Schlaglöcher: Frost-Tau-Wechsel zerstört Asphalt | Weather.com
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Schlaglöcher durch Frostwechsel: Warum Straßen im Winter besonders leiden

Frostwechsel belastet Asphalt massiv und führt zu Schlaglöchern. Experten warnen: Die Schäden sind besonders im kommunalen Bereich sichtbar.

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Nicht der Frost allein ist das Problem, sondern sein ständiger Wechsel. Wenn es tagsüber taut und nachts wieder friert, entstehen Schäden, die Straßen regelrecht aufsprengen können. Besonders betroffen sind kommunale Straßen – und die Reparaturkosten gehen in die Milliarden.

„Bei dauerhaften Temperaturen von –25 Grad hätten wir kaum Probleme“, sagt Prof. Stephan Freudenstein, Verkehrswegebau-Experte an der Technischen Universität München. Kritisch werde es erst dann, wenn sich Frost und Tau ständig abwechseln. Genau dieser tägliche Wechsel belastet den Straßenbelag besonders stark.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht in diesem Zusammenhang von Frostwechseltagen: Tagen, an denen die Temperatur tagsüber über 0 Grad und nachts unter den Gefrierpunkt fällt. Ihre Anzahl gibt Aufschluss darüber wie schadhaft vor allem kommunale Straßen und Verkehrswege am Ende des Winters sind.

Warum alte Straßen besonders leiden

Dass Straßen unter dem Frostwechsel leiden, liegt laut Bauingenieur Freudenstein an der Materialbeschaffenheit, denn „Asphalt besteht aus mehreren Schichten“. Entstehen an der Oberfläche Risse – etwa durch Alterung oder frühere Reparaturen – kann Wasser eindringen und sich im Straßenoberbau sammeln. „Das Wasser steht dann auf der nächsten Schicht“, erklärt Freudenstein. Friert es, dehnt es sich aus, hebt den Belag an und schwächt den Verbund zwischen den Lagen.

„Beim Tauen legt sich alles wieder ab, nachts geht es erneut hoch – und mit jedem Zyklus entstehen neue Schäden“, so Freudenstein.

Aus kleinen Rissen würden mit der Zeit größere Ablösungen, bis schließlich Schlaglöcher entstehen. Besonders betroffen seien ältere Straßen, bei denen über Jahre zu wenig in die Substanz investiert wurde. „Das ist ein klassisches Problem vieler Kommunen mit chronisch leeren Kassen.“

Milliardenschäden nach dem Winter

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Der ADAC warnt in einer Pressemitteilung vor den finanziellen Folgen: Der aktuelle Winter habe die Straßen in Deutschland vor allem durch häufige Frost-Tau-Wechsel stärker belastet als in den Vorjahren. Die Schäden seien besonderen im kommunalen Straßennetz sichtbar.

Provisorische Reparaturen – etwa das Füllen von Schlaglöchern mit Kaltasphalt – kosten laut ADAC bereits bis zu 200 Euro pro Schadstelle. Dauerhafte Sanierungen seien deutlich teurer. Gleichzeitig zeigt eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik, dass unabhängig vom aktuellen Winter ein erheblicher Teil der kommunalen Straßen sanierungsbedürftig ist und sich die Kosten bereits 2023 auf rund 283 Millionen Euro beliefen. Der Winter 2025/2026 dürfte diese Zahl weiter in die Höhe getrieben haben.

Asphalt oder Beton – eine Frage der Nutzung

Die Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) bestätigt, dass frostbedingte Schäden seit Jahren ein bekanntes Problem sind. „Sie entstehen überwiegend durch ungewollten Wassereintritt in die Fahrbahnkonstruktion, etwa infolge bereits vorhandener Schäden oder nicht fachgerechter Reparaturen“, sagt Pressesprecher Christopher Gerhard. Besonders im kommunalen Straßennetz seien diese Schäden häufig und deutlich sichtbar.

Dass die Situation auf Autobahnen anders aussieht, erklärt Freudensein so: „Bei hohen Geschwindigkeiten ist man sensibler für intakte Straßen.“ Dort werde auch häufiger Beton eingesetzt. Der Vorteil: Beton besteht aus einer Schicht, klassische Frostwechsel-Schäden treten dort seltener auf.

Asphalt dominiere dagegen im kommunalen Bereich. „Wenn innerorts Leitungen repariert oder Straßen geöffnet werden müssen, ist Asphalt einfach praktischer“, sagt der Verkehrswegeexperte. Nur bei besonders schwerer Belastung – etwa in Kreisverkehren oder auf Busspuren und Kreuzungen – komme auch dort häufiger Beton zum Einsatz. „Beide Bauweisen haben ihre Vor- und Nachteile.“

Klimawandel verschiebt die Belastung

Der Klimawandel mache Frostwechsel und in Folge dessen die Straßenschäden nicht zwangsläufig häufiger, sagt Freudenstein – es komme aber zu einer Verschiebung. „Früher trat Frostwechsel oft erst im März auf, heute schon im Januar oder Februar.“

Freudenstein zufolge rückt der Klimawandel dafür andere Herausforderungen stärker in den Fokus: Starkregen, der eine bessere Entwässerung erfordert, und Hitze, bei der Asphalt weicher wird und sich verformen kann. „Jede Bauweise muss sich Gedanken machen, wie sie sich an die veränderten klimatischen Bedingungen anpasst.“

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