April zwischen Hitzetagen und Dauerfrost | Weather.com
Advertisement
Advertisement

Hitzetage und Dauerfrost: Warum das Aprilwetter so launisch ist

Mal Hitzetage über 30 Grad, dann Dauerfrost mit Schnee. Der April zeigt, wie extrem deutsches Wetter werden kann.

Karte von Europa mit farbigen Luftmassen und Städtenamen London, Paris, Berlin, Wien, Madrid und Rom.
Im April erleben kommt es oft zu einem Kräftemessen zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten. Und das macht unser Wetter so launisch.
(TWC)

Der April macht, was er will – diese alte Bauernregel kommt nicht von ungefähr. Kaum ein anderer Monat steht in Deutschland so sehr für Wetterkapriolen. Innerhalb weniger Tage – manchmal sogar Stunden – kann sich das Wetter von frühsommerlicher Wärme zu winterlicher Kälte wandeln.

Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke sind ebenso dokumentiert wie späte Schneefälle und Frostnächte. Ein Blick zurück zeigt, wie außergewöhnlich das Wetter im April tatsächlich sein kann.

Warum ist das Wetter im April so launisch?

Der Grund für diese Wetterextreme liegt in der besonderen Stellung des Aprils im Jahresverlauf. Er markiert den Übergang, an dem die Atmosphäre von Winter- zu Sommerzirkulation umstellt. In dieser Phase geraten unterschiedliche Luftmassen besonders häufig in Bewegung, wodurch winterliche und sommerliche Wetterlagen rasch aufeinander folgen können.

Hinzu kommt ein ständiges Kräftemessen zwischen Hoch- und Tiefdruckgebieten: Während sich über dem nördlichen Deutschland immer wieder blockierende Hochs etablieren und für trockenes, sonniges und teils warmes Wetter sorgen, drängen atlantische Tiefdruckgebiete zeitweise nach Süden und bringen kühlere, feuchtere und wechselhafte Bedingungen.

Kampf der Luftmassen

Verstärkt wird diese Dynamik durch starke Temperaturgegensätze zwischen kalter Polarluft und bereits deutlich erwärmter Subtropikluft. Verschiebt sich die Frontalzone - der Übergangsbereich in der Atmosphäre, wo die kalte Luft auf warme trifft -, kann es zu abrupten Luftmassenwechseln kommen.

Die Lage der Frontalzone wird vor allem durch den jahreszeitlich wechselnden Temperaturunterschied kalter Polarluft und warmer Subtropikluft bestimmt. Gesteuert vom Jetstream und beeinflusst durch Hoch- und Tiefdruckgebiete verschiebt sie sich dabei immer wieder nach Norden oder Süden. Dann fahren die Temperaturen mitunter Achterbahn und Temperaturstürze oder -anstiege von mehr als zehn Grad innerhalb eines Tages sind im Frühjahr keine Seltenheit. Auch am Wochenende erleben wir einen solchen Wettersturz: Am Oberrhein kann es von Samstag auf Sonntag plötzlich 20 Grad nach unten gehen.

Hitzetage mit über 30 Grad im April

Wie sommerlich sich der April anfühlen kann, zeigte sich besonders eindrucksvoll im Jahr 1968. Damals brachte ein massiver Warmluftvorstoß aus Süden am 21. und 22. April eine außergewöhnliche Hitzewelle. Subtropische Luft aus Nordafrika ließ die Temperaturen in weiten Teilen Deutschlands auf über 30 Grad steigen – ein für diese Jahreszeit bemerkenswerter Wert. In gleich zehn Bundesländern wurden Hitzerekorde im April aufgestellt, die bis heute Bestand haben.

Advertisement

Hitze im April:

  • 32,1 Grad in Zehdenick (Brandenburg)
  • 32,8 Grad in Bad Sassendorf (Nordrhein-Westfalen)
  • 32,5 Grad in Jena (Thüringen).

Selbst im Norden wurden mit über 30 Grad ungewöhnlich hohe Werte erreicht, etwa in Bremen oder Hamburg-Wandsbek.

32,9 Grad: Hitzerekord im April

Ein weiteres Beispiel für frühsommerliche Hitze liefert der 28. April 2012. An diesem Tag wurden in mehreren Bundesländern neue Temperaturrekorde gemessen. Unter nahezu wolkenlosem Himmel und mit rund 13 Sonnenstunden kletterten die Temperaturen auf hochsommerliche Werte.

In Berlin wurde mit 31,9 Grad der heißeste jemals gemessene Apriltag registriert. Auch in Michelstadt wurde mit 31,7 Grad ein neuer Rekord für Rheinland-Pfalz aufgestellt. Besonders auffällig: Die höchsten Apriltemperaturen Deutschlands wurden an diesem Tag in Bad Mergentheim (Baden-Württemberg) und Kitzingen (Hessen) mit jeweils 32,9 Grad gemessen – zwei Orte, die nur rund 40 Kilometer voneinander entfernt liegen.

Schneeschauer statt Sonnenbad

Doch der April kann auch ganz anders. Ein besonders drastisches Beispiel liefert das Jahr 1986: Anfang des Monats herrschten zunächst noch verbreitet Temperaturen um die 20 Grad, vor allem im Süden Deutschlands. Doch binnen weniger Tage folgte ein massiver Wetterumschwung.

Es lag eine spezielle Druckkonstellation vor: Ein Hochdruckgebiet befand sich zwischen den Britischen Inseln und Island, während sich eine Tiefdruckzone von Skandinavien bis Osteuropa erstreckte. Diese Konstellation lenkte eiskalte Luftmassen aus dem Nordmeer und der Barentssee direkt nach Mitteleuropa – ohne nennenswerte Erwärmung auf dem Weg. Die Folge war ein abrupter Temperatursturz, der vielerorts vom Frühsommer zurück in den Spätwinter führte.

Play

Kälterekord: Als die Werte auf -16,3 abrauschten

Am 12. und 13. April 1986 erreichte die Kälte ihren Höhepunkt. In vielen Regionen herrschte Dauerfrost, begleitet von Schneefällen bis in tiefe Lagen. In den Nächten sanken die Temperaturen mancherorts auf unter minus zehn Grad.

In mehreren Bundesländern wurden neue Negativrekorde für den April aufgestellt, darunter minus 14 Grad in Schulenberg (Niedersachsen) oder sogar minus 16 Grad in Brotterode (Thüringen). Trotz dieser extremen Werte bleibt der absolute Kälterekord für einen Apriltag in Deutschland jedoch dem Jahr 1956 vorbehalten: Am 8. April wurden mit minus 16,3 Grad in Schwarzenberg in Sachsen noch niedrigere Temperaturen gemessen.

Advertisement