Wetterphänomen: Kann es zu kalt zum Schneien sein? | Weather.com
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Kann es zu kalt zum Schneien sein?

Viele Menschen sind überzeugt: Wenn es eisig kalt ist, schneit es nicht. Meteorologisch stimmt dieser Satz so nicht. Dennoch steckt ein wahrer Kern dahinter.

Illustration einer winterlichen Landschaft: Eine Person in roter Jacke und grüner Mütze bewegt sich durch tiefen Schnee, hinter ihr ein geschwungener, freigeräumter Pfad. Im Hintergrund stehen Straßenlaternen, ein Haus und ein klarer blauer Himmel. GettyImages
Gibt es eine Temperatur, ab der es nicht mehr schneit? Wir nehmen den Wettermythos unter die Lupe.
(GettyImages)

Aus physikalischer Sicht gibt es keine feste Temperaturgrenze, unterhalb derer Schnee grundsätzlich nicht mehr entstehen kann. Entscheidend ist nicht die Kälte allein, sondern ob ausreichend Feuchtigkeit in der Luft vorhanden ist.

Schnee entsteht, wenn:

  • Wasser in der Atmosphäre zu Eis kristallisiert,
  • die Luft hinreichend feucht ist,
  • und Aufwärtsbewegungen der Luft (etwa durch Tiefdruckgebiete oder Fronten) die Wolkenbildung antreiben.

Solange diese Bedingungen erfüllt sind, kann es selbst bei sehr tiefen Temperaturen schneien.

Extrem kalte Luft ist meist extrem trocken

Der Eindruck, dass es „zu kalt zum Schneien ist“, entsteht durch bestimmte Wetterlagen:

  • Kalte Luft kann deutlich weniger Wasserdampf aufnehmen als warme.
  • Besonders in stabilen Kaltluftlagen – etwa bei Hochdruckwetter im Winter – ist die Luft oft sehr trocken.
  • Fehlt die Feuchtigkeit, können sich keine nennenswerten Wolken bilden, und es fällt kaum oder kein Niederschlag.
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In Regionen wie in der Antarktis ist es zwar extrem kalt, gleichzeitig aber auch sehr trocken. Meteorologisch gelten Teile dieser Gebiete als eine Art Kältewüste: Es ist dort oft bitterkalt – und trotzdem bildet sich in der Region im Jahresmittel etwas Schnee. Das sind meist nicht die typischen, großen Schneeflocken, sondern sehr kleine Eiskörnchen, eher wie feine Eisnebelpartikel, die viele Menschen nicht einmal als Schnee bezeichnen würden.

Grund dafür ist, dass die Luft bei der dort herrschenden bitteren Kälte kaum Feuchtigkeit enthält – und ohne Feuchtigkeit kann auch kaum nennenswerter Schneefall entstehen.

Wann es am meisten schneit

Die stärksten Schneefälle treten meist nicht bei extremen Minusgraden auf, sondern bei moderater Kälte.

Typisch ist:

  • In Bodennähe liegen die Temperaturen oft zwischen rund 0 und –5 Grad Celsius, wenn es kräftig schneit.
  • In der Höhe gibt es einen Bereich, in dem sich die komplexen sternförmigen Schneekristalle (Dendriten) besonders gut bilden. Meteorologen sprechen von einer „dendritischen Wachstumszone"“. Diese liegt grob in der Region zwischen etwa –12 und –19 Grad Celsius in den Wolkenschichten.
  • Wärmere Luftmassen können mehr Feuchtigkeit speichern. Trifft eine solche feuchte Luft auf kältere Bereiche, sind kräftige Schneefälle möglich.
  • Extrem niedrige Temperaturen am Boden gehen dagegen häufig mit trockener Luft einher – damit sinkt die Wahrscheinlichkeit für Schneefälle.

Im Prinzip gilt: Solange Wasser in der Luft vorhanden ist und die Bedingungen für Kristallisation gegeben sind, kann Schnee entstehen – unabhängig davon, wie kalt es ist. In der Realität hängen Schneefall und Schneemenge stark davon ab, wie viel Feuchtigkeit eine Luftmasse enthält und welche großräumigen Wetterlagen vorherrschen. Bei sehr trockener, polarer Kaltluft ist kräftiger Schneefall selten. Und je kälter die Luft, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich Schnee bildet, da die Luft zu trocken wird, damit sich Schneekristalle bilden.

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