Medardus-Lostag soll Sommerwetter vorhersagen | Weather.com
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Bauernregel: Medardus entscheidet über Sommerwetter und Regen im Juni

Der Medardustag am 8. Juni gilt als wichtiger Lostag im Bauernjahr. Viele Bauernregeln warnen vor langanhaltendem Regen nach diesem Datum.

Die Niederschlagswahrscheinlichkeit bezeichnet eine Statistik, die auf Erfahrungswerten beruht. Foto: GettyImages
Hoffentlich regnet es am 8. Juni, dem Medardustag, nicht, sonst folgen laut alten Bauerregeln lange Regenphasen
(GettyImages)

Eisheilige, Schafskälte, Siebenschläfer — der Frühsommer ist voll von Lostagen, die angeblich das Wetter für Wochen vorausbestimmen. Weniger bekannt, aber nicht weniger eindringlich ist der Medardustag am 8. Juni. „Ist's an Medardus feucht und nass, regnet's weiter ohne Unterlass" — so lautet eine der ältesten Bauernregel-Varianten. Doch was steckt hinter dem Heiligen, dem dieser Tag seinen Namen verdankt? Und wie gut trägt diese Bauernregel einer statistischen Prüfung stand?

Wer war Medardus?

Medardus wurde um circa 456 im nordfranzösischen Salency in der Picardie als Sohn eines fränkischen Adligen geboren. Er wurde zunächst Bischof von Vermand und verlegte den Bischofssitz später nach Noyon. Seiner Überlieferung nach übernahm er um 532 auch das Bistum Tournai, von wo aus er die Flamen missionierte. Er starb am 8. Juni 545 in Noyon — genau an dem Tag, der heute seinen Namen trägt.

Seine hingebungsvolle Liebe zu Armen und Notleidenden und seine Gabe, Wunder zu wirken, ließen ihn schon früh weite Verehrung finden. Der „liebenswürdige Heilige", wie er genannt wurde, soll viel und oft gelacht haben — deshalb ist er auf allen Abbildungen mit lachendem Mund dargestellt. Dass ausgerechnet eine Wetterregel an seinen Namen geknüpft wurde, hat einen konkreten Grund: Der Legende erzählt, wie Medardus bei einer Wanderung über ein Feld von einem Gewitter überrascht wurde und dann ein Adler kam, der ihn mit seinen Schwingen vor dem Nasswerden schützte. Dieser Adler begleitet ihn auf Gemälden und in Kirchenfenstern bis heute — und macht ihn zum Schutzpatron genau jener, die draußen arbeiten: der Bauern, Winzer, Bierbrauer und Schirmemacher.

In Frankreich tragen 70 Gemeinden und Pfarreien seinen Namen. In Tschechien, Ungarn und Frankreich gibt es eine der Siebenschläferregel ähnliche Bauernregel, die das Wetter für 40 Tage vorhersagt.

Welche Bauernregeln gibt es zum Medardustag?

Die Sprüche zum 8. Juni variieren erheblich — sowohl in der Länge des vorhergesagten Zeitraums als auch in der Formulierung. Die bekanntesten lauten:

  • „An St. Medardus wird ausgemacht, ob 40 Tage die Sonne lacht."
  • „Wie St. Medardus wittert, solch Wetter 30 Tage zittert."
  • „Wie's wittert auf Medardustag, so bleibt's sechs Wochen dann danach."
  • „Wie's Wetter auf St. Medardi fällt, es bis zu Mondes Schluss anhält."

Besonders konkret — und für die Landwirtschaft besonders folgenreich — ist die Erntevariante: „Regen am Medardustag verdirbt den ganzen Heuertrag." Wochenlanger Regen im Juni bedeutete faulendes Gras, nasses Heu, verlorene Ernte. Der Medardustag war offensichtlich keine folkloristische Spielerei, sondern diente in der Landwirtschaft als Planungsgrundlage.

Was ist meteorologisch dran?

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Sollte nämlich Regen fallen, fällt tatsächlich auch im restlichen Monat mehr Regen als üblich. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt bei 64 Prozent. Herrscht dagegen zu Medardi trockenes Wetter, ist der restliche Monat allerdings noch völlig offen, wie es Meteorologen statistisch ausgewertet haben.

Die Regel ist also asymmetrisch: Sie trifft öfter zu, wenn sie Regen ankündigt — und sagt wenig aus, wenn sie Sonne verspricht. Das ist kein Zufall. Stabile Tiefdrucklagen im Frühsommer können tatsächlich über Wochen anhalten. Hochdruckgebiete sind zu dieser Jahreszeit beweglicher und kurzlebiger.

Das Prinzip dahinter heißt Großwetterlagen-Erhaltung: Die Atmosphäre besitzt eine gewisse Trägheit. Hat sich ein Zirkulationsmuster erst einmal eingestellt, neigt es dazu, fortzubestehen. Viele Lostag-Regeln beschreiben genau dieses Muster.

Medardus und seine Verbreitung in Europa

Die Medardus-Regel ist kein deutsches Phänomen. In Nachbarländern wie Frankreich, Tschechien und auch in Ungarn gibt es dieselbe Überlieferung. Regen am 8. Juni bedeutet Wochen weiteren Regens. Die Beobachtung war offenbar so universell, dass Bauern in verschiedenen Ländern unabhängig voneinander dieselbe Schlussfolgerung zogen.

Warum ausgerechnet der 8. Juni?

Medardus, Margaret und Veit gelten als gefürchtete Regenleute. Die drei Gedenktage liegen innerhalb einer Woche und markieren eine Phase, in der atlantische Tiefdruckgebiete noch regelmäßig über Mitteleuropa ziehen. Im Frühsommer erwärmt sich der europäische Kontinent schnell, während der Atlantik noch kalt ist. Dies führt zu Temperaturdifferenzen, die Tiefdruckgebiete begünstigen.

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