Schweröl-Schiffe in der Arktis: Ruß-Alarm | Weather.com
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Immer mehr Schweröl-Schiffe in der Arktis: Ruß beschleunigt Eisschmelze

Die Erderwärmung eröffnet neue Routen für die Schifffahrt in der Arktis. Damit steigt die Rußverschmutzung, die das Eis noch schneller schmelzen lässt. Doch wirtschaftliche und politische Begehrlichkeiten stehen Regulierungen im Wege.

schmelzende Eisberge auf Grönland's Inlandeis
Der Schiffsverkehr in der Arktis nimmt immer mehr zu, auch weil viele Schiffe von Eisbrechern begleitet werden müssen – und damit die fatale Verschmutzung mit Rußpartikeln, welche die Schmelze weiter beschleunigen
(GettyImages)

Schweröl-Schiffe in der Arktis werden zum unlösbaren Problem: Ruß treibt die Eisschmelze an – und der Verkehr nimmt weier zu. Immer mehr Schiffe durchqueren das nördliche Polarmeer, viele nutzen für den Antrieb Schweröle. Deren Rußrückstände setzen sich auf Schnee und Eis ab und können die Schmelze weiter beschleunigen. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind gravierend, doch viele Bestrebungen zur Eindämmung werden abgeschmettert.

Warum ist die Arktis besonders betroffen?

Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge verläuft die Erderwärmung in der Arktis schneller als an allen anderen Orten der Erde. Die daraus resultierende Eisschmelze kann sich auf das Klima des gesamten Erdballs auswirken. Sian Prior von der Clean Arctic Alliance warnt: „Das mündet in einen niemals endenden Kreislauf von ständig steigender Erwärmung.“ Sie fordert: „Deshalb müssen wir die Verschmutzung der Arktis regulieren und insbesondere den Ausstoß von Ruß.“

Wie wirkt Ruß auf Schnee und Gletscher?

Laut einschlägigen Studien hat Ruß über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg einen 1.600 Mal höheren Erderwärmungseffekt als Kohlendioxid. Setzt er sich auf Schneefeldern und Gletschern fest, werden Sonnenstrahlen immer stärker absorbiert. Dadurch erwärmt sich die Oberfläche schneller und die Eisschmelze nimmt zu.

Welche Regeln gibt es und wo liegen die Schlupflöcher?

Im Dezember haben Deutschland, Frankreich, Dänemark und die Solomonen bei der Internationalen Schifffahrts-Organisation (IMO) beantragt, dass Wasserfahrzeuge nördlich des 60. Breitengrades nur noch sogenannte Polarbrennstoffe verwenden sollten, die weniger Ruß erzeugen. Ein IMO-Ausschuss zur Verhinderung von maritimer Umweltverschmutzung soll sich nun mit dem Antrag befassen.

Eigentlich gibt es laut Text schon seit 2004 ein Verbot für die Nutzung von besonders schweren Ölen auf Schifffahrtswegen in der Arktis. Wegen zahlreicher Schlupflöcher habe dies jedoch kaum etwas verändert. Vielmehr dürfen einige Schiffe ihre üblichen Schweröle noch bis 2029 weiter verwenden. Genau diese Ausnahmen halten die Ruß-Problematik am Leben.

Warum gerät Umweltschutz politisch ins Hintertreffen?

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Eine größere Protestbewegung hat die Lage laut Text nicht ausgelöst. Das Interesse an der Arktis habe sich zuletzt stark auf Donald Trumps Begehrlichkeiten gegenüber Grönland konzentriert, wodurch Umweltfragen in den Hintergrund gerieten. Zudem heißt es, die IMO habe im vergangenen Jahr Gebühren einführen wollen, um die Schifffahrt zu umweltfreundlicheren Brennstoffen einschließlich Elektrizität zu bewegen, eine Entscheidung sei jedoch zunächst um ein Jahr vertagt worden.

Wie reagieren betroffene Staaten wie Island?

Selbst in Staaten, die unmittelbar betroffen sind, gebe es keine klaren Richtlinien. Island sei zwar weltweit führend in grüner Technologie, doch die Fischereiflotte nutze überwiegend Schweröle. Arni Finnsson von der Iceland Nature Conservation Association kritisiert: „Diese Industrie freut sich über Profite, mag aber keine Steuern und kümmert sich nicht sonderlich um Klima und Biodiversität.“ Als Grund werden im Text höhere Kosten für sauberere Brennstoffe oder Elektroantriebe genannt. Vom isländischen Umweltministerium hieß es demnach, es seien noch weitere Studien notwendig.

Wie stark hat der Schiffsverkehr zugenommen?

Neben Fischerbooten dringen auch Handelsflotten tiefer in die Arktis ein, und Kreuzfahrtschiffe nutzen freie Wasserwege. Zwischen 2013 und 2023 hat sich das Schiffsaufkommen nördlich des 60. Breitengrades um 37 Prozent erhöht. Die zurückgelegten Strecken verlängerten sich sogar um 111 Prozent, wie der Arktische Rat mitteilte.

Welche Rolle spielt die Nordostpassage?

Die Zunahme wurde möglich, weil der Nördliche Seeweg beziehungsweise die Nordostpassage länger befahrbar ist als früher. Zwischen Europa und Asien können dadurch oft mehrere Tage eingespart werden. Politische Mehrheiten für eine Begrenzung der Schifffahrt auf dieser Route seien bislang nicht gefunden worden. Umweltverbände setzen daher darauf, wenigstens die zulässigen Treibstoffe zu regulieren, um Ruß zu reduzieren.

Fahren alle Reedereien durch die Arktis?

Viele Schiffe müssen laut Text weiterhin von Eisbrechern begleitet werden, was Umweltbelastung und Kosten erhöht. Einige Gesellschaften meiden die Route deshalb. Sören Toft, Chef der Mediterranean Shipping Company, sagt: „Unsere Position ist klar: Wir benutzen den Nördlichen Seeweg nicht und werden das auch künftig nicht tun.“

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