Wetterphänomen aus den Tropen hält die Hitze ab | Weather.com
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Schafskälte bleibt! Wetterphänomen aus den Tropen hält die Hitze ab

Schafskälte statt Hitzewelle: Eine starke MJO, Kelvin-Welle und El Niño halten den Jetstream aktiv. Warum Mitteleuropa weiter auf Sommerhitze warten muss.

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Die Wettermodelle haben ihre Prognosen deutlich verändert: Statt einer baldigen Hitzewelle bleibt es in Mitteleuropa zunächst weiter kühl und wechselhaft. Verantwortlich dafür ist ein ungewöhnlich starkes Zusammenspiel tropischer Wetterphänomene, das dem Jetstream zusätzlichen Schub gibt und die Schafskälte verlängert.

Die Wetterlage über Mitteleuropa hat sich in den Modellen markant verschoben. Noch vor kurzem deutete vieles auf einen zügigen Übergang in sommerlich heiße Luftmassen hin. Inzwischen zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Der Jetstream bleibt vorerst kräftig, Westwinde dominieren weiter, und die erwartete Wärme rückt zunächst in die Ferne. Damit setzt sich die kühle und teils nasse Witterung zu Beginn des Juni fort.

Starke MJO in den Tropen wirkt bis nach Europa

Im Zentrum der Entwicklung steht eine außergewöhnlich starke Madden-Julian-Oszillation, kurz MJO. Dabei handelt es sich um ein großräumiges tropisches Wettersignal, das rund um den Globus wandert und die atmosphärische Zirkulation weit über die Tropen hinaus beeinflussen kann. Aktuell fällt dieses Signal besonders stark aus. Der entsprechende Index liegt bei etwa 3 und damit deutlich über dem Bereich, ab dem Meteorologen bereits von einer ausgeprägten MJO sprechen. Bereits am einem Index von 1,5 spricht man von einer ausgeprägten MJO.

Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich nicht nur in den Tropen, sondern auch bei uns. Die stabile Sommerhitze wird vorerst blockiert, während Mitteleuropa unter dem Einfluss einer aktiven Westströmung bleibt. Genau diese Konstellation ist typisch für eine verlängerte Phase der Schafskälte: kühlere Luft, häufigere Wolkenfelder, zeitweise Regen und insgesamt gedämpfte Frühsommerwerte.

Warum die Modelle plötzlich umschwenken

Bemerkenswert ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der die Wettermodelle ihre Einschätzung geändert haben. Noch kurz zuvor war in manchen Berechnungen eine frühe Hitzewelle angelegt. Dann kam die Korrektur: Der Wärmeschub verschob sich um rund eine Woche nach hinten. Solche Änderungen sind kein Zufall, sondern Ausdruck dafür, wie empfindlich die großräumige Zirkulation auf tropische Signale reagieren kann.

Numerische Wettermodelle erfassen diese Prozesse häufig erst mit Verzögerung. Das liegt unter anderem daran, dass die auslösenden Mechanismen weit entfernt in den Tropen stattfinden und sich ihre Auswirkungen erst nach und nach auf den Nordatlantik und Europa übertragen. Auch die Auflösung der Modelle spielt eine Rolle: Feinstrukturen und Wechselwirkungen in der Atmosphäre werden nicht immer sofort vollständig erfasst.

Drei Faktoren verlängern die Schafskälte

Dass sich die kühlere Wetterphase so hartnäckig hält, hängt nach aktuellem Stand mit dem Zusammenspiel mehrerer Prozesse zusammen. Besonders wichtig sind dabei MJO, Kelvin-Welle und El Niño.

  1. MJO: Die Madden-Julian-Oszillation verlagert Gebiete mit verstärkter Gewitteraktivität und aufsteigender Luft durch die Tropen. Je nachdem, in welcher Phase sie sich befindet, kann sie auch die Strömungsverhältnisse über dem Atlantik und Europa beeinflussen. Entscheidend ist diesmal vor allem ihre Position: Das Signal hat sich in jene Phasen bewegt, die eine Verstärkung der westlichen Höhenströmung begünstigen.
  2. Zusätzlich spielt eine Kelvin-Welle eine Rolle. Solche Wellen breiten sich in den Tropen schneller aus als die MJO. Trifft beides zusammen, können sich die Signale überlagern. In der Meteorologie bedeutet das: Die Ausschläge werden größer, die Wirkung nimmt zu. Genau diese Überlagerung scheint derzeit stattzufinden und verstärkt den Einfluss auf die großräumige Zirkulation.
  3. Hinzu kommt El Niño. Die steigenden Wassertemperaturen im tropischen Pazifik fördern die Konvektion, also kräftige Schauer- und Gewitterprozesse. Dadurch kann auch die MJO zusätzlich angefacht werden. Das Ergebnis ist ein noch markanteres tropisches Signal, das bis in den Nordatlantik hineinwirkt.

Was das für den Jetstream bedeutet

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Das Zusammenwirken dieser Faktoren sorgt dafür, dass der Jetstream kräftig bleibt. Gemeint ist das Starkwindband in großer Höhe, das die Wetterentwicklung auf der Nordhalbkugel wesentlich steuert. Wird dieser Jet verstärkt, stellt sich über dem Atlantik und Europa eher eine straffe Westströmung ein. Für Mitteleuropa heißt das: Statt stabiler Hochdrucklagen mit anhaltender Hitze gelangen zunächst weiter eher gemäßigte und feuchtere Luftmassen in die Region.

Genau deshalb bleibt die Frühsommerwärme zunächst ausgebremst. Die Schafskälte verlängert sich, und ein nachhaltiger Hitzeschub lässt auf sich warten. Vor allem zu Beginn des Monats spricht damit vieles für eine eher unbeständige, teils regnerische und insgesamt gedämpfte Witterungsphase.

Warum sich die Wetterlage später wieder ändern kann

Ganz festgefahren ist die Entwicklung allerdings nicht. Die Prognosen deuten darauf hin, dass die Kelvin-Welle die MJO in den kommenden Tagen überholen könnte. Kommt es zu dieser Entkopplung, verliert das tropische Signal an Kraft. Die MJO wird dann abgeschwächt, und ihr Einfluss auf den Jetstream lässt nach.

Mit einer gewissen Verzögerung könnte sich das auch über Europa bemerkbar machen. Dann würden die Bedingungen für Hochdruckeinfluss wieder günstiger. In der Folge könnte die Temperatur deutlich anziehen, und auch sommerliche bis heiße Phasen würden wieder wahrscheinlicher.

Mögliche Blaupause für den Sommer

Gerade mit Blick auf die kommenden Wochen ist diese Konstellation besonders interessant. In einem El-Niño-Sommer können bestimmte MJO-Phasen häufiger auftreten. Dazu zählen vor allem jene Phasen, die den Jetstream zeitweise anschieben und die Westdrift beleben. Das könnte bedeuten, dass sich ähnliche Muster im Verlauf des Sommers wiederholen.

Für das Wetter in Mitteleuropa hätte das zwei mögliche Folgen: Zum einen könnten heiße Phasen immer wieder unterbrochen werden. Zum anderen steigt mit solchen Übergangslagen oft auch das Gewitterpotenzial. Denn wenn sich zwischen vorübergehender Abkühlung und erneuter Erwärmung starke Kontraste aufbauen, sind dynamische Wetterlagen häufig nicht weit.

Allerdings muss nicht jede dieser Lagen gleich lange anhalten. Die aktuelle Ausprägung wirkt auch deshalb so markant, weil mehrere Prozesse gleichzeitig ineinandergreifen. Ohne die zusätzliche Verstärkung durch eine Kelvin-Welle wären kühlere Abschnitte im Sommer womöglich deutlich kürzer und würden schneller wieder von Wärme oder Hitze abgelöst.

Fazit
Die jüngste Umstellung der Wettermodelle ist kein Zufall, sondern lässt sich meteorologisch gut einordnen. Eine ungewöhnlich starke MJO, die Überlagerung mit einer Kelvin-Welle und der Einfluss von El Niño sorgen gemeinsam dafür, dass der Jetstream kräftig bleibt und Mitteleuropa vorerst von großer Hitze abschirmt. Die Schafskälte dauert damit länger als zunächst erwartet.

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