Rekord in der Atmosphäre: Steigt das Risiko für Extremregen? | Weather.com
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Rekord in der Atmosphäre: Mehr Wasserdampf, mehr Extremregen-Risiko

Noch nie enthielt die Atmosphäre im August so viel Wasserdampf wie 2026. Was Klimawandel und El Niño damit zu tun haben – und ob uns dadurch mehr Extremniederschläge drohen.

Farbcodierte Weltkarte mit Kontinenten und unterschiedlichen Farbbereichen. Lila und weiße Bereiche haben die höchste Menge an Wasserdampf in der Atmosphäre
Es befindet sich viel Feuchtigkeit in der Atmosphäre, wie auf der Karte zu sehen ist. Dunkle Bereiche haben den höchsten Wassergehalt in der Luft.
(TWC)

Das Jahr 2026 ist bislang von zahlreichen Wetterextremen und neuen Rekorden geprägt. Nun kommt ein weiterer hinzu: Noch nie war im August die durchschnittliche Wasserdampfmenge in der Atmosphäre so hoch wie seit Beginn der Aufzeichnungen 1979. Doch was steckt hinter dem Rekord – und könnte er dazu führen, dass Starkregen und andere Niederschlagsextreme künftig häufiger oder intensiver werden?

Ein neuer Rekord in der Atmosphäre

Im August 2026 wurde die höchste durchschnittliche Wasserdampfmenge in der Atmosphäre seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen, wie Daten des Copernicus Climate Change Service (C3S) zeigen. Demnach enthielt die Atmosphäre im weltweiten Durchschnitt 27,35 Kilogramm Wasser pro Quadratmeter – gemeint ist die gesamte Wasserdampfmenge, die sich, auf den Boden projiziert, in einer Luftsäule über einem Quadratmeter befindet.

Damit wurde der bisherige Rekord vom Juli 2024 um 0,04 Kilogramm pro Quadratmeter übertroffen. Was nach einem kleinen Unterschied klingt, summiert sich über die gesamte Erdoberfläche auf eine enorme Menge: Weltweit befanden sich dadurch grob 20 Billionen Liter zusätzliches Wasser in Form von Wasserdampf in der Atmosphäre.

Die entscheidende Frage lautet nun: Was bedeutet dieser Rekord für unser Wetter?

Mehr Wasserdampf – mehr Extremniederschläge möglich

Wasserdampf ist ein wichtiger Ausgangsstoff für Niederschlag: Je mehr Feuchtigkeit die Atmosphäre enthält, desto mehr Wasser steht bei geeigneten Wetterlagen für starke Regenfälle zur Verfügung.

Eine wichtige Rolle spielen dabei atmosphärische Flüsse – schmale, langgestreckte Luftströmungen, die große Mengen Wasserdampf über weite Entfernungen transportieren. Befindet sich mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre, können solche Feuchtetransporte besonders viel Wasser in eine Region bringen. Treffen sie dort auf geeignete Wetterbedingungen, kann das Risiko für Starkregen und Überschwemmungen steigen.

Mehr Energie für Gewitter und Wirbelstürme

Auch Gewitter können von einem hohen Feuchtegehalt profitieren, besonders sogenannte mesoskalige konvektive Systeme (MCS) – großräumige Verbände mehrerer starker Gewitterzellen, die sich über mindestens 100 Kilometer erstrecken können und innerhalb kurzer Zeit enorme Regenmengen produzieren, etwa in Form von Sturzfluten.

Ebenso können tropische Wirbelstürme von einer feuchteren Atmosphäre profitieren: Sie entstehen meist über warmem Meerwasser, wo besonders viel Wasser verdunstet. Steht in der Atmosphäre ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung, kann das ihre Entwicklung begünstigen.

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Mehr Wasserdampf bedeutet allerdings nicht automatisch überall mehr Extremniederschläge. Entscheidend sind auch die jeweilige Wetterlagen, die atmosphärische Zirkulation und regionale Faktoren. Der Wasserdampf liefert gewissermaßen das Potenzial – ob daraus tatsächlich ein extremes Niederschlagsereignis entsteht, hängt von den weiteren meteorologischen Bedingungen ab.

Ist der Klimawandel für den Rekord verantwortlich?

Ja, der Klimawandel spiele eine Rolle, aber nicht allein. Ein wärmeres Klima führt dazu, dass die Atmosphäre mehr Wasserdampf aufnehmen kann.

  • Als Faustregel gilt: Pro Grad Celsius Erwärmung kann die Atmosphäre etwa sieben Prozent mehr Wasserdampf enthalten.

Gleichzeitig erwärmen sich die Ozeane – wärmeres Meerwasser verdunstet stärker und bringt damit zusätzliche Feuchtigkeit in die Atmosphäre. Dabei entsteht eine wichtige Rückkopplung: Wasserdampf ist selbst ein sehr wirksames Treibhausgas. Mehr Wasserdampf verstärkt dadurch die Erwärmung, die wiederum eine höhere Wasserdampfmenge ermöglicht.

Der langfristige Anstieg der globalen Temperaturen schafft also grundsätzlich die Voraussetzungen für eine feuchtere Atmosphäre. Der Rekordwert eines einzelnen Monats lässt sich jedoch nicht allein mit dem langfristigen Klimawandel erklären.

Was hat El Niño mit dem Rekord zu tun?

Neben dem Klimawandel spielen auch natürliche Klimaschwankungen eine Rolle – allen voran El Niño, das derzeit ebenfalls die globale Atmosphäre beeinflusst.

El Niño ist ein natürlich auftretendes Klimaphänomen im tropischen Pazifik, das in unregelmäßigen Abständen von etwa zwei bis sieben Jahren auftritt und die Meeresoberflächentemperaturen sowie die atmosphärische Zirkulation über weite Teile des Pazifiks und darüber hinaus verändert.

Während eines El-Niño-Ereignisses erwärmen sich große Bereiche des tropischen Pazifiks. Das kann die Verdunstung verstärken und zusätzliche Feuchtigkeit in die Atmosphäre bringen. Gleichzeitig verändert El Niño die atmosphärische Zirkulation und damit auch, wo auf der Welt besonders viel Feuchtigkeit transportiert wird und Niederschlag fällt.

Potenzial für Extremniederschläge steigt

Für den Wasserdampfrekord im August kommen damit mehrere Faktoren zusammen: die langfristige Erwärmung durch den Klimawandel, die dadurch grundsätzlich feuchtere Atmosphäre – und die zusätzlichen Einflüsse von El Niño.

Der neue Rekord bedeutet deshalb nicht, dass nun zwangsläufig überall mehr Starkregen auftreten wird. Er zeigt aber, dass sich weltweit außergewöhnlich viel Feuchtigkeit in der Atmosphäre befindet – und damit auch ein größeres Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse vorhanden ist.

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