Dürre Deutschland 2026: Bodenfeuchte, Grundwasser und Niedrigwasser im Überblick | Weather.com
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Dürre in Deutschland: Bringen Herbst und Winter Entspannung?

Braune Rasenflächen werden wieder grün, doch das täuscht: Unter der Oberfläche trägt Deutschland die Dürre des Sommers weiter mit sich. Worauf es in den kommenden Monaten wirklich ankommt.

12.09.2026, Baden-Württemberg, Moos: Bei sonnigem Spätsommerwetter am Bodensee liegen einige Boote aufgrund des niedrigen Wasserstands auf dem Trockenen.  (Aufnahme mit einer Drohne) Foto: Marius Bulling/onw-images/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bei sonnigem Spätsommerwetter am Bodensee liegen einige Boote aufgrund des niedrigen Wasserstands auf dem Trockenen. Der Bodensee erlebt im Jahr 2026 ein historisches Niedrigwasser, bei dem der Pegelstand über den Sommer und bis in den September hinein immer neue Tiefstwerte erreicht hat.
(dpa)

Nach einem außergewöhnlich trockenen Sommer hat sich die Lage an der Oberfläche mancherorts entspannt. Doch in tieferen Bodenschichten und an vielen Flüssen bleibt die Situation angespannt. Wie es aktuell aussieht – und was die kommenden Monate bringen könnten.

Die Sommerbilanz 2026 des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) spricht von einem außergewöhnlichen Sommer mit hohen Dürreintensitäten, unterdurchschnittlichem Niederschlag in vielen Regionen und Hitzewellen, die die Austrocknung der Böden zusätzlich verstärkten. Besonders große Niederschlagsdefizite gab es demnach in Teilen des Schwarzwalds und der Schwäbischen Alb.

Laut Andreas Marx, Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros am UFZ und des Dürremonitors Deutschland, hat sich die Lage in den letzten Sommerwochen regional sehr unterschiedlich entwickelt. Von Brandenburg bis in den Süden sei es deutlich trockener gewesen. Dagegen habe ein Streifen von Köln bis in die Lausitz weniger stark gelitten. „Und aktuell sind die Oberböden vielerorts ganz gut nass geworden", sagt Marx.

Schnelle Erholung für Pflanzen bedeutet keine Entwarnung

Wie schnell sich die Natur erholen kann, zeigt sich im Stadtbild. „Bis vor Kurzem dominierten noch die braunen Rasenflächen, etwa in Parks“, sagt Marx. Nach ergiebigem Regen wachse „innerhalb nur einer Woche grünes Gras“ nach. Für kleinere Pflanzen habe sich die Lage daher regional stark verbessert, Gehölze und Sträucher würden jetzt folgen.

Auch für Weidewirtschaft und Landwirtschaft sei ein grüner und gut gesättigter Oberboden entscheidend. „Den Oberboden als unwichtig abzutun, wäre also eine Fehleinschätzung. Regen ist am Ende des Tages immer ein gutes Zeichen“, betont Marx.

Gleichzeitig dürfe man einen gut durchfeuchteten Oberboden nicht mit genereller Entwarnung verwechseln. „Diese kurzfristige Besserung reicht nicht aus, um grundlegende Probleme zu lösen“, sagt Marx. Im Gesamtboden, also bis in die tieferen Schichten, sei die Dürre vielerorts noch nicht überwunden.

Tiefe Defizite bleiben ein Problem

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„Bei einem Defizit von 100 Millimetern und mehr braucht es einen Prozess über mehrere Monate, um erst die Bodenfeuchteprobleme aufzulösen und dann das Grundwasser aufzufüllen“, sagt Marx. Erst müsse der Oberboden gesättigt sein, damit Wasser in die Tiefe sickern könne.

Die UFZ-Sommerbilanz hatte zudem darauf hingewiesen, dass sich die Dürre im Gesamtboden über längere Zeit und über größere Teile Deutschlands aufgebaut habe. Diese Defizite standen laut UFZ auch mit niedrigen Grundwasserständen und extremem Niedrigwasser in vielen Flüssen in Verbindung. Fehlt dieser Nachschub aus dem Grundwasser, lassen sich Pegel kaum stabilisieren.

Niedrigwasser bleibt für die Schifffahrt heikel

Wie angespannt die Lage an den Wasserstraßen weiterhin ist, zeigt auch ein aktueller Bericht der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG). Für die Periode vom 4. bis 10. September schreibt die Behörde, dass die leichte Entspannung der vergangenen Wochen nicht angehalten habe. Besonders betroffen seien Elbe, Donau und Rhein. Großräumig ergiebige Niederschläge seien ausgeblieben, deshalb seien die Wasserstände an vielen freifließenden Bundeswasserstraßen erneut auf sehr niedrige Werte gefallen. Eine spürbare Entspannung der Niedrigwasserlage sei angesichts der Niederschlagsprognosen bis Anfang Oktober nicht zu erwarten.

Für die Schifffahrt ist das besonders relevant. Am für den Mittelrhein wichtigen Pegel Kaub wurden laut BfG am 10. September morgens 22 Zentimeter gemessen. Das waren zwar 15 Zentimeter mehr als am bisherigen Tiefststand dieses Jahres Mitte August, aber noch immer 3 Zentimeter weniger als beim bis dato niedrigsten bekannten Wasserstand vom Oktober 2018. Die BfG betont zudem, dass die Flüsse derzeit sehr anfällig auf mehrtägige Trockenheit reagieren – auch wegen geringer Speicherreserven in den Einzugsgebieten.

Wasserverlust durch Verdunstung nimmt im Herbst und Winter ab

Für die kommenden Monate setzt Marx trotzdem nicht auf Alarmismus. „Dürre ist ein zeitlich begrenzter Extremzustand, aus dem man in Deutschland auch wieder herauskommen kann“, sagt er. Entscheidend ist dafür aus seiner Sicht nicht nur die Menge an Niederschlag, sondern auch, wie viel Wasser verloren geht.

Zwei Faktoren bestimmen laut Marx den Wasserverlust: Verdunstung und Abfluss. „Im Herbst und Winter fehlt die Wärme, und damit nimmt die Verdunstung ab. Das ist mit ein Grund, warum in Deutschland über den Herbst und Winter in aller Regel die Böden wieder durchfeuchten und Grundwasserstände steigen.“ Doch er räumt ein: „Schwieriger ist der Weg zurück in den Normalzustand.“

Regionale Unterschiede bei den Herbst- und Winterniederschlägen

Ob normale Herbst- und Winterniederschläge ausreichen, hängt Marx zufolge stark von der Region ab. Deutschland habe sehr unterschiedliche Boden- und Klimaräume sowie eine sehr ungleiche Niederschlagsverteilung. „In einigen Regionen regnet es üblicherweise so viel, da ist innerhalb eines halben Jahres wieder der Normalzustand erreicht“, sagt Marx. In trockeneren Regionen wie dem Osten des Landes mit stärker kontinental geprägtem Klima dauere das oft länger.

Play

Für die weitere Entwicklung von Bodenfeuchte und Witterung gibt Marx keinen klaren Trend aus. Saisonale Mittelfristprognosen, was Witterung und Niederschlag angeht, lägen zum Teil weit auseinander, sagt er. Zwar sei gut belegt, dass mit dem Klimawandel extreme Situationen zunehmen. „Der starke Wechsel zwischen extrem trockenen und extrem nassen Phasen, wie er in den vergangenen Jahren zu beobachten war, lässt sich aber nicht als sichere Entwicklung für die nächsten Monate vorhersagen“, so Marx.

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