Schafskälte: Wie zuverlässig sind Lostage? | Weather.com
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Bauernregeln im Check: Wie zuverlässig sind Lostage wie Schafskälte?

Eisheilige, Schafskälte oder Siebenschläfer: Viele Lostage gelten seit Jahrhunderten als Wetter-Orakel. Doch welche Bauernregeln haben tatsächlich einen meteorologischen Kern?

Schaf mit zotteligem Fell läuft über schneebedeckten Boden vor bewölktem Himmel.
Wetterphänomen Schafskälte: Zu Beginn der warmen Jahreszeit bringt ein Kaltlufteinbruch nochmal Kälte und Frost
(GettyImages)

Lostage faszinieren die Menschen seit Jahrhunderten. Ob Eisheilige, Schafskälte oder Siebenschläfer: Viele dieser traditionellen Wetterregeln gelten bis heute als Orientierung für Garten, Landwirtschaft und Alltagsplanung.

Dabei handelt es sich um bestimmte Kalendertage, denen im Volksglauben eine besondere Bedeutung für die Wetterentwicklung der kommenden Wochen oder Monate zugeschrieben wurde. Vor allem in der Landwirtschaft galten sie lange Zeit als wichtige Orientierungshilfe für Aussaat, Ernte oder den Schutz empfindlicher Pflanzen.

Wiederkehrende Wettermuster

Ihre Ursprünge reichen bis in die Antike zurück. Später wurden viele Lostage in den christlichen Kalender übernommen und mit Heiligentagen verknüpft. Im Mittelalter verbreiteten sich die dazugehörigen Regeln vor allem mündlich, fanden aber auch Eingang in Bauernkalender und landwirtschaftliche Schriften. Heute sind insgesamt 84 Lostage bekannt.

Im Zusammenhang mit Lostagen fällt oft auch der Begriff Singularitäten. Gemeint sind Wetterlagen, die mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu bestimmten Zeiten im Jahr auftreten. Diese wiederkehrenden Witterungsmuster können deutlich vom üblichen Verlauf der jahreszeitlichen Erwärmung oder Abkühlung abweichen. Während manche Bauernregeln also einen realen meteorologischen Kern haben, beruhen andere eher auf Überlieferung als auf belastbaren Zusammenhängen.

Vinzenz-Tag (22. Januar)

„An Sankt Vinzenz Sonnenschein, bringt viel Korn und guten Wein.“

Der Vinzenz-Tag galt traditionell als Vorzeichen für eine erfolgreiche Ernte. Sonniges Wetter am 22. Januar sollte demnach gutes Getreide und einen ertragreichen Weinjahrgang ankündigen. Aus wissenschaftlicher Sicht lässt sich diese Bauernregel allerdings kaum belegen. Meteorologen sehen keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem Wetter an diesem Januartag und der späteren Qualität von Wein- oder Getreideernten. Der Vinzenz-Tag gehört damit eher zu den symbolischen Lostagen ohne belastbare Wettergrundlage.

Eisheilige (11. bis 15. Mai)

„Ehe nicht Pankratius, Servatius und Bonifatius vorbei, ist nicht sicher vor Kälte der Mai.“

Die Eisheiligen zählen zu den bekanntesten Lostagen überhaupt. Hintergrund ist die Beobachtung, dass es in der zweiten Maidekade häufig noch einmal zu Kaltlufteinbrüchen kommt. Ursache sind Nordwetterlagen, bei denen arktische Polarluft nach Mitteleuropa strömt. Dadurch kann es selbst im Mai noch Bodenfrost geben.

In Norddeutschland werden meist nur drei Eisheilige gezählt: Mamertus am 11. Mai, Pankratius am 12. Mai und Servatius am 13. Mai. In Süd- und Südostdeutschland kommen zusätzlich Bonifatius am 14. Mai sowie die „kalte Sofie“ am 15. Mai hinzu. Der zeitliche Unterschied erklärt sich dadurch, dass die Kaltluft einige Tage benötigt, um sich von Norden nach Süden auszubreiten.

Für Landwirte und Hobbygärtner besitzen die Eisheiligen bis heute Bedeutung. Spätfröste können junge Pflanzen und Blüten erheblich schädigen. Früher war dies besonders kritisch, weil die empfindlichen Wachstumsphasen vieler Nutzpflanzen genau in diesen Zeitraum fielen.

Die Eisheilige fallen heutzutage vielerorts weniger stark aus als noch vor einigen Jahrzehnten, was ein möglicher Hinweis auf die globale Klimaerwärmung ist. Allerdings beginnt durch mildere Temperaturen heute auch die Vegetationsperioden oft früher im Jahr. Treten dann späte Kaltlufteinbrüche wie die Eisheiligen im Mai auf, können die Schäden auf den Blüten oft noch verheerender sein.

Schafskälte (10. bis 12. Juni)

„Regen an St. Barnabas, währet 40 Tag’ ohn’ Unterlass.“

Die Schafskälte beschreibt eine typische Wetterperiode im Juni, in der es häufig noch einmal deutlich kühler und feuchter wird. Ursache ist meist ein Vorstoß kalter Polarluft nach Mitteleuropa. Oft folgt darauf eine regenreiche Wetterphase.

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Der Name Schafskälte hat tatsächlich mit Schafen zu tun. Früher wurden Schafe traditionell zu Beginn des Sommers geschoren, um sie von ihrem Winterfell zu befreien. Durch die Schur reagieren die Tiere empfindlich auf Kälteeinbrüche. Das Frieren der frisch geschorenen Schafe gab dann der Wetterlage ihren Namen. Die Bauernregel selbst ist zwar übertrieben formuliert, doch der Wetterumschwung Mitte Juni lässt sich meteorologisch tatsächlich häufiger beobachten.

Siebenschläfer (27. Juni)

„Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag.“

Der Siebenschläfertag gehört zu den bekanntesten Bauernregeln im deutschsprachigen Raum. Mit dem Tier hat der Name allerdings nichts zu tun. Der Lostag geht auf eine christliche Legende der „Sieben Schläfer“ zurück.

Die Bauernregel besagt, dass das Wetter am 27. Juni den Charakter der folgenden sieben Wochen bestimmt. Meteorologisch betrachtet ist diese Regel nicht völlig unbegründet. Besonders im Zeitraum Ende Juni bis Anfang Juli stellt sich in Mitteleuropa häufig eine stabile Großwetterlage ein. Verantwortlich dafür ist der Jetstream – ein Starkwindband in etwa zehn Kilometern Höhe, das die Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten beeinflusst.

Verläuft der Jetstream weiter nördlich, dominieren häufig Hochdruckgebiete mit warmem und trockenem Wetter. Besonders in Süddeutschland trifft die Siebenschläfer-Regel statistisch vergleichsweise oft zu: Dort liegt die Trefferquote bei etwa 60 bis 70 Prozent.

Hundstage (23. Juli bis 23. August)

„Sind die Hundstage heiß, bleibt’s im Winter lange weiß.“

Mit den Hundstagen verbindet man heute vor allem besonders heiße Sommerphasen. Als Zeitraum gelten meist die Wochen vom 23. Juli bis 23. August. Der Begriff stammt bereits aus dem antiken Griechenland. Damals fiel in diese Zeit der heliakische Aufgang des Sterns Sirius im Sternbild „Großer Hund“. Nach damaliger Vorstellung begann damit die heißeste Zeit des Jahres.

Tatsächlich liegt die statistisch wärmste Phase des Jahres in Mitteleuropa häufig genau in diesem Zeitraum. Dennoch zeigen Wetteraufzeichnungen, dass die eigentliche Kernphase der Hundstage – etwa zwischen dem 28. Juli und 7. August – oft wechselhaft verläuft. Ursache dafür sind unbeständige Südwestwetterlagen. Die Bauernregel besitzt daher nur begrenzte Aussagekraft.

Altweibersommer (Mitte September bis Anfang Oktober)

„Ziehen die wilden Gänse weg, fällt der Altweibersommer in Dreck.“

Der Altweibersommer bezeichnet eine stabile Hochdruckwetterlage im Frühherbst. Typisch sind sonnige, trockene und vergleichsweise warme Tage zwischen Mitte September und Anfang Oktober. Häufig strömt dabei warme Luft aus Südosteuropa nach Mitteleuropa.

Der Begriff hat übrigens nichts mit „alten Frauen“ zu tun. Wahrscheinlich leitet er sich von den feinen Spinnweben ab, die in dieser Jahreszeit durch die Luft treiben und früher als „weiben“ – also weben – bezeichnet wurden.

Martinssommer (Anfang November)

„Bringt Allerheiligen den Winter, so bringt Martini einen Sommer.“

Der November gilt normalerweise als kühl, feucht und neblig. Dennoch kommt es Ende der ersten Novemberdekade immer wieder zu ungewöhnlich milden Wetterlagen. Dieses Phänomen wird als Martinssommer oder Martini-Sommer bezeichnet.

Verantwortlich ist meist ein Hochdruckgebiet über Mittel- und Osteuropa, das trockene und warme Luft aus südlichen Regionen nach Norden lenkt. Der Martinssommer bringt dadurch oft die letzten milden Tage vor dem Wintereinbruch. In Süddeutschland und der Schweiz konnte dieses Wetter früher sogar eine späte Weinlese im November ermöglichen.

Zu den bekannten Wetter-Singularitäten zählen neben dem Martinssommer unter anderem auch die Eisheiligen, die Schafskälte, die Hundstage, der Altweibersommer sowie das Weihnachtstauwetter. Viele dieser Phänomene beruhen tatsächlich auf wiederkehrenden Großwetterlagen – auch wenn Bauernregeln ihre Aussagekraft oft vereinfachen oder übertreiben.

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