Glatteis: Wenn das Wetter zur Gefahr wird | Weather.com
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Winterextreme in Deutschland: Wenn das Wetter zur Gefahr wird

Durch den Klimawandel verlagern sich Niederschläge zunehmend in die Wintermonate
Durch den Klimawandel verlagern sich Niederschläge zunehmend in die Wintermonate
(GettyImages)

Als Wetterextrem bezeichnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) „ein Ereignis, das an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Jahreszeit selten, das heißt außergewöhnlich, ist“. Doch auch wenn extreme Wetterereignisse selten sind, so können die Auswirkungen auf Menschen, Natur und Infrastruktur gravierend sein. Welche Extremwettereignisse den Menschen in Deutschland im Winter gefährlich werden können und wie wahrscheinlich sie sind – ein Überblick.

Kältewellen werden seltener, aber sind nicht abwegig

In dem Faktenpapier „Extremwetter in Deutschland“ des Deutschen Wetterdienstes (DWD) heißt es, die globale Erwärmung bewirke eine zunehmende Neigung zu Tagen mit hohen Temperaturen bei gleichzeitiger Abnahme der Neigung zu Tagen mit niedrigen Temperaturen. „Der höchste Temperaturanstieg wird allerdings im Winter beobachtet.“ Ein besonders prägnantes Beispiel für diesen Trend sei der Februar 2024 gewesen, der mit einer Durchschnittstemperatur von 6,6 Grad der wärmste Februar seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war. Die Abweichung zum Wert der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990 betrug 6,2 Grad – in Deutschland habe es bisher keinen Monat mit einer so großen positiven Temperaturabweichung gegeben, heißt es in dem Bericht.

Das bedeute jedoch nicht, dass anhaltende Kälteperioden Deutschland nicht mehr treffen können, sagt Andreas Walter, Sprecher des DWD. „Wenn der Jetstream sich weiter abschwächt, kann es vorkommen, dass kalte Luft von Norden bis in unsere Breiten vordringt und für Kälteeinbrüche auslösen kann.“ Das allerdings sei nur ein kurzzeitiger Effekt, der den großen Trend für eine gewisse Zeit vergessen mache. Er ändere nichts an der konstanten globalen Erwärmung, sagt Walter.

Starkschneefälle sind unwahrscheinlich

Vielen Menschen ist die Schneekatastrophe von 1978/79 entweder noch lebhaft im eigenen Gedächtnis geblieben oder zumindest ein Begriff. Weite Teile Deutschlands waren dabei von der Außenwelt abgeschnitten; die Katastrophe forderte sogar Todesopfer.

Auslöser für die Schneemassen war ein Schneesturm. Laut DWD geht hierbei ein Sturm mit starkem Schneefall innerhalb kurzer Zeit einher. Solche Schneestürme seien häufig mit der Zufuhr von polarer Kaltluft verbunden. Das Gefährliche daran sind dem DWD zufolge die mitunter meterhohen Schneewehen und dass die Sicht bei einem schweren Schneesturm extrem beeinträchtigt sein kann.

Besonders in den USA kämen solche sogenannten Blizzards häufiger vor als etwa hierzulande, sagt Walter. „Die Gefahr einer erneuten Schneekatastrophe, ausgelöst durch einen Wintersturm, ist in Deutschland insgesamt eher gering.“ Auch sonst seien schneereiche Wetterlagen zwar weiterhin möglich, aber aufgrund der immer wärmeren Winter zunehmend seltener, sagt der Wetterexperte.

Winterstürme bleiben eine Gefahr, vor allem für Küstenbewohner

Ein Sturm ist dem DWD zufolge „Wind von großer Heftigkeit“, der erhebliche Schäden und Zerstörungen anrichten kann. Besonders häufig trete ein orkanartiger Sturm aufgrund der geringeren Bodenreibung über dem Meer auf. In der Folge komme es zu Sturmfluten, „wenn die Wassermassen in einem großen Winkel auf die Küstenlinien zugetrieben werden“, heißt es beim DWD. West- bis Nordwestwind begünstige Sturmfluten dabei besonders.

Vielfach schreiben Medien über eine Zunahme von Stürmen im Jahresverlauf. „Diese Entwicklung lässt sich aber anhand von Klimadaten und -modellen bisher nicht eindeutig bestätigen“, beruhigt Klimaforscher Walter.

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Dennoch stellen Winterstürme und Sturmfluten für Menschen und Infrastruktur immer wieder eine Bedrohung dar. Erst zum Jahreswechsel 2024/25 warnte der DWD vor einem sogenannten Doppelsturm mit einhergehender Sturmflut. Doch anders als etwa die Jahrhundertflut von 2023, die vor allem die deutsche Ostseeküste schwer getroffen hatte, sorgten die direkt aufeinanderfolgenden Sturmlagen hauptsächlich für abgesagte Silvesterfeuerwerke und stillstehende Fähren.

Hochwasser entsteht zunehmend durch gesättigte Böden

Hochwasser ist nicht nur im Zusammenhang mit Sturmfluten eine winterliche Gefahr. „Früher sorgte vor allem die Schneeschmelze für Hochwasser, heute sind vorrangig die gesättigten Böden schuld“, erklärt Walter vom DWD. Da sich die Niederschläge klimawandelbedingt in die Wintermonate verlagern, sei die Aufnahmekapazität der Böden in dieser Zeit oft erreicht. Wasser könne nicht mehr abfließen und sorge so für hohe Wasserstände.

Ein weiteres Problem: „Wir sehen, dass vor allem die Häufigkeit der extremsten der Extremniederschläge im Jahresverlauf überproportional zunimmt“, sagt Walter.

Glatteis könnte bis Ende des Jahrhunderts eine seltene Gefahr werden

Niederschlag kann auf eine weitere Weise für winterliches Extremwetter sorgen: Glatteis. Kommt es zu Eisregen, besteht dieser laut DWD entweder aus Eiskörnern, oder es handelt sich um sogenannten unterkühlten Regen, der am Boden sofort zu Eis gefriert.

Eisglätte könne jedoch auch durch Gefrieren von Schmelzwasser oder Wasseransammlungen auf Straßen und Gehwegen entstehen, informiert der DWD. Dies sei besonders tückisch, da für diese Form des Glatteises nicht unmittelbar vorher Niederschlag fallen müsse. Auslöser sei der plötzliche Wechsel von Tau- und Frostwetter.

„Wir rechnen allerdings damit, dass die Anzahl der Frosttage um 25 Tage bis zur Mitte des Jahrhunderts und sogar um 50 Tage bis Ende des Jahrhunderts abnehmen werden“, sagt Walter. Das bedeute, dass die Häufigkeit von Glatteis etwas geringer werde.

Extremwetter verstärkt sich klimawandelbedingt

Fest steht: Die steigenden Wintertemperaturen führen zu weniger Schnee- und Eistagen und ruhiges Winterwetter wird in Deutschland immer seltener. Zugleich nehmen außergewöhnliche, aber folgenschwere Extremwetterereignisse an Intensität zu.

Zwei aktuelle Studien belegen dies: Laut der Forschungsgruppe Climameter gehen die extremen Niederschläge, die im Zusammenhang mit Sturm Boris europaweit Überschwemmungen verursachten, auf den menschengemachten Klimawandel zurück. Auch die World Weather Attribution betont, dass der Klimawandel die Intensität von Extremwetter erhöht und das Einhalten der Klimaziele langfristig Menschenleben retten könnte.

Was das Winterwetter betrifft, bleibt es also ratsam, sich warm anzuziehen.

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