Seltenes Wetterphänomen: 8 Wirbelstürme sind gleichzeitig aktiv | Weather.com
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Acht Stürme auf einmal: Seltenes Wirbelsturm-Spektakel über dem Pazifik

Über dem Pazifik toben gleichzeitig acht tropische Wirbelstürme. Wir werden Zeuge eines äußerst seltenen Wetterphänomens.

Satellitenbild mit mehreren Wirbelstürmen und Wolken über dem Pazifik, rechts oben ist ein Küstenabschnitt sichtbar.
Das Satellitenbild der amerikanischen Wetter- und Klimabehörde NOAA zeigt den östlichen und mittleren Pazifik, wo die tropischen Stürme Iselle, Julio, Moke und Lala ihre Bahnen ziehen.
(NOAA)

Während das Wetter in Deutschland vergleichsweise ruhig verläuft, spielt sich über dem Pazifik derzeit ein außergewöhnliches Naturschauspiel ab. Gleich acht tropische Wirbelstürme sind gleichzeitig aktiv – ein Ereignis, das selbst in den sturmreichen Tropen äußerst selten vorkommt. Doch wie entstehen solche gewaltigen Wettersysteme überhaupt, und warum ballen sie sich ausgerechnet jetzt in so großer Zahl? Ein Blick auf die aktuelle Lage zeigt, wie außergewöhnlich die Situation ist.

Acht tropische Wirbelstürme gleichzeitig – wo herrscht Gefahr?

Vor der Westküste Mexikos befinden sich derzeit die Wirbelstürme Iselle und Julio, die weiter Richtung Nordosten ziehen. Meteorologen gehen davon aus, dass Julio, der sich etwa 1300 Kilometer südwestlich der mexikanischen Halbinsel Niederkalifornien gebildet hat, weiter an Stärke gewinnt und anschließend in Iselle aufgeht. Dass zwei Wirbelstürme derart aufeinandertreffen, kommt eher selten vor – Meteorologen sprechen dann vom sogenannten Fujiwhara-Effekt.

Im Zentralpazifik sind die Hurrikane Moke und Lala aktiv. Besonders Hurrikan Lala beschäftigt die Wetterexperten bereits seit Wochen: Der Sturm wurde erstmals am 12. August im Zentralpazifik registriert und entwickelte sich zu einem außergewöhnlich langlebigen System. Auf seinem Weg nach Nordosten traf er am 16. August auf die Inseln Hawaiis und richtete dort schwere Schäden an – Straßen wurden überflutet, Häuser zerstört, die Stromversorgung unterbrochen. Rund 130.000 Menschen waren betroffen, ein Mensch kam ums Leben.

Auch im Westpazifik herrscht Hochbetrieb: Dort ziehen derzeit die Taifune Atsani, Saudel, Gaenari und Narra ihre Bahnen. Taifun Gaenari erreichte bereits am Montag die chinesische Provinz Fujian und löste Überschwemmungen aus. Narra befindet sich aktuell über dem Beibu-Golf und dürfte am Dienstagabend die südchinesische Provinz Guangxi sowie die westliche Leizhou-Halbinsel in Guangdong erreichen. Gleichzeitig steuert auch Taifun Saudel auf die chinesische Küste zu: Prognosen zufolge zieht er am Mittwoch zunächst in das Ostchinesische Meer, bevor er entlang der Küstenabschnitte von Zentral-Zhejiang bis Zentral-Fujian auf Land trifft.

Warum entstehen so viele Wirbelstürme?

Tropische Wirbelstürme entstehen über sehr warmem Meerwasser. Die Wassertemperatur an der Oberfläche muss dafür in der Regel mindestens 26,5 Grad betragen, denn das warme Wasser liefert die Energie, die die Stürme antreibt. Gleichzeitig dürfen die Windverhältnisse in höheren Luftschichten nicht zu stark von denen am Boden abweichen – Meteorologen sprechen hier von vertikaler Windscherung. Vereinfacht gesagt beschreibt sie die Veränderung von Windrichtung und -geschwindigkeit mit der Höhe. Ist dieser Unterschied zu groß, wird die Struktur eines entstehenden Sturms auseinandergerissen.

Satellitenbild des Pazifiks mit Temperaturverlauf in Farbskala und dem Schriftzug 'Pazifik' über dem Ozean.
Die hohen Meerestemperaturen im Pazifik geben Wirbelstürmen den Antrieb, den sie benötigen.
(TWC)
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Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die Corioliskraft. Sie entsteht durch die Erdrotation und sorgt dafür, dass Luftmassen in Rotation geraten. Ohne diesen Effekt könnten sich tropische Wirbelstürme nicht organisieren – deshalb bilden sie sich auch nicht direkt am Äquator oder in einem Bereich von etwa fünf Breitengraden nördlich und südlich davon, wo die Corioliskraft zu schwach ist.

Infografik mit einer Weltkarte und Pfeilen zur Darstellung der Corioliskraft sowie vier Kreisdiagrammen mit Pfeilen und den Begriffen 'Hochdruck' und 'Tiefdruck'.
Die Corioliskraft lenkt Luftmassen ab – auf der Nordhalbkugel rotieren Tiefdruckgebiete deshalb gegen, Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn. Auf der Südhalbkugel verhält es sich umgekehrt.

Hinzu kommt derzeit eine besonders günstige großräumige Wetterlage: Im westlichen Nordpazifik spielt ein verstärkter Monsuntrog eine wichtige Rolle. Dieses langgestreckte Tiefdruckgebiet beeinflusst die Luftströmungen so, dass sich Wirbelstürme leichter entwickeln können – es fördert die Drehbewegung der Luft nahe der Meeresoberfläche, sorgt für eine günstigere Zirkulation und reduziert gleichzeitig die störende Windscherung.

Hauptsaison erreicht ihren Höhepunkt

Die aktuelle Häufung kommt nicht völlig überraschend. Der westliche Nordpazifik gilt als das aktivste Wirbelsturmgebiet der Erde: Im Durchschnitt entstehen dort jedes Jahr etwa 25 bis 26 tropische Wirbelstürme, rund 85 Prozent davon zwischen Juli und Oktober. Der August gilt dabei als aktivster Monat, gefolgt von September und Juli.

Während der Hauptsaison entwickeln sich viele Stürme aus tropischen Wellen – langgezogenen Störungen in den Passatwinden. In mehr als 80 Prozent der Fälle im westlichen Nordpazifik entstehen Wirbelstürme während besonders aktiver Phasen solcher atmosphärischer Wellen.

Acht Stürme gleichzeitig – ein Ausnahmeereignis

Trotz der grundsätzlich hohen Aktivität bleibt die aktuelle Situation außergewöhnlich. Zwar entstehen während der Hauptsaison von Juni bis Oktober durchschnittlich rund 20 tropische Wirbelstürme, doch verteilen sich diese normalerweise über mehrere Monate – in einem typischen Monat werden meist lediglich drei bis fünf Stürme beobachtet.

Dass nun gleich acht tropische Wirbelstürme gleichzeitig über dem Pazifik aktiv sind, gehört deshalb zu den seltensten Erscheinungen der tropischen Meteorologie. Die Kombination aus außergewöhnlich warmem Meerwasser, günstigen Windverhältnissen und einer großräumig förderlichen Wetterlage hat in diesem Jahr offenbar die Voraussetzungen geschaffen, damit sich ungewöhnlich viele Stürme parallel entwickeln konnten.

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