Forscher warnen vor dauerhafter Hitzephase | Weather.com
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Klimaforscher warnen vor nahen Kipppunkten

Kipppunkte im Klimasystem: Droht der Erde eine unumkehrbare Hitzephase? Forscher warnen vor Kettenreaktionen – und zeigen, wie wir den Kurs noch ändern können.

Seit 11.700 Jahren ist unser Klima relativ stabil – doch nun droht eine dauerhafte Heißphase mit fatalen Konsequenzen
(GettyImages)

En sogenanntes Hothouse-Klima droht: Ein internationales Forscherteam warnt vor einer beschleunigten Erderwärmung, die in eine dauerhafte Hitzephase führen könnte. In der Fachzeitschrift One Earth schreibt das Team, dass sich das Klima der Erde von den stabilen Bedingungen entfernt, die die menschliche Zivilisation über Jahrtausende getragen haben.

Was bedeutet Hothouse-Klima und warum ist es gefährlich?

Mit einem Hothouse ist eine für den Menschen gefährliche, dauerhafte Heißphase gemeint. Die Forschenden beschreiben ein Zusammenspiel aus Faktoren, das die Erde in diese Richtung treiben könne. Werde dieser Pfad einmal beschritten, lasse er sich kaum noch stoppen, schreibt das Team um William Ripple von der Oregon State University in Corvallis. Zu den Autoren gehören auch Hans Joachim Schellnhuber und Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Warum war das Klima bisher relativ stabil?

Seit rund 11.700 Jahren ist das Klima vergleichsweise stabil. Diese Stabilität habe erst ermöglicht, dass Landwirtschaft entstand und sich viele Ökosysteme entwickeln konnten. Um ähnliche Bedingungen zu bewahren, wurde im Klimaabkommen von Paris vereinbart, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Dabei geht es um Durchschnittswerte über mehrere Jahre.

Wurde die 1,5-Grad-Grenze bereits überschritten?

Laut dem Forscherteam seien die 1,5 Grad Erwärmung bereits im Jahr 2024 für zwölf Monate hintereinander überschritten gewesen. Das sei einhergegangen mit Hitzerekorden, Waldbränden, Überschwemmungen und anderen Extremen. Viele Klimamodelle hätten einen späteren Zeitpunkt vorhergesagt, was laut Team unterstreiche, wie rasch der Klimawandel voranschreitet.

Wie werden Temperaturgrenzen normalerweise bewertet?

„Die Überschreitung von Temperaturgrenzen wird üblicherweise anhand von 20-Jahres-Durchschnitten bewertet“, sagte Co-Autor Christopher Wolf von den Terrestrial Ecosystems Research Associates (Tera) in Corvallis (Oregon). Gleichzeitig könne der jüngste zwölfmonatige Überschreitungszeitraum darauf hindeuten, dass auch der langfristige durchschnittliche Temperaturanstieg bereits bei oder nahe 1,5 Grad liege. Wolf wird mit den Worten zitiert: „Es ist wahrscheinlich, ... dass der Klimawandel schneller voranschreitet, als viele Wissenschaftler vorhergesagt haben.“

Welche Rolle spielen Aerosole bei der Erwärmung?

Ein Teil des jüngsten Temperaturanstiegs sei auf den Rückgang der Aerosole zurückzuführen, schreibt das Team. Zu diesen Schwebeteilchen zählt etwa Ruß. Der Rückgang könne möglicherweise Einfluss auf Wolken haben, die dann weniger Sonnenlicht ins All abstrahlten. Damit könnte sich die Erwärmung zusätzlich verstärken.

Welche Rückkopplungen können die Erderwärmung beschleunigen?

Wenn sich das Klima verändert, könne es verstärkende Rückkopplungen geben, die das Risiko einer beschleunigten Erwärmung erhöhen. Das Team nennt unter anderem das Schmelzen von Eis und Schnee, das Auftauen von Permafrost, das Absterben von Wäldern und den Verlust von Bodenkohlenstoff. Solche Prozesse können sich gegenseitig verstärken und die Erderwärmung weiter antreiben.

Welche Kippelemente sind besonders kritisch?

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Zunehmende Hinweise deuteten darauf hin, dass viele Kippelemente nach dem Überschreiten bestimmter Schwellen eine sich selbst verstärkende Erwärmung auslösen könnten, erklärte Rockström. Er sagte: „Unsere Arbeit zeigt, dass wir noch nicht dort sind – aber sehr nahe.“ Kippelemente können sich abrupt und dann unaufhaltsam verändern, sobald kritische Temperaturschwellen überschritten werden.

Welche Beispiele nennen die Forschenden für mögliche Kipppunkte?

Das Team nennt mehrere Bereiche, bei denen das Kippen bereits im Gange sein oder in naher Zukunft eintreten könnte: das Schmelzen des grönländischen und des westantarktischen Eisschilds, auftauender Permafrost in den nördlichen Wäldern der Erde, schmelzende Gebirgsgletscher sowie das Sterben von Teilen des Amazonas-Regenwaldes.

Wie gefährdet ist der grönländische Eisschild?

Der grönländische Eisschild zeige bereits Anzeichen von Destabilisierung und sei wahrscheinlich anfällig für ein Kippen bei einer Erwärmung zwischen 0,8 und 3,4 Grad Celsius. Solche Prozesse könnten die globalen Temperaturen weiter erhöhen, den Meeresspiegelanstieg beschleunigen, gewaltige Kohlenstoffspeicher freisetzen und Ökosysteme destabilisieren.

Warum reichen politische Zusagen aus Sicht der Forschenden nicht aus?

Auch wenn das genaue Risiko für Kipppunkte ungewiss sei, sei klar, dass die derzeitigen politischen Klimaschutzzusagen unzureichend seien. Diese Zusagen würden uns laut Team auf einen Pfad von etwa 2,8 Grad maximaler Erwärmung bis zum Jahr 2100 bringen. Aus Sicht der Forschenden braucht es deutlich mehr Klimaschutz, um gefährliche Entwicklungen zu vermeiden.

Was fordern die Forschenden konkret als Lösungen?

Die Unsicherheit darüber, wo genau Kippschwellen liegen, sei kein Grund zum Zögern, „sondern vielmehr ein zwingender Grund für sofortiges vorsorgliches Handeln“, schreibt das Team. „Kurz gesagt könnten wir uns einem gefährlichen Schwellenbereich nähern, bei gleichzeitig rapide schwindenden Möglichkeiten, gefährliche und nicht mehr beherrschbare Klimaentwicklungen zu verhindern.“

Welche Maßnahmen nennt das Team als besonders wichtig?

Ripple sagte: „Bestehende Klimaschutzmaßnahmen, wie der Ausbau erneuerbarer Energien und der Schutz Kohlenstoff-speichernder Ökosysteme, sind entscheidend, um den Anstieg der globalen Temperaturen zu begrenzen.“ Zusätzlich fordert das Team eine vorausschauende Regierungsführung, stärkere politische Rahmenwerke zur Minderung der Emissionen, die auch Kipppunktrisiken berücksichtigen, sowie eine koordinierte globale Überwachung von Kipppunkten.

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