Amantiustag und die Hochsommer-Trockenheit | Weather.com
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8. April: Was der Amantiustag über den Sommer 2026 verrät

Der Amantiustag zeigt laut Bauernregel das Wetter für Juli und August. Meteorologen bestätigen eine Trefferquote von rund 66 Prozent.

ARCHIV - 13.09.2022, Nordrhein-Westfalen, Pulheim: Ein Landwirt nutzt das sonnige Wetter um sein Feld zu bestellen. Größere Rücksicht auf den von ihnen bearbeiteten Boden würde Bauern nach einer Studie erheblich höhere Profite einbringen. (zu dpa «Agrarstudie: Regenerative Landwirtschaft bringt Bauern höhere Profite») Foto: Federico Gambarini/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Ob sich Landwirte darauf verlassen können? "Wenn es viel regnet um den Amantiustag (8. April), ein dürrer Sommer folgen mag."
(Federico Gambarini/dpa)

Am 8. April steht ein Datum im Kalender, das den meisten nichts sagt — aber Meteorologen aufhorchen lässt. Der Amantiustag, benannt nach dem Heiligen Amantius, zählt zu den sogenannten Lostagen: Termine, die in der bäuerlichen Tradition als Wettermarker für den weiteren Jahresverlauf gelten. Die dazugehörige Regel lautet: „Wenn es viel regnet um den Amantiustag, ein dürrer Sommer folgen mag."

Trockener Juli und August?

Anders als viele Bauernsprüche hält diese Regel einer statistischen Prüfung erstaunlich gut stand. Laut wetter.com liegt die Trefferquote bei rund 66 Prozent: Regnet es um den 8. April überdurchschnittlich, folgen in zwei von drei Fällen trockene Hochsommermonate im Juli und August. Auch das Wetterportal wetter.de bestätigt diesen Befund — die Regel bezieht sich dabei ausdrücklich auf die Hochsommermonate, nicht auf den gesamten Sommer.

Trefferquote von Bauernregel: rund 67 Prozent

Zwei Drittel Trefferquote — klingt nach Zufall? Nicht ganz. Horst Malberg, Professor für synoptische Meteorologie an der Freien Universität Berlin, untersuchte über 400 Bauernregeln anhand von rund 150 Jahren Wetteraufzeichnungen. Sein Ergebnis, das die taz zitierte: Die durchschnittliche Trefferquote einer Bauernregel liegt bei etwa 67 Prozent. Viele dieser Regeln beschreiben sogenannte meteorologische Singularitäten — wiederkehrende Witterungsmuster, die statistisch signifikant zu bestimmten Zeiten im Jahr auftreten. Gleichzeitig fußen etliche Regeln auf realen atmosphärischen Zusammenhängen. So korrelieren etwa die Temperaturen im April und Mai mit den Sommertemperaturen — ob das auch für die Niederschlagsverteilung gilt, wie die Amantiustag-Regel nahelegt, lässt sich weniger klar belegen.

Was der Jetstream damit zu tun hat

Woher dieses Muster beim Amantiustag rührt, darüber rätselt die Fachwelt. Eine statistisch belastbare Korrelation zwischen regenreichem Wetter Anfang April und trockenem Hochsommer existiert — warum genau, weiß allerdings niemand so recht. Denkbar wäre, dass frühe Tiefdruckaktivität im April auf eine bestimmte Konfiguration des Jetstreams hindeutet, die sich im Sommer in einer stabilen Hochdrucklage niederschlägt. Wissenschaftlich belegt ist das bislang nicht.

Einführung des Gregorianischen Kalenders wirbelt Bauernregeln durcheinander

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Einen wichtigen Einwand formulierte Jörg Kachelmann bereits 2004 in mehreren TV-Interviews: Die Einführung des Gregorianischen Kalenders habe viele alte Bauernregeln „aus dem Tritt gebracht" — wer das berücksichtige, finde jedoch bei vielen regionalen Regeln eine erstaunliche Zuverlässigkeit. Entscheidend sei zudem die Herkunftsregion einer Regel. Ohne dieses Wissen bleibe sie oft wertlos.

Hochdruckgebiet für 2026 angesagt

Und 2026? Die aktuelle Wetterprognose zeigt für den 7. und 8. April ein Hochdruckgebiet über Deutschland mit viel Sonnenschein und Temperaturen zwischen zwölf Grad im Norden und bis zu 22 Grad im Süden. Bis zum 3. April registrierte der Deutsche Wetterdienst im laufenden Monat gerade einmal einen Liter Niederschlag pro Quadratmeter — an null Regentagen. Der Amantiustag dürfte also überwiegend trocken verlaufen.

Umkehrschluss funktioniert nicht

Doch wer daraus ableiten will, ein trockener 8. April verspreche automatisch einen Sommer ohne Dürre liegt falsch. Diplom-Meteorologe Jörg Riemann von der Wettermanufaktur stellt klar: Die Umkehrung der Regel funktioniere nicht. Die statistische Korrelation gelte nur in eine Richtung — von Regen auf Trockenheit, nicht umgekehrt. Den passenden Zwillingsspruch „Ist's um Amandus schön, wird der Sommer keine Dürre seh'n" darf man also getrost als hübsche Folklore lesen, nicht als belastbare Prognose.

Regionale Unterschiede und der Klimawandel schmälern die Zuverlässigkeit solcher Volksweisheiten zusätzlich. Als grobe Orientierung taugen die besten unter ihnen trotzdem — deutlich besser jedenfalls als ein Münzwurf.

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