Hitzewellen: Warum in Städten so extrem heiß wird | Weather.com
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Hitzeschutz : Warum es in Städten bei Hitzewellen extrem heiß wird

Gerade in Städten wird es bei Hitzewellen extrem heiß. Mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen, wird versucht, den Menschen etwas Abkühlung zu verschaffen.
Da viele Städte dicht bebaut sind und gleichzeitig über wenig Grün- und Freiflächen verfügen, heizen sich diese tagsüber stark auf und kühlen teilweise nachts nur wenig ab.
(GettyImage)

Der weltweite Temperaturanstieg und die damit häufiger werdenden Hitzetage, Tropennächte und Hitzewellen sind eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Menschen, warnen mittlerweile viele Wissenschaftler und Ärzte. Bei sechs Hitzeereignissen zwischen Januar 2000 und Oktober 2023 starben laut Robert-Koch-Institut in Deutschland insgesamt 17.534 Menschen in Folge der Hitze.

Städtischer Wärmeinseleffekt verstärkt die Hitze

Da viele Städte dicht bebaut sind und gleichzeitig über wenig Grün- und Freiflächen verfügen, heizen sich diese tagsüber stark auf und kühlen teilweise nachts nur wenig ab. „Städtischen Wärmeinseleffekt“ nennt Jonas Gerke, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG), diesen Umstand. „Um die Menschen in den Städten vor den hohen Temperaturen besser zu schützen, gibt es eine ganze Reihe von Maßnahmen – manche sind eher längerfristig, andere leicht und niederschwellig umzusetzen.“

Städtischer Wärmeinseleffekt

Immer mehr Kommunen schreiben solche Maßnahmen mittlerweile in sogenannten Hitzeaktionsplänen fest. Zwar ist das Auf- und Umsetzen von Hitzeaktionsplänen keine Pflicht, doch das seit 1. Juli in Kraft getretene bundesweite Klimaanpassungsgesetz schreibt den Kommunen vor, festzulegen, wie sie sich gegen die Hitze als Folge des Klimawandels besser anpassen wollen.

Flächenentsiegelung und blau-grüne Infrastruktur

Zu den langfristigen Maßnahmen zählen laut Gerke etwa die Entsiegelung von Flächen oder der Auf- und Ausbau einer blau-grünen Infrastruktur. Bei einer blau-grünen Infrastruktur wird neben deutlich mehr Begrünung (grün) auch versucht, das Wasser und dabei insbesondere das Regenwasser (blau) besser in der Stadt zu halten und zu speichern, so dass es noch genutzt werden oder in den Städten verdunsten kann. Beispiele sind die Schaffung von Teichen, Seen und Kanälen, unterirdischen Wasserspeichern oder auch großen Wiesen, auf denen sich Wasser nach einem starken Regen sammeln kann. „Dabei gibt es viele gute Überlegungen, die aber oft nur langsam in die Umsetzung kommen“, sagt Gerke.

Städte bauen kommunale Trinkbrunnen und „Sommerspritzer“

Etwas schneller geht etwa die Begrünung von Häusern und Fassaden: „Sie verbessern die Luftqualität, kühlen durch Verschattung und Verdunstung, sind lärmmindernd, bieten Rückhalt für Regenwasser, schaffen einen Ersatzlebensraum für Tiere, wirkend dämmend und sehen meistens auch noch Klasse aus“, sagt auch der Präsident des Bundesverbands GebäudeGrün, Gunter Mann. „Dach- und Fassadenbegrünung ist außerdem recht schnell angebracht und damit eine der einfachsten Sofortmaßnahme bei der Anpassung an den Klimawandel.“ Weitere Maßnahmen sind etwa die Pflanzung von schattenspendenden Bäumen oder die Errichtung von kommunalen Trinkbrunnen, an denen sich die Menschen kostenlos Wasser zapfen oder sich einfach mal einen Schwall kühles Nass ins Gesicht spritzen können.

Vor sogenannte „Sommerspritzer“ können sich bei Temperaturen über 30 Grad die Menschen in Wien stellen. Die Sprühnebelduschen sind auf über hundert Hydranten angebracht, dazu gibt es an 14 Standorten Nebelstelen, die für Abkühlung sorgen. Andere Städte wiederum – unter anderem Karlsruhe haben mittlerweile in ihren Stadtplänen neben Grünanlagen und Trinkwasserbrunnen auch kühle Orte wie Kirchen oder klimatisierte Gebäude gesondert markiert.

Vulnerable Gruppen in den Einrichtungen besonders schützen

Ein besonderes Augenmerk wird in vielen Städten auf die vulnerablen Gruppen, wie Kinder, Alte und Kranke sowie die Einrichtungen, in denen sie untergebracht sind, gelegt. Um Innenräume von Kindertagesstätten, Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen kühl zu halten, können etwa kurzfristig Kühlsysteme und Außenverschattungen angebraucht werden, rät das Portal Hitzeservice.de. Außerdem können Ventilatoren aufgestellt und wärmeabgebende Geräte ausgeschaltet werden.

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Weitere Maßnahmen in den Einrichtungen betreffen die Menschen, die dort leben und betreut werden, direkt. „Es können mehr Getränke an die Betten gebracht werden, die Kinder in den Kindergärten können ein paar Stunden mit den Betreuern im Wald verbringen, es wird auf fettige Nahrung verzichtet und es gibt mehr Obst und Gemüse“, zählt Gerke auf. Bei Arbeiten im Freien wiederum sollten bei Hitze – wo immer möglich – die Arbeitszeiten in die kühleren Abend- und Morgenstunden verlegt werden. Eine weitere Option: das Aufstellen von mobilen Pavillons.

Hitzemaßnahmen auch für Sportler

Für die kurzfristigen Maßnahmen ist es laut Gerke extrem wichtig, dass die Warnkette funktioniert und die Menschen rechtzeitig wissen, dass eine Hitzewelle bevorsteht, damit sie sich entsprechend vorbereiten können. Dazu gibt der Deutsche Wetterdienst auf seiner Webseite und über Apps die entsprechenden Warnungen heraus. Diese sollen dann etwa in U-Bahnhöfen auf Bannern angezeigt und an das Personal weitergeleitet werden, das mit Risikogruppen arbeitet.

Auch für Sportler und die Vereine wird die Hitze immer öfter zum Problem. „Umso wichtiger ist es, dass hier die Verantwortlichen die Temperaturen im Blick haben, für Kühlzonen sorgen oder auch mal ein Spiel absagen“, so Gerke. Oder aber, wie bei der Fußball-EM passiert: Einfach mal alle Spieler gemeinsam vom Platz holen – für eine kollektive Trinkpause.

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