Wetterprognose Herbst 2026: Warum der September entscheidend ist | Weather.com
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Polarwirbel, Jetstream, El Niño – im September beginnt Europas Wetterpoker

Blockade-Hochs, Nordatlantik-Temperaturen und Klimamuster rücken jetzt in den Fokus. Der September liefert erste starke Signale für das Wetter der nächsten Monate.

A detailed 3D rendering of planet Earth highlights the European continent and the North Atlantic Ocean. Image map textures source: www.solarsystemscope.com
Der September ist für Meteorologen spannend, weil die Atmosphäre sich umstellt.
(GettyIamges)

Der September gilt als klassischer Übergangsmonat. Während vielerorts noch spätsommerliche Temperaturen möglich sind, stellen sich gleichzeitig oft schon die ersten milden Herbsttage ein. Die Natur verändert sich sichtbar, die Tage werden kürzer – und auch in der Atmosphäre beginnt eine wichtige Umstellung. Für Meteorologen ist diese Zeit deshalb besonders interessant: Viele Prozesse, die das Wetter im Herbst und Winter prägen, werden bereits jetzt angestoßen.

Zwischen Sommer und Herbst: Ein Monat des Wandels

Der September markiert den Übergang zwischen sommerlicher und winterlicher Großwetterzirkulation. Dabei liefern verschiedene atmosphärische und ozeanische Faktoren erste Hinweise darauf, wie sich das Wetter in Europa in den kommenden Monaten entwickeln könnte. Entsprechend richten Wetterforscher ihren Blick auf mehrere wichtige Einflussgrößen.

Der Polarwirbel baut sich wieder auf

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Eine zentrale Rolle spielt der Polarwirbel – ein großräumiges Windsystem in der Stratosphäre, einer Atmosphärenschicht in etwa 10 bis 50 Kilometern Höhe. Im Sommer ist dieser Wirbel vergleichsweise schwach ausgeprägt, mit dem Ende der warmen Jahreszeit beginnt er sich jedoch wieder zu verstärken.

Wie sich der Polarwirbel im Herbst entwickelt, kann entscheidend dafür sein, wie sich das Winterwetter auf der Nordhalbkugel gestaltet. Ein besonders starker oder schwacher Polarwirbel beeinflusst die Verteilung von Kaltluft und kann damit auch Europa betreffen. Deshalb beobachten Meteorologen bereits im September genau, wie sich dieses Windsystem entwickelt.

El Niño wirkt bis in höhere Luftschichten

Ebenfalls von großer Bedeutung ist das Klimaphänomen El Niño – eine ungewöhnliche Erwärmung der Meeresoberfläche im tropischen Pazifik. Obwohl dieses Ereignis Tausende Kilometer von Europa entfernt entsteht, kann es das Wettergeschehen weltweit beeinflussen. Für dieses Jahr wird ein besonders starker El Niño prognostiziert: ein sogenannter Super-El-Niño.

El Niño kann den Polarwirbel abschwächen und zu einer Erwärmung der Stratosphäre beitragen. Solche Veränderungen wirken oft über Wochen oder sogar Monate nach und beeinflussen die Wetterentwicklung auf der gesamten Nordhalbkugel – besonders im Winter deutlich stärker als in den Sommermonaten.

Der Jetstream steuert Europas Wetter

Infografik mit Weltkugel, geschwungenen Linien für Polarjet und Subtropischen Jet sowie Symbolen für Höhenhoch und Höhentief.
Der Jetstream beeinflusst unser Wetter maßgeblich, indem er die Zugbahnen von Hoch- und Tiefdruckgebieten lenkt.
(TWC)

Ein weiterer Schlüsselspieler ist der Nordatlantik-Jetstream. Im September stellt er sich von einer Sommer- auf eine Winterzirkulation um. Als schmales Band sehr starker Winde in großer Höhe verläuft er von West nach Ost über den Nordatlantik, lenkt Tiefdruckgebiete und beeinflusst damit maßgeblich Temperatur, Niederschlag und Wetterextreme in Europa.

Verändert der Jetstream seine Lage oder zeigt ungewöhnliche Muster, können sich die Wetterbedingungen deutlich verschieben – langanhaltende Trockenperioden, Starkregen oder Hitzewellen können die Folge sein. Besonders aufmerksam verfolgen Wissenschaftler sogenannte Doppel-Jet-Konfigurationen, bei denen sich der Jetstream in zwei getrennte Windbänder aufspaltet. Solche Situationen fördern häufig stabile Hochdrucklagen, die über längere Zeit für trockenes und sehr warmes Wetter sorgen können.

Die Rolle der Nordatlantik-Temperaturen

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Auch die Temperaturen an der Meeresoberfläche des Nordatlantiks – die sogenannten Sea Surface Temperatures (SST) – sind ein wichtiger Baustein für langfristige Wetterprognosen. Besonders interessant sind dabei Abweichungen vom langjährigen Durchschnitt: Sie können über viele Monate bestehen bleiben und damit langfristig auf die Atmosphäre einwirken. Sie beeinflussen unter anderem den Verlauf des Jetstreams sowie die Entstehung sogenannter Blockierungsmuster – und können die Wetterentwicklung in Europa bis weit in den Herbst und Winter hinein mitbestimmen.

Blockade-Hochs bringen oft Altweibersommer

Der September ist zudem bekannt für stabile Hochdrucklagen, die häufig für sonniges und trockenes Wetter sorgen. Diese sogenannten Blockade-Hochs blockieren regelrecht die normalerweise von Westen heranziehenden Tiefdruckgebiete.

Solche Hochdruckgebiete können über Tage oder sogar Wochen bestehen bleiben und sind oft für den Altweibersommer verantwortlich – eine Phase mit ruhigem, warmem und sonnigem Herbstwetter. Für Meteorologen sind diese Blockierungen wichtige Hinweise auf die großräumige atmosphärische Zirkulation und deren mögliche Entwicklung in den kommenden Monaten.

Die Nordatlantische Oszillation gewinnt an Bedeutung

Der NAO-Index drückt das Zusammenspiel zwischen dem Islandtief und dem Azorenhoch aus: Er beschreibt die Schwankungen des Druckverhältnisses.
Die Nordatlantische Oszillation beschreibt eine wiederkehrende Schwankung des Luftdrucks über dem Nordatlantik, die das Wetter in Europa massiv beeinflusst.
(TWC)

Eine der wichtigsten Klimaschwankungen für Europa ist die Nordatlantische Oszillation, kurz NAO. Sie beschreibt die Druckunterschiede zwischen dem Azorenhoch im subtropischen Atlantik und dem Islandtief im Nordatlantik.

Im Sommer tritt häufig eine abgeschwächte Variante auf, die sommerliche NAO (sNAO). Eine positive sNAO geht meist mit warmem, sonnigem Wetter in Nordwesteuropa einher, eine negative eher mit kühleren, wechselhafteren Bedingungen. Im September lässt der Einfluss der Sommer-NAO nach, während die winterliche Form zunehmend an Bedeutung gewinnt. Da die NAO als wichtigster Treiber natürlicher Klimaschwankungen im europäischen Winter gilt, verfolgen Meteorologen ihre Entwicklung besonders aufmerksam.

Die Arktische Oszillation als weiterer Einflussfaktor

Eng mit der NAO verwandt ist die Arktische Oszillation (AO). Auch sie beschreibt Schwankungen im Luftdrucksystem der Nordhalbkugel und beeinflusst die Verteilung kalter Luftmassen rund um die Arktis. Im Übergangsmonat September gewinnt sie an Bedeutung, ihr Einfluss auf das europäische Wetter ist jedoch meist geringer als der der NAO. Die stärksten Auswirkungen zeigt die AO während der Wintermonate – außerhalb dieser Zeit sind die Zusammenhänge deutlich schwächer und schwieriger nachzuweisen.

Mehrere Wettermuster ergeben das Gesamtbild

Neben NAO und AO berücksichtigen Meteorologen weitere großräumige Wettermuster, etwa das East Atlantic Pattern für Wetterlagen über dem Atlantik oder das Scandinavian Pattern für Druckanomalien über Skandinavien. Für saisonale Vorhersagen reicht es jedoch selten aus, nur einen einzelnen Faktor zu betrachten – erst die Kombination verschiedener Klimamuster, Ozeanbedingungen und atmosphärischer Prozesse ermöglicht ein umfassenderes Bild der möglichen Wetterentwicklung.

Frühe Signale für Herbst und Winter

Der September ist damit weit mehr als nur ein Übergangsmonat zwischen Sommer und Herbst. In der Atmosphäre laufen wichtige Umstellungen ab, die bereits erste Hinweise auf die kommenden Jahreszeiten liefern können. Vom Wiederaufbau des Polarwirbels über den Einfluss von El Niño bis hin zu Jetstream, Nordatlantik-Temperaturen und großräumigen Klimamustern beobachten Meteorologen eine Vielzahl von Faktoren. Ihre Entwicklung entscheidet mit darüber, ob Europa einen milden, stürmischen oder kalten Herbst und Winter erleben könnte.

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