rolle spielt im Herbst das Mittelmeer. Sein Wasser ist zu dieser Jahreszeit noch relativ warm, während in höheren Luftschichten bereits deutlich kältere Luftmassen nach Süden vordringen. So bilden sich in der Höhe abgeschlossene Kaltluftgebiete, die sich nur langsam verlagern.

Wo sie auf die warme, feuchte Luft über dem Mittelmeer treffen, entstehen mitunter kräftige Gewitterlagen, die über Stunden oder sogar Tage anhalten können. Gebirge verstärken den Effekt zusätzlich: Sie zwingen die feuchte Luft zum Aufsteigen und kurbeln die Niederschlagsbildung weiter an. Lokal sind dabei extreme Regenmengen von mehreren hundert Millimetern möglich.

Mehr Vb-Lagen möglich

Besonders problematisch: Die intensivsten Niederschläge konzentrieren sich häufig auf engem Raum. Schon wenige Kilometer entscheiden darüber, ob eine Region von extremem Regen betroffen ist oder weitgehend trocken bleibt – eine präzise Vorhersage der stärksten Niederschlagskerne bleibt deshalb schwierig.

Vb-Tiefs ziehen vom Golf von Genua aus über Mitteleuropa nordostwärts – dabei nehmen sie Feuchtigkeit vom Mittelmeer auf und können bei entsprechender Zugbahn Starkregen verursachen.
(TWC)

Das warme Mittelmeer erhöht auch das Potenzial für sogenannte Vb-Wetterlagen. Solche Wetterlagen, die von dem Genua-Tief hervorgebracht werden, sind besondere Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum, die sehr feuchte Luft zu uns nach Deutschland transportieren können. Trifft im Oktober kühle Luft aus Norden auf das warme Mittelmeer, verdunstet viel Wasser. Bildet sich dann so ein Tief im Golf von Genua, kann es sich mit extrem viel Feuchtigkeit vollsaugen und bei einer entsprechenden Zugbahn in Deutschland heftigen Dauerregen oder in höheren Lagen frühen Schneefall auslösen.

Erste schwere Herbststürme über Atlantik und Europa

Auch über dem Atlantik nimmt die Wetterdynamik im Oktober zu. Grund ist der wachsende Temperaturunterschied zwischen der kalten Polarluft im Norden und der noch vergleichsweise warmen Luft weiter südlich. Dadurch gewinnt der Jetstream, ein schmales Band sehr starker Höhenwinde, an Kraft. Störungen innerhalb dieser starken Höhenströmung können Tiefdruckgebiete binnen kurzer Zeit an Kraft gewinnen. Verstärkt sich ein Tief dabei explosionsartig, spricht man von einem „Bombenzyklon" – mit großen Windfeldern und teils schweren Sturmböen.

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Eine besondere Rolle spielen dabei sogenannte Sting Jets: Innerhalb eines Sturmtiefs sinkt ein schmaler Luftstrom aus großer Höhe sehr schnell ab und transportiert dabei enorme Bewegungsenergie bis in Bodennähe – die Folge sind extreme Windböen. Solche Prozesse sind schwer vorherzusagen und können lokal zu besonders verheerenden Winden führen.

Wenn Tropenstürme auf die Westwindzone treffen

Im Oktober ist auch die Tropensturmsaison im Atlantik und Pazifik noch nicht vorbei. Einige tropische Wirbelstürme ziehen im Laufe ihrer Entwicklung nach Norden und geraten damit in die Westwindzone der mittleren Breiten.

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Dort verändert sich ihr Charakter: Aus einem tropischen Wirbelsturm mit warmem Kern wird ein außertropisches Tiefdruckgebiet – Meteorologen sprechen von extratropischer Umwandlung. Doch selbst wenn sich so ein Hurrikan auf seiner Zugbahn über den Atlantik zu einem Sturmtief abschwächt, bleibt weiterhin gefährlich, da er enorme Mengen feuchter Luft transportiert.

Trifft diese feuchte Luft auf andere Tiefdruckgebiete, Frontensysteme oder Kaltfronten, kann sie bestehende Wetterentwicklungen erheblich verstärken. Aus der Verbindung tropischer Feuchte und dynamischer Herbststürme entstehen so mitunter großflächiger Starkregen und kräftige Stürme, die auch Deutschland treffen können.

Erste Kaltluftausbrüche und Schneefälle

Im hohen Norden etabliert sich Polarluft, während sich in Mitteleuropa noch milde Luftmassen halten.
(TWC)

Die Sonne steht im Oktober zunehmend tiefer, die Tage werden kürzer – und die nördlichen Landmassen kühlen deutlich ab. Vor allem in Sibirien und im Norden Nordamerikas und Nordeuropas sammeln sich bereits große Mengen kalter Luft.

Im hohen Norden etabliert sich diese Polarluft, wodurch sich teilweise schon eine länger anhaltende Schneedecke bildet. In Mitteleuropa dagegen können warme West- und Südwestwinde im Oktober noch für Temperaturen um bis zu 20 Grad sorgen. Bricht die Kaltluft aus dem Norden jedoch nach Süden aus, sind auch hierzulande in tieferen Lagen erste markante Kälteeinbrüche möglich – in klaren Nächten kann es dann vielerorts bereits Frost geben.

Nebel und Dunst: Der Herbst zeigt seine ruhige Seite

Neben Sturm und Starkregen bringt der Oktober auch deutlich ruhigere Wetterphänomene mit sich. Die Nächte werden länger, die Temperaturen sinken stärker ab, und bei schwachem Wind kühlt sich die Luft direkt über dem Boden merklich ab.

Erreicht sie dabei ihren Taupunkt, kondensiert Wasserdampf zu Nebel- und Dunstfeldern. Besonders häufig bildet sich Nebel in Tälern, Senken und anderen windgeschützten Bereichen, wo er sich unter stabilen Hochdrucklagen mitunter über viele Stunden hält.

Typisch für den Herbst ist dabei eine sogenannte Inversionslage: Während es am Boden kalt und trüb bleibt, liegt oberhalb der Nebelschicht deutlich mildere, sonnigere Luft. Wer dem Nebel entkommen will, findet die Sonne meist im Bergland ein paar hundert Meter weiter oben, wo man noch einen schönen Herbsttag bei blauem Himmel erleben kann.

Bei einer Inversionslage kehrt sich das normale Temperaturprofil um: Während es am Boden kalt bleibt, liegt bereits ab einigen hundert Metern Höhe deutlich wärmere, sonnige Luft.
(TWC)
Ein Monat voller Gegensätze
Der Oktober zeigt eindrucksvoll, wie dynamisch die Atmosphäre im Übergang zwischen Sommer und Winter sein kann. Warme Meere, zunehmende Kaltluft, ein kräftigerer Jetstream und die veränderte großräumige Zirkulation schaffen die Voraussetzungen für eine große Bandbreite an Wetterlagen. Starkregen im Mittelmeerraum, schwere Herbststürme, ehemalige Tropenstürme, erste Kaltluftausbrüche und herbstliche Nebellagen haben dabei eines gemeinsam: Sie entstehen aus dem zunehmenden Wechselspiel zwischen sommerlichen Wärmereserven und immer stärker werdenden winterlichen Einflüssen.

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