Klimawandel: Sommer 2024 zeigt uns, was wir in Zukunft erwarten können | Weather.com
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Klimawandel: Sommer 2024 zeigt uns, was wir in Zukunft erwarten können

Zwischen diesen beiden Bildern liegen kaum drei Wochen: Links im Bild zu sehen ist das ausgetrocknete Elbufer unterhalb der Augustusbrücke in Dresden (29.08.2024). Rechts sind Dampfschiffe in Dresden zu sehen, die vom Elbhochwasser umspült sind (19.09.2024). Foto: dpa
Zwischen diesen beiden Bildern von Dresden liegen knapp drei Wochen: Links im Bild zu sehen ist das ausgetrocknete Elbufer unterhalb der Augustusbrücke (29.08.2024). Rechts sind Dampfschiffe zu sehen, die vom Elbhochwasser umspült sind (19.09.2024).
(dpa)

Während es vielerorts in Deutschland bis zur letzten Septemberwoche noch teils sommerliche Temperaturen herrschten und der kalendarische Herbst gerade hinter uns liegt, ist der Sommer aus meteorologischer Sicht bereits seit Ende August beendet. Andreas Walter vom Deutschen Wetterdienst (DWD) bilanziert: „Der Sommer 2024 in Deutschland war insgesamt gesehen deutlich zu warm und endete mit ungewöhnlich hohen Temperaturen im August“.

Überrascht ist er von dieser Bilanz dennoch nicht: „Wir gehen davon aus, dass wir in Zukunft eine stetige Zunahme der Temperaturen verzeichnen werden.“ Zwar werde dieser Trend überlagert von dem Effekt der natürlichen Klimavariabilität, was bedeutet, dass es auch mal deutlich kühlere Sommer geben könne. „Es ist aber ein Fakt, dass die Mitteltemperaturen zunehmen“, sagt der Klimaexperte.

Infobox: Worüber reden wir eigentlich? Die wichtigsten Klimabegriffe:
    Wetter beschreibt aktuelle Ereignisse wie etwa Sonnenschein, Regen oder Temperatur.
    Klima erfasst das durchschnittliche Wetter über einen langen, mindestens 30-jährigen, Zeitraum.
    Sommer umfasst aus meteorologischer Sicht die Monate Juni, Juli und August, kalendarisch begann er dieses Jahr am 20. Juni und endet am 22. September.
    Mitteltemperatur bezeichnet den über einen bestimmten Zeitraum gemessenen Durchschnittswert.
    Heiße Tage erreichen Maximumtemperaturen von mindestens 30 Grad Celsius.
    Hitzewellen haben in der Klimaforschung eine sehr enge Definition und sind eine komplizierte statistische Größe. Aktuell liegen noch keine Daten zu der Menge oder Zunahme der Hitzewellen im Sommer 2024 vor.

Ungewöhnlich warm und sonnig

Dresden war im Sommer 2024 einer der Hotspots“, sagt Walter vom DWD. Zwar war die Stadt nicht die heißeste, sie verzeichnete aber in drei Monaten 26 heiße Tage und liegt 3,3 Grad Celsius oberhalb des Temperaturdurchschnitts der international gültigen Referenzperiode (1961-1990). „Dresden hatte damit die größte Abweichung vom Mittel.“

  • Das bundesweite Temperaturmittel (18,5° C) lag im Sommer 2024 um 2,2 Grad über der Referenzperiode.
  • Das kleine Örtchen Waghäusel-Kirrlach in Baden-Württemberg war insgesamt der wärmste Ort in Deutschland. Seine Mitteltemperatur lag um 2,4 Grad höher als in der Referenzperiode.
  • Die höchste Temperatur wurde diesen Sommer in Bad Neuahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz mit 36,5 Grad gemessen.
  • Der Sommer 2024 war mit 712 Sonnenstunden ein besonders sonnenreiches Jahr und verzeichnete ein Plus von rund 100 Sonnenstunden (+15 %).

Durchschnittliche Niederschlagsmengen – nur die halbe Wahrheit

„Was die Niederschlagsmenge angeht, war der Sommer 2024 in Deutschland statistisch gesehen ganz wie erwartet“, sagt der Wetterexperte. Das täusche allerdings über regional große Unterschiede hinweg: „Bayern war insgesamt das nasseste Bundesland.“ Aber selbst innerhalb des Bundeslandes fielen extreme regionale Unterschiede auf. Gebietsweise fielen 600 Liter pro Quadratmeter (l/m²), in anderen bayerischen Regionen nur 150 l/m².

Ein weiteres Extrem versteckt sich hinter den Durchschnittswerten: „Seit Jahrzehnten beobachten wir längere Phasen ohne Niederschlag, die dann von Starkregenereignissen unterbrochen werden“, erklärt der Klimatologe. Da habe es mancherorts an einem Tag so viel geregnet wie in anderen Regionen über Monate hinweg. „Feiner Landregen, den wir von früher kennen und bei dem es tagelang nieselt, wird immer seltener.“

Unwetter und Starkregen kommen häufiger vor

„Durch den Klimawandel kommt es verstärkt zu Unwettern mit wolkenbruchartigen Niederschlägen“, sagt Walter vom DWD. Zwei Faktoren seien dabei entscheidend:

  1. Durch die Erwärmung der Meere verdunstet mehr Wasser, das als Feuchtigkeit in die Atmosphäre gelangt.
  2. Die durch den globalen Temperaturanstieg wärmer gewordene Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen.
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Die Kombination aus beidem erhöhe das Risiko von starken Unwettern. „Vor allem in sogenannten Staulagen in den Alpen und Mittelgebirgen haben wir in diesem Sommer eine verstärkte Gewitteraktivität gesehen“.

Der Klimawandel begünstigt Extremwetter

„Mit der Zunahme der Mitteltemperatur werden wir in Zukunft leider auch mehr Extreme erleben, weil das Wettergeschehen insgesamt variabler ist“, so Walter. Hitzerekorde sowie der Wechsel von Trockenperioden und Starkregenereignissen sind dem Experten zufolge auch in kommenden Sommern zu erwarten. Genau wie all die Probleme, die daraus entspringen: Überschwemmungen, Waldbrände, schlechte Ernten und kranke Wälder.

„Man darf nicht müde werden, auf den Klimawandel hinzuweisen und Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen“, mahnt er. Schritt für Schritt passiere zwar etwas, das Tempo könne man nach Meinung des Klimatologen aber noch deutlich anziehen.

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