Experte zum Pilzjahr:"Die Pilze wollen oder können nicht" | Weather.com
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Experte zum Pilzjahr:"Die Pilze wollen oder können nicht"

Seltenheitswert: Speisepilze sind in der aktuellen Saison in Sachsen-Anhalt, Hessen, im Schwarzwald und im Allgäu kaum zu finden.
(dpa)

Nach fast leeren Wäldern im Frühjahr und Sommer macht ein Pilzexperte auch für den Herbst kaum Hoffnungen auf volle Sammlerkörbe. "Es ist sehr enttäuschend draußen. Die Pilze wollen oder können nicht", sagte Stefan Fischer vom Landesverband der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zwar seien immer noch "gute Pilzwochen" möglich, aber dann müsse das Wetter passen. "Sachsen-Anhalt hatte wochenlang weite Trockengebiete und wenn es geregnet hat, dann stark und schnell", sagte Fischer. "Die Feuchtigkeit ist abgeflossen, ohne dass sie für die Pilz-Myzelien nützlich war, um stressfrei Fruchtkörper auszubilden." 

Pilzgeflechte möglicherweise im Ruhemodus

Fischer zufolge geht es den Bäumen gut, sie profitieren immer noch von der Nässe im Winter und Frühjahr. "Doch es scheint, als hätten sie kein Interesse, mit den Pilzen zusammenzuarbeiten", sagte der in Kayna bei Zeitz beheimatete Pilzsachverständige, der auch Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Mykologie ist. Es sei auch möglich, dass die Myzelien größtenteils regenerieren, ohne oberirdische Fruchtkörper zu bilden. Bei Myzelien handelt es sich um das unterirdische Geflecht eines Pilzes. Baum und Pilz gehen eine Symbiose ein, profitieren also voneinander. 

S​aison ist aber noch nicht vorbei

So hätten Sammler bei ihren Streifzügen durch die Wälder bisher oft nur einzelne Speisepilze gefunden, bei längeren Wegstrecken "vielleicht auch mal ein Dutzend". Randvolle Körbe waren Fehlanzeige. "Selbst die kleinen Moospilze waren nicht da und wenn doch, dann wurde sie von den Schnecken traktiert", so der 67-Jährige. Ein rein sachsen-anhaltisches Problem sei das aber nicht. "Ich bekomme auch aus anderen Regionen Deutschlands die Meldungen, dass die Wälder fast leer sind, zum Beispiel aus dem Schwarzwald oder dem Allgäu." Noch sei die Saison aber nicht vorbei. "Jetzt kommt die Jahreszeit, wo Nebelwetter und Morgentau helfen. Da kann lokal noch was kommen, aber viel sicher nicht."

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Das wirke sich natürlich auf die Pilzberatungen aus, die unsicheren oder unkundigen Speisepilzliebhabern angeboten werden. In Sachsen-Anhalt sind dem Landesverband zufolge derzeit 68 geprüfte Sachkundige für Pilzaufklärung im Dienst, die an mehr als 50 Orten in die Körbe schauen und beraten. Fischer zieht ein erstes Fazit."Ich hatte bisher zwei Pilzfreunde bei mir in der Beratung. Und die haben mir Gartenfunde vorgelegt."

Auch in Hessen kaum Speisepilze zu finden

A​uch in Hessen kommen Pilzsammler derzeit kaum auf ihre Kosten. "Die Situation ist momentan schwierig", sagte der Pilz-Sachverständige der in Frankfurt ansässigen Deutschen Gesellschaft für Mykologie, Thomas Lehr. Es seien sehr wenige Speisepilze zu finden. Dies sei auf den ersten Blick eigentlich erstaunlich, da es zuletzt ausgiebige Niederschläge gegeben habe. Womöglich sei die Kombination aus dem trockenen August und den plötzlich tieferen Temperaturen in den vergangenen Tagen der Grund. 

Pilze könne man zurzeit höchstens mit sehr guter Ortskenntnis finden: "Wenn man dauerfeuchte Hotspots kennt, dann könnte es eine kleine Ausbeute geben", sagte Lehr. Und noch gebe es Hoffnung: In den vergangenen Jahren sei die Pilzsaison ohnehin erst ab Mitte Oktober richtig losgegangen. Sie dauere bis zu den ersten längeren Nachtfrösten, das könne Mitte oder auch erst Ende November sein.

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