Warum Meereströmungen für unser Wetter wichtig sind | Weather.com
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Meeresströmungen: Wie sie Einfluss auf Wetter und Klima nehmen

Die großen Meeresströmungen transportieren sehr große Mengen Wärme rund um den Globus. Das macht sie zu wichtigen Bestandteilen im Klimasystem. Was sie antreibt und welchen Einfluss der Klimawandel auf sie haben könnte.

Horizontale Aufnahme mit ruhigem Meer, mehreren Wolkenformationen und spiegelndem Wasser im Vordergrund
Meeresströmungen sind ein elementarer Motor des globalen Klimasystems. Sie verteilen Wärme, beeinflussen Wetterlagen, steuern Stoffkreisläufe im Meer und verknüpfen weit voneinander entfernte Regionen des Planeten.
(GettyImages)

Meeresströmungen sind meist großräumige, gerichtete Bewegungen von Wassermassen in den Ozeanen. Sie werden durch verschiedene Faktoren angetrieben und beeinflussen das Klima, das Wetter, die Lebensbedingungen im Meer sowie die Fischerei und Schifffahrt. Manche Strömungen erstrecken sich über weite Teile der Ozeane und wirken auf globaler Ebene, andere prägen vor allem bestimmte Regionen.

„Zu den wichtigsten Meeresströmungen gehören beispielsweise der Golfstrom und der Nordatlantikstrom, der Kuroshio im Pazifik, der Agulhasstrom im Indischen Ozean sowie die großen Strömungen des Antarktischen Zirkumpolarstroms“, sagt Prof. Dr. Peter Brandt, Leiter der Forschungseinheit Physikalische Ozeanographie am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Die wichtigsten Meeresströmungen im Überblick

    Der Golfstrom ist eine der größten und wärmsten Meeresströmungen der Erde. Er transportiert warmes Wasser aus dem tropischen Atlantik in den Nordatlantik. Er verläuft entlang der Ostküste Nordamerikas und geht im Nordatlantik in den Nordatlantikstrom über.
    Der Antarktische Zirkumpolarstrom (ACC) ist die stärkste Meeresströmung der Erde und wälzt pro Sekunde viermal so viel Wasser um wie der Golfstrom. Er umfließt die Antarktis ringförmig, verbindet den Atlantischen, Pazifischen und Indischen Ozean und nimmt damit eine wichtige Rolle im globalen Strömungssystem ein. Zudem beeinflusst er den Austausch von Wärme und CO₂ zwischen Ozean und Atmosphäre und trägt zur klimatischen Isolation der Antarktis bei.
    Der Kuroshio-Strom (Kuroshio, jap. = schwarze Strömung) ist eine warme Meeresströmung im westlichen Pazifik, die sich von den Philippinen nach Norden bis zur japanischen Ostküste erstreckt. Er transportiert große Mengen warmen Wassers aus den Tropen in höhere Breiten und hat dadurch maßgeblichen Einfluss auf das Klima Ostasiens, ähnlich wie der Golfstrom auf das Klima in Europa. Er ist benannt nach der dunklen Farbe seines Wassers.
    Der Agulhasstrom ist eine warme Meeresströmung im südwestlichen Indischen Ozean, die entlang der Ostküste Afrikas nach Süden fließt. Durch seine Wechselwirkung mit der Küste und den regionalen Strömungs- und Windverhältnissen können in seinem Einflussbereich besonders hohe Wellen entstehen. An der Südspitze Afrikas vollzieht er zudem eine ungewöhnliche Kehrtwende (Agulhas-Retroflektion) und bildet riesige Ozeanwirbel, über die warmes und salzreiches Wasser in den Atlantik gelangt.

Das „globale Förderband”

Weltkarte mit gestrichelten und durchgezogenen Linien, die Meeresströmungen und deren Richtungen zeigen, sowie englische Bezeichnungen der Ozeane und Strömungen
Der Golfstrom trägt mit dazu bei, dass in Teilen Europas vergleichsweise milde klimatische Bedingungen herrschen. Ähnlich wirkt der Kuroshio-Strom auf das Klima in Ostasien
(GettyImages)

Die einzelnen Meeresströmungen sind Teil des globalen Strömungssystems der Ozeane. „Angetrieben werden Meeresströmungen vor allem durch Wind und Unterschiede in der Dichte, also unterschiedliche Temperaturen und Salzgehalt des Wassers”, sagt Peter Brandt. Diese Unterschiede treiben die sogenannte thermohaline Zirkulation an: Kaltes, salzreiches und damit dichteres Wasser sinkt in einigen Regionen in die Tiefe ab, während Tiefenwasser an anderer Stelle wieder aufsteigt.

Dieses System miteinander verbundener Oberflächen- und Tiefenströmungen wird häufig als „globales Förderband“ bezeichnet. Es erstreckt sich über den Atlantischen, Pazifischen, Indischen und Südlichen Ozean und verbindet diese durch den Austausch von Wassermassen und Wärme miteinander.

„Meeresströmungen transportieren Wärme, Salz, Sauerstoff, Nährstoffe sowie Kohlenstoff und verbinden damit weit entfernte Regionen der Ozeane“, sagt Prof. Brandt. „Sie beeinflussen beispielsweise die Produktivität mariner Ökosysteme und den Austausch von Wärme und CO₂ zwischen Ozean und Atmosphäre.“ Über den Wärmetransport könne ein Meeresstrom auch einen großen Einfluss auf das Klima der angrenzenden Landgebiete haben, so der Ozeanologe.

Klima, der Klimawandel und die Ozeane

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Durch den Klimawandel verändern sich jedoch Temperatur, Salzgehalt und Schichtung der Ozeane, was auch die Meeresströmungen beeinflusst; mit weitreichenden Auswirkungen auf das globale Strömungssystem und damit auf das Klima sowie marine Ökosysteme.

Ein Beispiel dafür seien der Golfstrom und seine Fortsetzung, der Nordatlantikstrom. Beide tragen zum relativ milden Klima Europas bei, indem sie große Mengen Wärme nach Norden transportieren. Als Folge des Klimawandels und der dadurch veränderten Strömungsverhältnisse könne der Wärmetransport nach Norden reduziert werden, wodurch es zu einer regionalen Abkühlung kommen könne.

Gleichzeitig führe der Klimawandel aber weltweit zu einer Erwärmung, sagt Brandt. Diese beiden Prozesse würden einander jedoch nicht einfach ausgleichen, betont er. „Vielmehr würde sich die regionale Klimaentwicklung und zum Beispiel die Häufigkeit bestimmter Wetterlagen verändern.”

Langfristige Prognosen für die Zukunft noch unklar

Um Meeresströmungen zu untersuchen, kommen Forschungsschiffe, Messgeräte an Verankerungen, Treibbojen und autonome Messplattformen zum Einsatz, erklärt Brandt. Satellitenbilder ermöglichen zusätzlich eine weitreichende Beobachtung der Meeresoberfläche.

„Aus diesen Messungen und aus Computersimulationen können wir Geschwindigkeit, Richtung und Veränderungen der Strömungen bestimmen”, so Brandt. Inwieweit sich der Klimawandel auf den Golfstrom und andere Meeresströmungen auswirkt, werden wissenschaftliche Untersuchungen jedoch erst im Laufe der Zeit zeigen.

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