Hurrikane im Atlantik bleiben wegen El Niño aus | Weather.com
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El Niño "enthauptet" die Hurrikane im Atlantik

Bislang hat sich im Atlantik noch kein Hurrikan gebildet – Experten sprechen von einer historisch niedrigen Sturmaktivität. Im östlichen Pazifik hingegen brauen sich deutlich mehr und länger anhaltende Wirbelstürme zusammen.

HANDOUT - 10.10.2024, USA, Tampa: Dieses von Kairat Kassymbekov zur Verfügung gestellte Drohnenbild zeigt Überschwemmungen durch den Hurrikan «Milton». Foto: Uncredited/Kairat Kassymbekov/AP/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung bis zum 24.10.2024 und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
Überflutete Autos in Florida nach Hurrikan Milton im Oktober 2024. In dieser Saison hat sich im Atlantik bislang kein einziger Hurrikan gebildet – Grund ist der starke El Niño, der die Wirbelstürme quasi enthauptet. (Archivbild)
(dpa)

El Niño trocknet Mittelamerika aus, und das ist erst der Anfang. In diesem Jahr rechnen Experten mit einem extrem starken Wetterphänomen mit massiven Auswirkungen. Wo es allerdings rekordverdächtig ruhig bleibt, ist auf dem Atlantik.

Es ist Hurrikan-Saison, doch El Niño erstickt die Stürme, bevor sie richtig in Schwung kommen. Bislang hat sich in diesem Jahr noch kein Atlantik-Hurrikan gebildet. Und auch mindestens für eine weitere Woche ist dem US-Hurrikanzentrum zufolge auch nicht damit zu rechnen, obwohl es normalerweise der Höhepunkt der Sturmzeit wäre. Nur fünf relativ schwache und kurzlebige tropische Stürme gab es demnach bislang in dieser Saison.

Aktivität auf Rekordtief

Am Samstag folgte ein Rekord der ausbleibenden Hurrikane, wie Nick Novella vom US-Wetterdienst erklärt. Es war die längste Zeit – zumindest seit Beginn der entsprechenden Satellitenbeobachtungen - während einer Saison, dass kein Hurrikan verzeichnet wurde, also ein Sturm mit Windgeschwindigkeiten von mindestens 119 Kilometern pro Stunde. Vor den 1950er Jahren gab es zwar einige Jahre, in denen so spät noch keine Hurrikane verzeichnet wurden. Doch die Aufzeichnungen gelten als wenig zuverlässig, da damals die Überwachung der Ozeane lückenhaft war.

Die Hurrikan-Aktivität, in deren Messung Anzahl, Stärke und Dauer einfließen, sei in der Zeit seit 1950 auf einem Rekordtief, sagt Phil Klotzbach von der Colorado State University. Die Sturmaktivität im Atlantik betrage nur sieben Prozent des für diese Jahreszeit üblichen Wertes.

Dreifacher Schlag für die Stürme

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Dennoch rufen die Experten zu Wachsamkeit auf. Schon ein einziger Sturm könne selbst während eines El-Niño-Ereignisses katastrophale Folgen haben, betonen sie. Derzeit ist keiner in Sicht. Stürme, die versuchten, sich im Atlantik zu bilden, bekämen "einen dreifachen Schlag", erklärt Kristen Corbosiero von der University Albany: Wind, der einen Sturm "enthaupte", trockene Luft, die ihn aushungere und dazu noch ein Hochdruckgebiet, das ihn nach unten drücke. "Ihnen wird der Kopf abgeschnitten"

Am stärksten sei der Effekt der Windscherung, sagt Corbosiero. Dabei träfen starke Ostwinde in den unteren Schichten auf das Sturmsystem, während starke Westwinde in höheren Schichten in die entgegengesetzte Richtung drängten. Damit werde der Sturm praktisch auseinandergerissen. "Ihnen wird der Kopf abgeschnitten, bevor sie überhaupt eine Chance haben", fasst es Brian McNoldy, Hurrikan-Experte an der Universität von Miami, anschaulich zusammen. "Es trifft den Atlantik einfach mit voller Wucht", sagt sein Fachkollege Klotzbach. "Wir hatten noch nicht einmal etwas, das auch nur annähernd einem Hurrikan nahekam."

Antrieb im Pazifik

Die einzige Region, in der die Windscherung bisher nicht hoch war, sei der Golf von Mexiko, erklären die Forschenden. Diese Stürme kämen in der Regel erst später in der Saison richtig in Schwung. Daher könnte es hier noch einige starke Stürme geben. Das Wetterphänomen El Niño geht auf eine Erwärmung des Ozeans im Süden und Osten des Pazifiks zurück. Damit verändern sich Wasser- und Luftströmungen, was Auswirkungen auf Niederschlag und Temperaturen hat. Und während El Niño im Atlantik die Hurrikane dämpft, verstärkt er im Pazifik eher die Wirbelstürme.

"Eine richtige Party"

Im östlichen Pazifik ist die Sturmaktivität fast doppelt so hoch wie normal, und die Hurrikane dauern länger als sonst. "Da draußen ist es eine richtige Party, ein Sturm jagt den nächsten im östlichen Pazifik", sagt Klotzbach von der Colorado State University. Dort wurden in dieser Saison schon 16 tropische Stürme mit Namen benannt, im zentralen Pazifik waren es 20.

In Erwartung von El Niño war schon vor Monaten eine turbulente Hurrikan-Saison für den Pazifik und eine ruhige für den Atlantik vorhergesagt worden. Mit so viel Entspannung im Atlantik hätten aber die wenigsten gerechnet, meint Hurrikan-Forscher McNoldy aus Miami: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich vorhergesehen hat, dass es so ruhig werden würde."

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