Aufruhr in England: Unterirdischer Tunnel bei Stonehenge wird zum Zankapfel | Weather.com
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Aufruhr in England: Unterirdischer Tunnel bei Stonehenge wird zum Zankapfel

Photography of Stonehenge at the sunset
Wofür die berühmte Stätte Stonehenge einst diente, ist bis heute umstritten
(GettyImages)

Seit der Jungsteinzeit ragen die Steine von Stonehenge in den Himmel auf. Man kennt sie auf der ganzen Welt. „Megalithen“ hat man die riesigen Steine getauft, die das prähistorische Bauwerk bei Amesbury im Süden Englands bilden und Forschern zwar seit langem, und doch erst seit einem Bruchteil ihrer Existenz, Rätsel aufgeben.

Vor 5000 Jahren sollen unsere Vorfahren mit dem Bau begonnen haben - im Neolithikum, wie die Phase der Jungsteinzeit etwa 2500 vor Christus genannt wird. Nun soll gewissermaßen eine zweite Bausphase eingeleitet werden: Entgegen der Empfehlung von Experten hat sich die britische Regierung am Donnerstag entschieden, die Region um das Bauwerk um einen Straßentunnel zu bereichern.

Bau soll im Frühjahr starten

Der Historiker Tom Holland, der sich in der Gruppe „Stonehenge Alliance“ gegen das Bauprojekt engagiert, erklärte, die Entscheidung, riesige Mengen von Asphalt und Beton in Britanniens prähistorisch bedeutsamste Landschaft zu injizieren, sei zugleich verschwenderisch und frevelhaft.

Im Frühjahr soll mit den ersten Arbeiten begonnen werden, 2023 beginnt nach aktueller Planung die Haupt-Bauphase, die fünf Jahre dauern soll. Am Ende soll ein zwei Meilen, also etwa 3,2 Kilometer langer, unterirdischer Tunnel stehen. In einem Zeitfenster von sechs Wochen können Gegner gerichtlich Einspruch gegen das Bauvorhaben einlegen.

Gegner befürchten Schäden für Umwelt – Befürworter hoffen auf Verkehrsentlastung

Für die Bewilligung des insgesamt schätzungsweise umgerechnet etwa 1,8 Milliarden Euro teuren Baus setzte sich Verkehrsminister Grant Shapps auch über die Meinung der eigenen Experten hinweg - die britische Planungsbehörde hatte sich gegen das Projekt ausgesprochen, für das das Erdreich in der Nähe der prähistorischen Stätte aufgebrochen werden muss.

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Befürworter erhoffen sich eine Verkehrsentlastung und positive Umwelteffekte. Der Tunnel soll eine Schnellstraße entlasten, die nahe dem Monument zweispurig verläuft und häufig überlastet ist. Verkehr soll nahe Stonehenge nicht mehr sichtbar sein. Gegner des Projekts - außer der britischen Planungsbehörde insbesondere Anwohner und Archäologen - erwarten teils das Gegenteil: Schäden für Umwelt und Tiere. Vor allem aber sorgen sie sich um Schäden an der Weltkulturerbestätte.

„Stonehenge Alliance“ kündigt erbitterten Widerstand an

Die „Stonehenge Alliance“ erklärte nach der Entscheidung ihr tiefes Bedauern und kündigte an, rund um den Globus werde man mit einem „Schock“ auf die Entscheidung reagieren. Der Plan stelle zudem einen Bruch der internationalen Verpflichtung des Vereinigten Königreichs dar, die Weltkulturerbestätte zu schützen.

Im Juni hatte die Entdeckung eines Monuments aus mehr als 20 riesigen Schächten nahe dem berühmten Steinkreis bei den Gegnern Hoffnungen genährt, die Bauarbeiten abwenden zu können. Sollte kein Einspruch Erfolg haben, beginnen im Frühjahr die Bauarbeiten für einen neuen Schacht - allerdings ohne prähistorische Bedeutung. Die „Stonehenge Alliance“ hat bereits erbitterten Widerstand angekündigt.

Stonehenge-Rätsel bis heute ungelöst

Wofür die Stätte einst diente, ist unterdessen weiter umstritten. Über die Jahrhunderte gab es verschiedene Erklärungen. Mal hieß es, es handele sich um eine frühere Krönungsstätte für dänische Könige, andere glaubten, Stonehenge sei ein Druidentempel, doch auch eine Nutzung als Heilstätte oder Ort für astronomische Beobachtungen wurde diskutiert.

Die heute anerkannteste Interpretation ist nach Angaben der Wohltätigkeitsorganisation English Heritage, die Hunderte historische Stätten verwaltet, dass es sich um einen Tempel handelte, der nach dem Lauf der Sonne ausgerichtet wurde. Der Ort ist einer der größten Touristenmagneten des Landes.

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