Sommer- oder Wintersturm: Was ist gefährlicher? | Weather.com
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Sommer- vs. Winterstürme – so unterschiedlich und gefährlich sind sie

Winterstürme treffen oft ganze Regionen. Sommerstürme sind dafür lokal besonders heftig. Doch was ist gefährlicher?

Ein Zug fährt an einer Küstenlinie entlang, während eine große Welle gegen die Uferbefestigung schlägt und Wasser hoch in die Luft spritzt. Das Bild wurde am 27. Januar 2026 in Dawlish in Devon aufgenommen. Sturm Ingrid wütete in England besonders schwer.
Während Deutschland in der Sturmsaison 2025/26 noch glimpflich davon kam, erlebten die Iberische Halbinsel, Frankreich, Italien und Großbritannien verheerende Stürme. Im Bild zu sehen sind riesige Wellen, die auf englische Kleinstadt Dawlish treffen. Dort wütete Sturm Ingrid Ende Januar 2026. Es gab verheerende Schäden.
(GettyImages)

Die Sturmsaison im Herbst und Winter 2025/26 ist in Deutschland vergleichsweise harmlos verlaufen. „Wir hatten keine überregionale, flächendeckende Sturmlage mit Ausgabe der höchsten Warnstufe zu verzeichnen“, sagt Robert Hausen vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Doch Stürme beeinflussen auch das Wetter in Deutschland.

Das Sturmtief Josua sorgte beispielsweise Ende Oktober an der Nordsee für orkanartige Böen zwischen 100 und 117 km/h ausgelöst.

Starke Stürme im Westen und Süden Europas

Im weiteren Verlauf blieb es ruhig in Deutschland. Selbst im Dezember hätten sich die Stürme meist über den Britischen Inseln ausgetobt, so der Meteorologe. Der Januar und Februar seien dann von einem beständigen Hoch über Skandinavien geprägt gewesen.

Dessen Ausläufer hätten zeitweise bis in den Norden und Osten Deutschlands gereicht und die Zugbahn der Sturmtiefs blockiert. „Sie mussten daher weit südlich über die Iberische Halbinsel und Südfrankreich bis nach Italien ausweichen.“ Dort sei es neben heftigen Regenfällen und lokalen Überschwemmungen zu einer überdurchschnittlichen Sturmsaison mit teils erheblichen Schäden gekommen.

Wie entstehen Winterstürme?

Die kräftigsten Winterstürme entstehen laut Hausen „bei möglichst direktem Aufeinandertreffen thermisch gegensätzlicher Luftmassen“. Gemeint ist das Zusammentreffen von tropischen Luftmassen und Polarluft.

In der Forschung wird dies als barokliner Prozess bezeichnet – ein solcher liefert die zentrale Energie für Winterstürme, indem Temperaturgegensätze in Bewegungsenergie umgewandelt werden.

Gleichzeitig müsse die Windverteilung in höheren Luftschichten günstig sein. „Dabei muss die Windgeschwindigkeit stark mit der Höhe zunehmen und in großen Höhen stark auseinanderströmen“, erklärt Robert Hausen. Das führe dazu, dass Luft in der Höhe auseinandergezogen werde. „Das hat eine Art Absaugen und damit Druckfall am Boden zur Folge.“

Wieso ist Feuchtigkeit für Stürme so wichtig?

Zusätzlich spielt Feuchtigkeit eine wichtige Rolle. In der Forschung ist hier von diabatischen Prozessen die Rede: Dabei steigt feuchte Luft auf, Wasserdampf kondensiert und setzt latente Wärme frei, die die Intensivierung des Sturms verstärkt.

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Laut einer aktuellen Analyse des Forschungsprojekt ClimXtreme von 247 Winterstürmen in Europa zwischen 1997 und 2023 trägt die diabatische Erwärmung im Durchschnitt um etwa 25 Prozent zur Sturmintensivierung bei, in einigen Fällen waren es demnach sogar über 70 Prozent. Die Folge sind stärkere Böen sowie intensivere Niederschläge.

Eine zentrale Rolle spielt der Analyse zufolge auch der sogenannte „Warm Conveyor Belt“ – ein aufsteigender Strom warmer, feuchter Luft, der diese Prozesse zusätzlich antreibt.

Wie unterscheiden sich Sommer- und Winterstürme?

Anders als Winterstürme entwickeln sich Sommerstürme „meist aus zusammenwachsenden Gewitterkomplexen heraus und generieren im Laufe der Zeit eine gewisse Eigendynamik“, so Robert Hausen.

Diese Systeme orientierten sich an der wärmsten, noch unverbrauchten Luft. Gleichzeitig bildeten sie im Zusammenspiel mit kalten Fallwinden im stärksten Niederschlagsbereich eigene Fronten aus, die zur Selbsterhaltung beitragen. Schwere Stürme treten zudem im Sommer deutlich seltener auf und „sie sind zumeist auch kleinräumiger“, sagt Hausen.

Als Hauptgrund nennt er schwächere Temperaturgegensätze. „Schnee schmilzt, die Eiskante verlagert sich polwärts“, so der Experte. Dadurch fehlten die starken Kontraste, die Winterstürme antreiben.

Welche Stürme sind gefährlicher?

Sommerstürme seien häufig mit Gewittern verbunden. „Neben Böen sind daher auch großer Hagel und kräftiger Regen mit Überschwemmungen möglich“, erklärt Hausen Die Schäden beschränkten sich jedoch meist auf kleinere Gebiete oder Schneisen von nur wenigen Kilometern.

Winterstürme hingegen seien „primär durch reine Sturmschäden gekennzeichnet“, etwa umgeknickte Strommasten, Bäume oder abgedeckte Dächer. Diese träten dafür häufig großräumig und nicht selten länderübergreifend auf.

Eines aber haben alle Stürme gemein: „Sowohl Sommer- als auch Winterstürme können verheerende Auswirkungen haben und sehr schadensträchtig sein“, betont Hausen.

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