Märzwinter: Kalte Tage sind kein Zufall | Weather.com
Advertisement
Advertisement

Wettersingularität Märzwinter: Wenn der Winter zurückkehrt

Kalte, trockene Tage im März passieren nicht zufällig. Laut dem DWD tritt das Phänomen häufig auf.

Frisches grünes Gras wächst durch eine leichte Schneedecke im frühen Frühling.
Nicht überall gleich: Beim Wetterphänomen Märzwinter gibt es innerhalb Deutschlands regionale Unterschiede.
(GettyImages)

Die Frühblüher blühen bereits in den Beeten, die Sonnenstrahlen spenden wohlige Wärme und erhellen das Gemüt – alles ist auf Frühling eingestellt. Doch plötzlich: Eisige Temperaturen, sogar nach dem meteorologischen Frühlingsbeginn. Was ist da los, wenn Anfang oder Mitte März noch einmal frostige Luftmassen nach Deutschland strömen?

Was ist der Märzwinter?

Meteorologen sprechen dann vom „Märzwinter“. Fachlich korrekt handele es sich um eine Singularität, also um eine Wetterlage, die zu einer bestimmten Zeit im Jahr statistisch gehäuft auftrete, erläutert Peter Bissolli vom Deutschen Wetterdienst, Referat Regionale Klimaüberwachung. Charakteristisch für den Märzwinter seien ein oder mehrere kalte und trockene Witterungsabschnitte mit einer großen Häufigkeit Anfang bis Mitte März.

Wie kommt es zum erneuten Wintereinbruch?

Der wesentliche Unterschied zu anderen Wintereinbrüchen im Frühjahr liegt laut Bissolli in dieser festen zeitlichen Bindung. Während Kaltlufteinbrüche grundsätzlich auch zu anderen Zeitpunkten auftreten könnten, sei der Märzwinter im langjährigen Mittel in diesem engen Kalenderfenster deutlich häufiger zu beobachten als davor oder danach.

„Meteorologisch ist der Märzwinter eng mit der großräumigen Zirkulation über Europa verknüpft“, erklärt Bissolli. Bis Mitte März seien Nord- und Osteuropa natürlicherweise noch relativ kalt, Schnee und Frost träten dort fast jedes Jahr auf. Gleichzeitig gebe es im März über Mitteleuropa vergleichsweise viele Nord- und Ostlagen. Diese führten trockene und kalte Luft nach Deutschland – die Hauptursache für den Märzwinter.

Kann der Märzwinter auch noch Schnee bringen?

„Da es sich um eine Übergangsjahreszeit handelt, kann es in bestimmten Konstellationen auch zu Schneefall kommen“, sagt Bissolli. Das sei insbesondere dann möglich, wenn kalte und trockene Luft aus Norden oder Osten auf mildere und feuchtere Luft aus Westen oder Süden treffe. “Schnee ist aber beim Märzwinter nicht die Regel”.

Ist der Märzwinter die einzige Wintersingularität?

Winter-Singularitäten gibt es laut Bissolli nicht nur im März: „Auch im Februar erlebt man statistisch auffällige Kältephasen – wie etwa den Spätwinter – teils sogar mit niedrigeren Temperaturen als im Januar.“ Diese seien jedoch weniger bekannt.

Wetter im Februar 2026 zwischen Frühling und Frost

Spaziergänger sind auf der vereisten Ostsee bei Mönchgut auf der Ostseeinsel Rügen unterwegs. Mit Temperaturen um die null Grad und stark bewölkt zeigt sich das Winterwetter in Norddeutschland von seiner unfreundlichen Seite. Foto: Jens Büttner/dpa
1/7
Spaziergänger sind auf der vereisten Ostsee bei Mönchgut auf der Ostseeinsel Rügen unterwegs. Mit Temperaturen um die null Grad und stark bewölkt zeigt sich das Winterwetter in Norddeutschland von seiner unfreundlichen Seite. Foto: Jens Büttner/dpa

Einen Grund dafür sieht der Meteorologe in der Erwartungshaltung der Menschen an den Jahreszeitenverlauf: Im März rechneten viele Menschen bereits mit dem Frühling, insbesondere wenn der Februar zuvor mild gewesen sei. Ein erneuter Wintereinbruch werde dann als besonders überraschend wahrgenommen.

Wie häufig kommt es zum Märzwinter?

Advertisement

Die Häufigkeit des Märzwinters hänge stark von der zugrunde gelegten Definition ab, so Bissolli. „Wird eine strenge Definition mit Frost und Schnee angesetzt, tritt das Phänomen in Deutschland, außer im Bergland, vergleichsweise selten auf – etwa alle drei bis acht Jahre.” Lege man hingegen lediglich zugrunde, ob es im Vergleich zu den Tagen davor und danach deutlich kälter wird, zeige sich ein anderes Bild. “In rund 80 Prozent der Jahre lässt sich dann ein Märzwinter identifizieren, auch wenn die Temperaturen im Plusbereich bleiben.“

Wo tritt der Märzwinter in Deutschland am häufigsten auf?

Dem Wetterexperten zufolge gibt es innerhalb Deutschlands regionale Unterschiede. Im Norden trete der Märzwinter im Mittel etwas später auf als im Süden. „Durch den maritimen Einfluss fällt er aber hier meist etwas milder aus“, erklärt Bissolli.

Da kalte Luft aus dem Norden nicht mehr so weit nach Süden vorankomme, sei das Phänomen des Märzwinters insgesamt im Norden häufiger, im Süden dafür in der Regel früher als im Norden zu beobachten. Im Osten und Süden falle der Märzwinter häufig intensiver aus als im Norden Deutschlands.

Wie beeinflusst der Klimawandel den Märzwinter?

„Je nach Definition nimmt der Klimawandel Einfluss auf die Märzwinter-Singularität“, sagt Bissolli. „Wird Schnee und Frost als Maßstab herangezogen, tritt das Phänomen mittlerweile seltener auf, da die Eis- und Frosttage insgesamt rückläufig sind.“

Betrachte man hingegen nur die Abweichungen vom klimatologischen Mittel, veränderten sich auch die Vergleichstage davor und danach, sodass sich längerfristig weder eine klare Zu- noch Abnahme der Häufigkeit ergebe. Fest steht laut Bissolli, dass die Intensität insgesamt abgenommen hat. „Der winterliche Charakter des Märzwinters ist heute weniger ausgeprägt als früher.“

Kommt es durch den Märzwinter zu Problemen?

Für die Landwirtschaft sei der Märzwinter in der Regel kein Überraschungsereignis, so Bissolli. Im März werde weiterhin mit Kälte und Frost gerechnet. Kritisch werde es vielmehr, wenn ein ausgeprägter Kälterückfall mit Spätfrösten sehr spät auftrete und die Vegetation bereits weit entwickelt sei – wie es etwa bei den Eisheiligen im Mai der Fall sein kann.

Kurzfristige Kälteeinbrüche wie beim Märzwinter sind Bissolli zufolge zu dieser Jahreszeit somit weniger problematisch. Bei einem Winter mit sehr kalten Perioden könne es aber zu einer verzögerten Entwicklung der Vegetation kommen. Zugleich flögen bei niedrigen Temperaturen weniger Insekten, wodurch die Bestäubung wichtiger Nutzpflanzen eingeschränkt oder verspätet sein könne. Die Regel sei das aber nicht, denn: „Einen sehr kalten Winter haben wir zuletzt 2010/11 erlebt“, stellt der Wetterexperte klar.

Advertisement